Geräusche nachts auf dem Dachboden: Marder oder nicht?
Poltern über dem Schlafzimmer reißt einen nachts aus dem Schlaf, doch nicht jedes Geräusch stammt vom Marder. Anhand von Lautstärke, Tritt, Uhrzeit und Jahreszeit lässt sich erstaunlich gut eingrenzen, welches Tier sich eingenistet hat.
Erst zuhören, dann handeln
Nächtliche Geräusche auf dem Dachboden sind der häufigste Anlass, einen Marder zu vermuten. Tatsächlich kommen aber mehrere Tiere infrage, und nicht alle dürfen überhaupt bekämpft werden. Bevor Sie Maßnahmen ergreifen, lohnt sich deshalb genaues Hinhören: Wie schwer klingt der Tritt? Wann genau treten die Geräusche auf? Und vor allem: Hören Sie sie auch im Winter? Diese drei Fragen führen meist schon zur richtigen Spur.
So klingt ein Marder
Der Steinmarder ist ein vergleichsweise schweres Tier (etwa katzengroß) und macht entsprechend Lärm:
- Lautes Poltern, Trampeln und Rollen, oft so deutlich, dass man meint, ein Kind oder eine Katze laufe über den Boden.
- Kratzen und Scharren, wenn er Dämmung zerwühlt oder ein Nest baut.
- Manchmal keckernde, fauchende Laute, vor allem in der Paarungszeit oder bei Streit zwischen Tieren.
- Ein schwerer, unregelmäßiger Tritt mit Pausen, kein gleichmäßiges Rascheln.
Typisch ist die Uhrzeit: Der Marder ist dämmerungs- und nachtaktiv, am lautesten meist zwischen etwa 22 und 4 Uhr. Entscheidend ist außerdem: Der Marder ist das ganze Jahr über aktiv, auch mitten im Winter.
Womit man den Marder verwechselt
Die häufigsten Verwechslungen und ihre Unterscheidungsmerkmale:
Siebenschläfer
Siebenschläfer galoppieren mit kurzen, schnellen Trippelschritten, die leicht und flink klingen, fast wie ein Kind in Socken über Parkett. Dazu kommen typische Lautäußerungen: Zwitschern, Quieken, Fiepen und Pfeifen, oft viele Male hintereinander. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist die Jahreszeit: Siebenschläfer halten Winterschlaf. Hört man die Geräusche nur im Sommerhalbjahr und gar nicht im Winter, spricht alles für den Siebenschläfer. Wichtig: Der Siebenschläfer ist besonders geschützt und darf nicht bekämpft, gefangen oder getötet werden. Bei Verdacht hilft die zuständige Naturschutzbehörde weiter.
Mäuse und Ratten
Mäuse verursachen ein feines, leises Trippeln und Kratzen, meist in Wänden und Zwischendecken, oft begleitet von Nagegeräuschen. Ratten klingen etwas kräftiger, nagen aber ebenfalls deutlich hörbar. Beide nagen, der Marder praktisch nicht. Anhaltendes Knabbern und Nagen spricht also gegen den Marder.
Vögel und Insekten
Tauben oder andere Vögel unter dem Dach gurren und flattern und sind tagsüber aktiv. Auch ein Wespen- oder Hornissennest kann ein gleichmäßiges Summen oder Rascheln erzeugen, allerdings tagsüber. Nächtliches Poltern passt zu keinem von beiden.
Die Jahreszeit als Schlüssel
Eine einfache, aber sehr verlässliche Faustregel:
- Geräusche nur im Sommerhalbjahr, Stille im Winter deutet stark auf den geschützten Siebenschläfer hin.
- Geräusche auch im Januar und Februar schließen den Siebenschläfer fast aus, dann kommen Marder, Ratten oder Mäuse infrage.
- Schweres Poltern plus eingetragene Beutereste, das ganze Jahr spricht für den Marder.
Eine Gesamtschau aller Befallszeichen, nicht nur der Geräusche, finden Sie unter Marder erkennen.
So bestätigen Sie den Verdacht
- Geräuschprotokoll führen: Notieren Sie Uhrzeit, Lautstärke und Art der Geräusche über einige Nächte und achten Sie auf die Jahreszeit.
- Dachboden bei Tageslicht kontrollieren: Suchen Sie nach Kot (Latrinen), zerwühlter Dämmung und Beuteresten. Marderkot ist 8 bis 10 cm lang, siehe Marderspuren und Marderkot.
- Mehlspur auslegen: Sie macht Trittsiegel mit fünf Zehen sichtbar.
Diese Beobachtungen helfen, das Tier sicher zu bestimmen, und sind später auch für einen Fachbetrieb wertvoll.
Wann Hilfe sinnvoll ist
Steht fest, dass es ein Marder ist, sollten Sie zügig handeln, denn nächtlicher Lärm geht oft mit Schäden an der Dämmung einher. Da der Marder dem Jagdrecht unterliegt, sind Fangen und Töten Privatpersonen in der Regel nicht erlaubt; sinnvoll und zulässig sind Vergrämung und das Abdichten der Zugänge. Bleibt unklar, welches Tier es ist, oder besteht der Verdacht auf eine geschützte Art, klären eine Naturschutzbehörde oder das BIOVEX-Netzwerk die Lage, bevor unnötige oder rechtlich heikle Maßnahmen ergriffen werden.
Das Wichtigste in Kürze
Marder poltern schwer und unregelmäßig zwischen 22 und 4 Uhr, das ganze Jahr über, und nagen nicht. Leichtes, schnelles Galoppieren mit Zwitschern nur im Sommer deutet auf den geschützten Siebenschläfer, der nicht bekämpft werden darf. Feines Trippeln mit Nagen spricht für Mäuse oder Ratten. Die Jahreszeit ist oft der schnellste Schlüssel zur richtigen Art.