Elektronisches Holzfeuchtemessgerät mit Messspitzen in einem feuchten Balken zum Prüfen auf Hausschwamm
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Befall & Holzfeuchte richtig prüfen und messen

Holzzerstörende Pilze brauchen Feuchtigkeit – wer Holz und Mauerwerk richtig misst, erkennt einen Befall früh und bewertet das Risiko realistisch. Dieser Ratgeber zeigt, welche Messmethoden zuverlässig sind und wo ihre Grenzen liegen.

Warum die Holzfeuchte das entscheidende Maß ist

Holzzerstörende Pilze sind keine Frage des Zufalls, sondern der Feuchtigkeit. Als grobe Faustregel gilt: Erst ab einer Holzfeuchte von etwa 20 Prozent können sich holzzerstörende Pilze überhaupt entwickeln – dieser Wert ist in der DIN EN 335 als Schwelle hinterlegt. Trockenes, normal eingebautes Holz im Innenraum liegt dagegen meist bei 8 bis 12 Prozent und ist sicher. Wer also wissen will, ob ein verdächtiges Bauteil gefährdet ist, kommt um eine Feuchtemessung nicht herum.

Eine wichtige Ausnahme macht ausgerechnet der gefährlichste Pilz: Der Echte Hausschwamm kann über sein Geflecht (Myzel) Wasser über mehrere Meter transportieren und so auch bereits ausgetrocknetes Holz weiter zersetzen. Ein einzelner trockener Messwert schließt einen Hausschwammbefall deshalb nicht sicher aus – er ist nur ein Baustein der Beurteilung.

Erste Sichtprüfung: Worauf Sie achten

Bevor gemessen wird, lohnt der genaue Blick. Typische Warnzeichen sind muffiger, erdiger Geruch, wellig aufgewölbte Fußleisten oder Parkett, abblätternder Putz und Holz, das sich beim Antippen weich oder hohl anfühlt. Bräunlich gewürfeltes, in Quader zerfallendes Holz (Würfelbruch) ist ein klassisches Zeichen für Braunfäule. Wer solche Anzeichen eines Befalls findet, sollte gezielt nachmessen – und vor allem die Feuchtequelle suchen.

Messmethoden im Überblick

1. Elektrisches Widerstandsmessgerät

Das gängigste Werkzeug für eine schnelle Orientierung. Zwei Elektroden werden ins Holz gedrückt, das Gerät misst den elektrischen Widerstand, der mit dem Feuchtegehalt zusammenhängt. Solche Holzfeuchtemesser arbeiten besonders zuverlässig im Bereich zwischen etwa 6 und 30 Prozent. Wichtig: Die Anzeige hängt von Holzart und Temperatur ab, deshalb sollten gute Geräte eine Holzarten- und Temperaturkorrektur erlauben. Für einen ersten Eindruck reicht ein solches Gerät, für eine belastbare Beurteilung nicht.

2. Kapazitive (zerstörungsfreie) Messung

Hier wird das Bauteil nur an der Oberfläche abgetastet, ohne Einstiche. Das ist praktisch für eine schnelle Flächensuche, liefert aber nur Werte aus den oberen Millimetern und reagiert empfindlich auf Metall im Untergrund. Gut zum Aufspüren feuchter Zonen, ungenau für absolute Werte.

3. Darrprobe – die genaueste Methode

Der Goldstandard im Labor: Eine Holzprobe wird gewogen, bei rund 105 °C getrocknet, bis sich das Gewicht nicht mehr ändert, und erneut gewogen. Aus der Gewichtsdifferenz ergibt sich die exakte Holzfeuchte bezogen auf das Darrgewicht. Die Methode ist genau, aber aufwendig und zerstörend – sie wird vor allem für Gutachten genutzt.

4. Bohrkern und Endoskopie

Um verdeckten Befall hinter Putz, in Balkenköpfen oder unter Estrich zu finden, arbeiten Fachleute mit Bohrwiderstandsmessungen oder führen eine Endoskopkamera durch ein kleines Bohrloch. So lässt sich das Befallsausmaß beurteilen, ohne großflächig öffnen zu müssen. Diese Untersuchung gehört in fachkundige Hände.

Welche Werte sind kritisch?

  • Unter 15 %: Holz gilt als trocken und nicht gefährdet.
  • 15–20 %: Grauzone – Ursache (Kondensat, kurzzeitige Feuchte?) klären und beobachten.
  • Über 20 %: Pilzgefährdung gegeben; bei dauerhaft hohen Werten ist mit Befall zu rechnen.
  • Über 30 %: deutlich überfeuchtet, ideale Bedingungen für holzzerstörende Pilze.

Zur Einordnung: Nach den Regeln der VOB darf fertig eingebautes Innenholz nur rund 10 Prozent Feuchte haben, dauerhaft der Außenluft ausgesetztes Holz bis etwa 15 Prozent. Jeder Wert deutlich darüber ist ein Alarmsignal und ein Hinweis auf eine bauliche Feuchteursache.

Häufige Messfehler – und wie Sie sie vermeiden

Gerade günstige Geräte führen leicht in die Irre. Die typischen Stolperfallen:

  • Holzart nicht eingestellt: Eiche, Fichte oder Buche leiten Strom unterschiedlich. Ohne Holzartenkorrektur weicht der Wert deutlich ab.
  • Temperatur ignoriert: Kaltes Holz im Keller liefert andere Messwerte als warmes; gute Geräte rechnen das heraus.
  • Nur die Oberfläche gemessen: Ein trockener Anstrich oder eine abgetrocknete Außenschicht täuscht. Aussagekräftig ist die Feuchte im Kern – mit Einstechelektroden in mehreren Tiefen messen.
  • Metall und Salze im Untergrund: Nägel, Bewehrung oder Salzausblühungen verfälschen vor allem kapazitive Messungen.
  • Einzelwert statt Profil: Ein Messpunkt sagt wenig. Messen Sie an mehreren Stellen und über die Zeit, um echte Trends von Schwankungen zu unterscheiden.

Wer diese Punkte beachtet, bekommt mit einfachen Mitteln ein verlässliches Bild – zumindest für die erste Einschätzung.

Wo DIY endet

Ein Feuchtemessgerät aus dem Baumarkt ist nützlich, um trockene Bereiche von feuchten zu unterscheiden und ein Problem überhaupt zu bemerken. Es ersetzt aber keine fachliche Diagnose. Sobald Sie verdächtige Pilzkörper, Würfelbruch oder Werte deutlich über 20 Prozent feststellen – oder einen Verdacht auf Echten Hausschwamm haben –, ist die Beurteilung durch eine sachkundige Person erforderlich. Die DIN 68800-4 schreibt ausdrücklich vor, dass Befall und Befallsausmaß durch einen Sachverständigen festgestellt werden. Falschmessungen führen sonst entweder zu unnötiger Panik oder, schlimmer, zu unterschätzten Schäden an Holz und Statik.

Der wichtigste Messwert ersetzt nie die Ursachensuche: Ein hoher Feuchtewert ist immer nur das Symptom – gefunden und beseitigt werden muss die Quelle.

Häufige Fragen

Ab welcher Holzfeuchte droht Pilzbefall?

Holzzerstörende Pilze können sich in der Regel ab einer Holzfeuchte von etwa 20 Prozent entwickeln. Trockenes Innenholz liegt meist bei 8 bis 12 Prozent. Dauerhaft Werte über 20 Prozent gelten als pilzgefährdet.

Kann ich die Holzfeuchte selbst messen?

Ja, ein elektrisches Widerstandsmessgerät aus dem Fachhandel liefert eine brauchbare Orientierung, ob ein Bauteil feucht ist. Für eine belastbare Beurteilung des Befallsausmaßes – besonders bei Verdacht auf Echten Hausschwamm – ist jedoch eine fachliche Untersuchung nötig.

Welche Messmethode ist am genauesten?

Am genauesten ist die Darrprobe im Labor: Eine Holzprobe wird bei rund 105 °C bis zur Gewichtskonstanz getrocknet, aus der Gewichtsdifferenz ergibt sich die exakte Feuchte. Sie ist allerdings aufwendig und zerstörend und wird vor allem für Gutachten verwendet.

Schließt ein trockener Messwert Hausschwamm aus?

Nein. Der Echte Hausschwamm transportiert Wasser über sein Geflecht und kann auch bereits ausgetrocknetes Holz weiter zersetzen. Ein einzelner trockener Messwert ist deshalb kein sicherer Beweis gegen einen Hausschwammbefall.

Wie finde ich versteckten Befall hinter Putz?

Verdeckter Befall in Wänden, Balkenköpfen oder unter Estrich lässt sich mit Bohrwiderstandsmessung oder einer Endoskopkamera durch ein kleines Bohrloch aufspüren. Diese Untersuchungen führen Fachleute durch, ohne großflächig öffnen zu müssen.

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