Lebenszyklus, Königin & Vermehrung der Ameisen
Ein Ameisenvolk funktioniert wie ein einziger Organismus mit klarer Aufgabenteilung – im Zentrum die Königin. Wer den Lebenszyklus versteht, begreift auch, warum man Ameisen am Nest und nicht an einzelnen Tieren bekämpfen muss.
Der Ameisenstaat – ein soziales Superorganismus
Ameisen sind staatenbildende Insekten. Ein Volk umfasst je nach Art einige Hundert bis viele Tausend, bei manchen Arten sogar Millionen Tiere. Es gibt eine klare Arbeitsteilung zwischen drei Kasten: der Königin (oder mehreren Königinnen), den Arbeiterinnen und – nur zeitweise – den geflügelten Geschlechtstieren. Dieser Zusammenhalt macht das Volk so erfolgreich und gleichzeitig so schwer zu bekämpfen: Solange die Königin lebt und legt, ersetzt das Volk verlorene Arbeiterinnen rasch.
Die Königin – das Herz des Volkes
Die Königin ist das einzige dauerhaft fortpflanzungsfähige Tier im Nest. Nach der Begattung widmet sie sich zeitlebens nur noch dem Eierlegen und kann je nach Art mehrere Jahre, bei manchen Arten sogar weit über ein Jahrzehnt alt werden. Aus ihren Eiern stammt der gesamte Nachwuchs des Volkes. Deshalb ist sie der entscheidende Punkt jeder nachhaltigen Bekämpfung – wird nur an der Oberfläche gegen Arbeiterinnen vorgegangen, bleibt die Königin unberührt und das Volk erholt sich.
Die Arbeiterinnen – unfruchtbare Allrounderinnen
Arbeiterinnen sind unfruchtbare Weibchen und erledigen praktisch alle Aufgaben im Volk: Nahrungssuche, Nestbau und -pflege, Versorgung der Brut und der Königin sowie die Verteidigung. Sie sind es, die als Kundschafterinnen ins Haus kommen und die Ameisenstraßen bilden. Untereinander füttern sie sich gegenseitig (Trophallaxis) und verteilen so Nahrung im ganzen Nest – ein Mechanismus, den die professionelle Köderbekämpfung gezielt ausnutzt, um den Wirkstoff bis zur Königin zu bringen.
Der Hochzeitsflug – wie neue Völker entstehen
Einmal im Jahr bildet das Volk geflügelte Geschlechtstiere: Jungköniginnen und Männchen. An warmen, schwülen Tagen – bei der Schwarzen Wegameise meist zwischen Mitte Juli und Anfang August, oft kurz vor einem Gewitter – schwärmen sie synchron zum Hochzeitsflug aus. In der Luft findet die Paarung statt. Anschließend:
- sterben die Männchen, deren Aufgabe damit erfüllt ist;
- werfen die begatteten Jungköniginnen ihre Flügel ab;
- suchen sie einen geschützten Ort und gründen ein neues Volk.
Die plötzlich auftauchenden "fliegenden Ameisen" sind also keine andere Art und kein Anlass zur Sorge – mehr dazu unter Ameisen erkennen.
Von der Königin zum Volk – die Entwicklungsstadien
Ameisen durchlaufen eine vollständige Metamorphose mit vier Stadien:
- Ei: Die Königin legt winzige Eier.
- Larve: Aus den Eiern schlüpfen beinlose Larven, die von Arbeiterinnen gefüttert werden.
- Puppe: Die Larven verpuppen sich – die oft fälschlich als "Ameiseneier" bezeichneten hellen Kokons sind in Wirklichkeit Puppen.
- Adultes Tier: Aus der Puppe schlüpft die fertige Ameise.
Ob aus einer Larve eine Arbeiterin oder eine Königin wird, hängt vor allem von der Fütterung und Pflege ab. So steuert das Volk seinen eigenen Aufbau.
Warum manche Völker besonders schwer zu bekämpfen sind
Entscheidend ist die Zahl der Königinnen. Völker mit nur einer Königin sind über das Nest angreifbar. Völker mit vielen Königinnen, die zudem Tochternester bilden, sind ungleich hartnäckiger.
Die Pharaoameise etwa hat zahlreiche Königinnen und gründet bei Störung neue Satellitennester – Populationen können auf Hunderttausende anwachsen. Solche Arten lassen sich nicht durch Töten einzelner Tiere oder gar durch Stören in den Griff bekommen, sondern nur durch fachgerechte Köderverfahren (siehe Pharaoameise). Auch das erklärt, warum das Wissen um den Lebenszyklus so praktisch ist: Es zeigt, dass Erfolg nur über die Königin und die Brut zu erreichen ist.
Nützlich statt nur lästig
Bei aller Mühe im Haus: In der Natur sind Ameisenvölker außerordentlich wertvoll. Sie lockern den Boden, verbreiten Pflanzensamen und vertilgen große Mengen anderer Insekten. Mehr als 150 Pflanzenarten verdanken Ameisen ihre Verbreitung. Das spricht dafür, im Garten gelassen zu bleiben und nur dort einzugreifen, wo Ameisen tatsächlich Schaden anrichten oder zur Hygienefrage werden.
Wie ein junges Volk heranwächst
Nach dem Hochzeitsflug steht die Jungkönigin vor einer schwierigen Phase. Allein gräbt sie eine kleine Kammer und legt die ersten Eier. Die erste Generation Arbeiterinnen zieht sie noch selbst auf – meist zehrt sie dabei von ihren Reserven und der zurückgebildeten Flugmuskulatur. Erst wenn diese ersten, oft besonders kleinen Arbeiterinnen schlüpfen, übernehmen sie die Versorgung, und die Königin konzentriert sich fortan ausschließlich aufs Eierlegen. Von da an wächst das Volk Jahr für Jahr. Diese Gründungsphase ist die verletzlichste im Leben eines Volkes – die allermeisten Jungköniginnen überleben sie nicht, was die enorme Zahl an Schwärmern erklärt.
Was das für die Praxis bedeutet
Das Verständnis des Lebenszyklus hat handfeste Konsequenzen für den Umgang mit Ameisen:
- Bekämpfung wirkt nur, wenn sie die Königin und die Brut erreicht – einzelne Arbeiterinnen zu töten, ändert nichts.
- Köder sind gerade deshalb wirksam, weil die gegenseitige Fütterung den Wirkstoff bis ins Herz des Volkes trägt.
- Bei Arten mit vielen Königinnen scheitert jede Methode, die nur an der Oberfläche ansetzt.
- Vorbeugung – also den Tieren Nahrung und Nistplätze zu entziehen – greift früher als jede Bekämpfung.
Wie Sie Köder so einsetzen, dass sie ihren Zweck erfüllen, lesen Sie unter Köder richtig einsetzen.
Häufige Fragen
Wie lange lebt eine Ameisenkönigin?
Königinnen können je nach Art mehrere Jahre alt werden, bei einigen Arten sogar weit über ein Jahrzehnt. Sie sind das einzige dauerhaft fortpflanzungsfähige Tier im Volk und legen nach der Begattung zeitlebens Eier. Deshalb ist die Königin der Schlüssel jeder nachhaltigen Bekämpfung.
Sind die weißen Kügelchen im Nest Ameiseneier?
Meist nicht. Die größeren, hellen Kokons, die Arbeiterinnen bei Störung wegtragen, sind in der Regel Puppen, nicht Eier. Die eigentlichen Eier sind winzig. Ameisen durchlaufen die Stadien Ei, Larve, Puppe und adultes Tier.
Was passiert beim Hochzeitsflug?
Geflügelte Jungköniginnen und Männchen schwärmen an warmen, schwülen Tagen synchron aus und paaren sich in der Luft. Danach sterben die Männchen, während die begatteten Weibchen ihre Flügel abwerfen und neue Völker gründen. Das erklärt die plötzlich auftretenden fliegenden Ameisen im Sommer.
Warum bringt es nichts, einzelne Ameisen zu töten?
Weil die Königin laufend neuen Nachwuchs produziert und das Volk verlorene Arbeiterinnen rasch ersetzt. Nachhaltig wirkt nur, wer am Nest ansetzt – etwa über Köder, die ins Nest getragen werden und über die gegenseitige Fütterung auch die Königin erreichen.
Wie groß kann ein Ameisenvolk werden?
Das variiert stark: von einigen Hundert bis zu mehreren Tausend Tieren, bei manchen Arten sogar Millionen. Völker mit mehreren Königinnen, wie die Pharaoameise, können auf Hunderttausende anwachsen und zusätzlich Tochternester bilden – das macht sie besonders hartnäckig.