Mehrere Holzproben mit unterschiedlichen Fäulnismustern zum Vergleich holzzerstörender Pilze auf einer Werkbank
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Holzzerstörende Pilze: die wichtigsten Arten im Überblick

Nicht jeder Pilz am Bauholz ist der gefürchtete Echte Hausschwamm. Dieser Überblick ordnet die wichtigsten holzzerstörenden Pilze ein und zeigt, warum die richtige Bestimmung über die Sanierung entscheidet.

Holzzerstörende Pilze – eine Familie mit großen Unterschieden

Im Bauwesen unterscheidet man eine ganze Reihe holzzerstörender Pilze. Sie alle brauchen Feuchtigkeit, befallen aber unterschiedliche Hölzer, wachsen unter verschiedenen Bedingungen und verursachen verschieden gefährliche Schäden. Für die Sanierung ist die Artbestimmung entscheidend: Manche Befälle verschwinden, sobald das Holz dauerhaft trocknet, andere – allen voran der Echte Hausschwamm – erfordern aufwendige Maßnahmen am Mauerwerk.

Gemeinsam ist allen, dass sie erst ab einer Holzfeuchte von etwa 20 % aktiv werden. Trockenes Holz unter dieser Grenze ist sicher. Man teilt die Pilze nach dem Schadbild in Braunfäule-, Weißfäule- und Moderfäule-Erreger ein.

Die Braunfäule-Erreger

Bei der Braunfäule wird die helle Zellulose abgebaut, das dunkelbraune Lignin bleibt zurück, das Holz reißt würfelförmig (Würfelbruch) und zerfällt am Ende zu Pulver. Zu dieser Gruppe gehören die gefährlichsten Gebäudepilze.

Echter Hausschwamm (Serpula lacrymans)

Der mit Abstand gefürchtetste Gebäudepilz. Er transportiert über Stränge Wasser, kann dadurch trockenes Holz befeuchten und sogar durch Mauerwerk wachsen. Schon vergleichsweise geringe Holzfeuchte genügt ihm. Mehr dazu im Artikel Echten Hausschwamm erkennen.

Brauner Kellerschwamm (Coniophora puteana)

Nach dem Hausschwamm der zweithäufigste Schadenverursacher. Er gilt als Nassfäulepilz und benötigt deutlich höhere Holzfeuchten von etwa 50–60 %. Trocknet das Holz, stirbt er meist ab. Sein junges Myzel ist weiß, später braun bis schwarz. Details im Artikel Brauner Kellerschwamm.

Weiße Porenschwämme (Antrodia spp.)

Einer der am häufigsten in deutschen Gebäuden vorkommenden Holzzerstörer. Auffällig sind schneeweiße, biegsame Myzelstränge, die in eisblumenartigen Fächern enden, sowie porige Fruchtkörper. Mehr im Artikel Weißer Porenschwamm.

Blättlinge (z. B. Balkenblättling, Gloeophyllum)

Sie befallen vor allem Holz im Außenbereich wie Fenster, Balkone und Zaunpfosten und arbeiten oft von innen, sodass die Oberfläche lange intakt wirkt.

Die Weißfäule-Erreger

Bei der Weißfäule wird auch das Lignin angegriffen; das Holz bleibt heller, wird faserig und weich, behält aber länger sein Volumen. Typische Vertreter sind der Ausgebreitete Hausporling sowie verschiedene Porlinge und Seitlinge. Im Hochbau sind sie seltener als die Braunfäule-Erreger, kommen aber an dauernassem Holz vor.

Moderfäule

Moderfäule wird von mikroskopisch kleinen Schlauchpilzen verursacht und tritt bei sehr hoher, oft dauerhafter Feuchte auf – etwa an erdberührtem Holz, in Fensterrahmen oder Kühltürmen. Das Holz wird oberflächlich weich und dunkel.

Warum die Artbestimmung über die Sanierung entscheidet

Die Konsequenzen unterscheiden sich erheblich:

  • Echter Hausschwamm: aufwendige Sanierung nach DIN 68800-4, inklusive Entfernen befallenen Holzes weit über den sichtbaren Bereich hinaus und Mauerwerksbehandlung.
  • Nassfäulepilze (Kellerschwamm, Porenschwamm u. a.): Oft steht die dauerhafte Trockenlegung im Vordergrund; ohne Feuchte sterben sie ab.

Eine Verwechslung kann also entweder zu unnötig teurer Übersanierung oder – weit gefährlicher – zu einer unterschätzten Hausschwamm-Sanierung führen.

Die optische Ähnlichkeit der weißen Myzelien ist groß. Eine sichere Bestimmung gelingt über Stränge, Fruchtkörper, Schadbild und im Zweifel über eine Laboranalyse durch einen Sachverständigen.

Schnellvergleich der wichtigsten Arten

Zur groben Orientierung lassen sich die häufigsten Gebäudepilze an wenigen Eckpunkten unterscheiden:

  • Echter Hausschwamm: kommt mit relativ geringer Holzfeuchte aus, bildet meterlange Stränge und durchwächst Mauerwerk; gefährlichster Befall, überdauert Trockenheit in Trockenstarre.
  • Brauner Kellerschwamm: braucht sehr hohe Holzfeuchte (50–60 %), dunkelbraune bis schwarze, fein verzweigte Stränge; stirbt bei Trocknung meist ab.
  • Weißer Porenschwamm: schneeweiße, dauerhaft biegsame Stränge mit eisblumenartigen Enden, porige Fruchtkörper; ebenfalls auf hohe Feuchte angewiesen.
  • Blättlinge: vor allem an Außenholz (Fenster, Balkon, Zaun), arbeiten oft von innen.

Diese Eckpunkte ersetzen keine sichere Bestimmung, helfen aber, das Risiko einzuordnen und die richtigen Fragen zu stellen.

Häufige Irrtümer

Drei Missverständnisse führen immer wieder zu Fehlentscheidungen: Erstens ist nicht jeder weiße Belag Hausschwamm – junge Myzelien mehrerer Arten und auch Schimmel sehen ähnlich aus. Zweitens bedeutet ein abgetrockneter Pilz nicht automatisch das Ende: Der Hausschwamm kann in Trockenstarre überdauern. Drittens ist der sichtbare Befall selten der gesamte Befall, weil sich viele Pilze verdeckt ausbreiten. Wer diese Punkte kennt, vermeidet vorschnelle Entwarnung ebenso wie unnötige Panik.

Was Sie selbst tun können – und wo die Grenze liegt

Sie können den Fundort dokumentieren (Fotos, Lage, Geruch, betroffene Bauteile) und die Feuchtequelle suchen. Die Bestimmung der Art und die Festlegung der Sanierung gehören jedoch in Fachhände. Besteht der Verdacht auf Echten Hausschwamm, sollten Sie einen Sachverständigen oder einen Holzschutz-Fachbetrieb des BIOVEX-Netzwerks hinzuziehen, bevor Bauteile geöffnet oder behandelt werden.

Häufige Fragen

Welche holzzerstörenden Pilze sind im Haus am häufigsten?

Am häufigsten und gefährlichsten ist der Echte Hausschwamm. Daneben spielen vor allem der Braune Kellerschwamm und die Weißen Porenschwämme eine Rolle; sie gelten als Nassfäulepilze und brauchen höhere Holzfeuchten.

Was ist der Unterschied zwischen Braunfäule und Weißfäule?

Bei der Braunfäule wird vor allem die Zellulose abgebaut, das Holz wird dunkel, reißt würfelförmig und zerfällt. Bei der Weißfäule wird auch das Lignin angegriffen, das Holz bleibt heller, wird faserig und weich.

Sind alle Pilze am Bauholz gleich gefährlich?

Nein. Der Echte Hausschwamm ist am gefährlichsten, weil er trockenes Holz aktiv befeuchtet und durch Mauerwerk wächst. Nassfäulepilze sterben dagegen meist ab, wenn das Holz dauerhaft trocknet.

Ab welcher Holzfeuchte werden holzzerstörende Pilze aktiv?

Erst ab etwa 20 % Holzfeuchte. Holz, das dauerhaft trockener gehalten wird, ist vor holzzerstörenden Pilzen sicher. Deshalb ist die Beseitigung der Feuchtequelle immer Teil der Sanierung.

Warum muss die Pilzart bestimmt werden?

Weil die Sanierung davon abhängt: Beim Echten Hausschwamm ist eine aufwendige Behandlung nach DIN 68800-4 nötig, bei reinen Nassfäulepilzen steht oft die Trockenlegung im Vordergrund. Eine Verwechslung kostet Geld oder Substanz.

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