Holzschutzmittel: Bohrloch-Tränkung und Anstrich richtig einsetzen
Holzschutzmittel gegen Larven werden gestrichen oder per Bohrloch-Tränkung tief ins Holz gebracht. Als Biozide wirken sie nur richtig eingesetzt – und nur dort, wo bauliche Maßnahmen nicht ausreichen. Dieser Beitrag erklärt das Wie sachlich, ohne Dosieranleitung.
Bekämpfender und vorbeugender Holzschutz
Chemischer Holzschutz erfüllt zwei verschiedene Aufgaben. Der vorbeugende Holzschutz soll gesundes Holz vor Befall bewahren, der bekämpfende soll vorhandene Schädlinge abtöten. Beide arbeiten mit Bioziden, also Wirkstoffen, die gegen Insekten und teils gegen Pilze wirken. Ein häufiger Wirkstoff sind Borsalze, die als Fraßgift gegen holzzerstörende Insekten wirken. Welches Mittel zulässig ist, hängt vom Anwendungsfall ab: Für tragende, bauaufsichtlich relevante Hölzer sind Mittel mit Prüfung beim Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) vorgesehen.
Wichtig vorab: Der Grundsatz der DIN 68800 lautet, chemischen Holzschutz nur dort einzusetzen, wo baulich-konstruktive Maßnahmen nicht genügen. Trockenes, belüftetes Holz braucht oft gar keine Chemie – siehe konstruktiver Holzschutz.
Die Anwendungsverfahren
Anstrich und Streichverfahren
Das Mittel wird auf die Holzoberfläche aufgetragen. Der Vorteil ist die einfache Handhabung, der Nachteil die begrenzte Eindringtiefe: Ein Anstrich erreicht tiefsitzende Larven, etwa des Hausbocks, allein meist nicht. Anstriche eignen sich daher eher zur Vorbeugung und Oberflächenbehandlung als zur alleinigen Bekämpfung tiefen Befalls.
Bohrloch-Tränkung
Bei der Bohrloch-Tränkung werden in den Splintholzbereich der befallenen Balken Löcher gebohrt, deren Durchmesser und Abstand zum Mittel passen. In diese Löcher wird das Holzschutzmittel mehrfach drucklos oder unter Druck eingebracht. So gelangt der Wirkstoff in die Tiefe und erreicht auch tiefsitzende Larven, zum Beispiel des Hausbocks. Die Bohrloch-Tränkung ist damit das durchdringendere chemische Verfahren und wird häufig bei einzelnen tragenden Balken eingesetzt.
Biozide sicher einsetzen
Holzschutzmittel sind keine harmlosen Anstriche. Sie enthalten lebenstötende Wirkstoffe und verlangen Sorgfalt. Folgende Grundsätze gelten unabhängig vom Produkt:
- Nur zugelassene Produkte verwenden und die Kennzeichnung sowie die Gebrauchsanweisung genau lesen und befolgen.
- Schutzausrüstung tragen, je nach Mittel und Verfahren Handschuhe, Schutzbrille und Atemschutz; im Spritzverfahren ist Atemschutz besonders wichtig.
- Gut lüften während und nach der Anwendung.
- Kinder und Haustiere fernhalten, bis behandelte Flächen vollständig abgetrocknet und Räume gelüftet sind.
- Reste und Gebinde als Sondermüll entsorgen, nie über Hausmüll oder Abfluss.
Dieser Ratgeber nennt bewusst keine Dosierungen, Mischungsverhältnisse oder Bohrabstände. Diese Angaben gehören ausschließlich auf die geprüfte Produktkennzeichnung und in fachkundige Hände. Falsch eingesetzt gefährden Biozide Gesundheit und Umwelt – und wirken trotzdem nicht zuverlässig.
Was im Innenwohnbereich gilt
Das Umweltbundesamt empfiehlt, chemischen Holzschutz im Innenwohnbereich aus Gesundheits- und Umweltgründen möglichst zu vermeiden. Sichtbare Innenbalken oder Möbel sollten bevorzugt mit giftfreien Verfahren wie Hitze behandelt werden, statt vorsorglich mit Bioziden gestrichen zu werden. Chemie ist hier die Ausnahme, nicht die Regel.
Grenzen der Eigenanwendung
Frei verkäufliche Holzwurmmittel können bei kleinen, klar abgegrenzten Befällen im Eigenverfahren sinnvoll sein – streng nach Kennzeichnung. Bei tragenden Bauteilen, beim Dachstuhl und bei Verdacht auf den gefährlichen Hausbock ist die Sache anders gelagert:
- Die richtige Wirkstoffmenge muss die Larven im Kern wirklich erreichen, was Erfahrung und oft die Bohrloch-Tränkung erfordert.
- Eine falsche Einschätzung lässt den Befall weiterlaufen und gefährdet die Statik.
- Bauaufsichtlich relevante Hölzer verlangen geprüfte Mittel und fachgerechte Verarbeitung.
In diesen Fällen ist die fachgerechte Ausführung durch einen qualifizierten Betrieb der sichere Weg – mehr zur Abgrenzung im Beitrag Holzwurm selbst bekämpfen. Ob Chemie überhaupt nötig oder eine giftfreie Methode besser ist, zeigt der Vergleich der Bekämpfungsmethoden.
Fazit
Holzschutzmittel sind wirksame, aber erklärungsbedürftige Werkzeuge. Anstriche schützen und behandeln die Oberfläche, die Bohrloch-Tränkung erreicht tiefsitzende Larven. Entscheidend sind zugelassene Mittel, die genaue Beachtung der Kennzeichnung und der Schutz von Mensch, Tier und Umwelt. Im Wohnbereich gilt: so wenig Chemie wie möglich. Bei tragendem Holz und Hausbockverdacht übernimmt ein Fachbetrieb des BIOVEX-Netzwerks die regelkonforme Anwendung.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Anstrich und Bohrloch-Tränkung?
Ein Anstrich behandelt die Oberfläche und eignet sich vor allem zur Vorbeugung, erreicht aber tiefsitzende Larven meist nicht. Bei der Bohrloch-Tränkung wird das Mittel in gebohrte Löcher im Splintholz eingebracht und dringt in die Tiefe vor, sodass auch tiefsitzende Larven wie die des Hausbocks erfasst werden.
Sind Holzschutzmittel gefährlich für Kinder und Haustiere?
Sie enthalten Biozide, also lebenstötende Wirkstoffe, und müssen mit Sorgfalt eingesetzt werden. Halten Sie Kinder und Haustiere vom behandelten Bereich fern, bis die Flächen vollständig abgetrocknet und die Räume gut gelüftet sind. Beachten Sie unbedingt die Sicherheitshinweise auf der Kennzeichnung.
Welche Schutzausrüstung brauche ich?
Das hängt vom Produkt und Verfahren ab und steht auf der Kennzeichnung. Üblich sind Handschuhe und Schutzbrille; bei Borsalzen und im Spritzverfahren wird zusätzlich Atemschutz empfohlen. Sorgen Sie zudem für gute Belüftung während und nach der Anwendung.
Sollte ich Innenbalken vorsorglich mit Holzschutzmittel streichen?
In der Regel nicht. Das Umweltbundesamt empfiehlt, chemischen Holzschutz im Innenwohnbereich aus Gesundheits- und Umweltgründen möglichst zu vermeiden. Trockenes, belüftetes Innenholz ist wenig gefährdet. Bei Befall an Möbeln sind giftfreie Verfahren wie Hitze meist die bessere Wahl.
Wann reicht ein Mittel aus dem Baumarkt nicht aus?
Bei tragenden Bauteilen, beim Dachstuhl und bei Verdacht auf Hausbock. Hier muss der Wirkstoff die Larven im Kern erreichen, was meist die Bohrloch-Tränkung und fachgerechte Verarbeitung erfordert. Bauaufsichtlich relevante Hölzer verlangen zudem geprüfte Mittel. In solchen Fällen sollte ein Fachbetrieb übernehmen.