Bilche unterscheiden: Siebenschläfer, Gartenschläfer, Baumschläfer und Haselmaus
In Deutschland leben vier Bilcharten: Siebenschläfer, Gartenschläfer, Baumschläfer und Haselmaus. Dieser Beitrag zeigt, wie Sie die kleinen Schlafmäuse sicher unterscheiden und warum die seltenen Arten besonders schützenswert sind.
Vier Bilche, ein Bauplan
Bilche, auch Schlafmäuse genannt, sind eine eigene Säugetierfamilie. Allen gemeinsam sind der lange Winterschlaf, die nächtliche Lebensweise, große Augen und meist ein behaarter Schwanz. In Deutschland kommen vier Arten vor: der weit verbreitete Siebenschläfer, der stark zurückgehende Gartenschläfer, der extrem seltene Baumschläfer und die kleine Haselmaus. Auf dem Dachboden landet fast immer der Siebenschläfer, die übrigen Arten leben überwiegend versteckt in Wäldern, Hecken und Gärten.
Siebenschläfer
Der Siebenschläfer ist mit Abstand der größte Bilch. Sein Körper misst 12 bis 18 Zentimeter, der buschige Schwanz noch einmal 11 bis 15 Zentimeter. Das Fell ist gleichmäßig aschgrau bis silbergrau, die Unterseite hell abgesetzt. Auffällig sind die großen dunklen Augen mit nur dezentem dunklem Ring, ohne Maske. Er sieht aus wie ein kleines, graues Eichhörnchen und ist der einzige Bilch, der regelmäßig Häuser bewohnt. Wie Sie ihn im Detail bestimmen, lesen Sie unter Siebenschläfer erkennen.
Gartenschläfer
Der Gartenschläfer ist kleiner und unverwechselbar gezeichnet: Eine schwarze Maske zieht sich rund um die großen Augen bis hinter die Ohren, weshalb er auch "Zorro der Nacht" genannt wird. Sein Rücken ist rötlichbraun bis grau, der Bauch leuchtend weiß, der Schwanz endet in einer schwarzweißen Quaste. Der Gartenschläfer ist in Deutschland stark gefährdet und in vielen Regionen verschwunden, weshalb er besonders im Fokus des Naturschutzes steht. Begegnet man ihm, sollte man ihn keinesfalls bedrängen.
Baumschläfer
Der Baumschläfer ist die seltenste heimische Bilchart und kommt in Deutschland nur in wenigen Reliktvorkommen vor. Er ähnelt dem Gartenschläfer, trägt aber eine kürzere Augenbinde, die nicht bis hinter das Ohr reicht, und einen gleichmäßig buschigen Schwanz ohne markante Quaste. Wegen seiner Seltenheit ist eine Begegnung im Siedlungsraum sehr unwahrscheinlich.
Haselmaus
Die Haselmaus ist der kleinste Bilch und wiegt nur etwa 15 bis 25 Gramm. Ihr Fell ist warm gelblichbraun bis rötlich, die Unterseite heller, der Schwanz ist behaart, aber nicht so buschig wie beim Siebenschläfer. Sie lebt versteckt in Hecken, Waldrändern und Gebüschen und baut tennisballgroße Kobel aus Gras und Blättern. Die Haselmaus ist europaweit nach der FFH-Richtlinie streng geschützt und gilt als Indikatorart für naturnahe Lebensräume.
Die Arten im schnellen Vergleich
- Siebenschläfer: groß, einheitlich grau, keine Maske, buschiger Schwanz, häufig im Haus
- Gartenschläfer: mittelgroß, schwarze Maske bis hinters Ohr, Schwanzquaste, stark gefährdet
- Baumschläfer: ähnlich Gartenschläfer, kurze Augenbinde, sehr selten
- Haselmaus: sehr klein, gelblichbraun, streng geschützt, lebt in Hecken
Alle Bilche sind geschützt
Wichtig zu wissen: Alle vier heimischen Bilche stehen unter dem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes. Der Siebenschläfer ist besonders geschützt, Haselmaus und Gartenschläfer genießen einen noch strengeren Schutz. Keine dieser Arten darf gefangen, verletzt oder getötet werden, auch nicht im Haus. Mehr zu den rechtlichen Folgen lesen Sie unter Siebenschläfer und Artenschutzrecht. Wer einen Bilch im Garten ansiedeln möchte, statt ihn zu vertreiben, findet Hinweise unter Nistkasten als Alternative.
Welcher Bilch sitzt auf meinem Dachboden?
Wenn Sie ein Tier nur kurz oder im Halbdunkel sehen, achten Sie zuerst auf die Größe und die Gesichtszeichnung. Ein einheitlich graues, eichhörnchengroßes Tier ohne Maske ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Siebenschläfer, denn er ist die einzige Art, die regelmäßig in Gebäude einzieht. Eine deutliche schwarze Maske weist auf den selteneren Gartenschläfer hin. Sehr kleine, gelblich-braune Tiere in Hecken sind eher Haselmäuse, die nur ausnahmsweise in Gebäudenähe auftauchen. Im Zweifel hilft ein Foto und die Beratung durch die untere Naturschutzbehörde oder einen ehrenamtlichen Bilchberater des NABU.
Wo die Arten leben
Auch der Lebensraum hilft bei der Einordnung. Der Siebenschläfer bewohnt alte Laubwälder, Streuobstwiesen, Gärten und Parks und zieht von dort gern in Gebäude. Der Gartenschläfer kommt in Deutschland nur noch in wenigen Regionen vor, etwa in Mittelgebirgen und alpinen Lagen, und ist im Tiefland vielerorts verschwunden; sein Rückgang gibt dem Naturschutz Rätsel auf. Der Baumschläfer beschränkt sich auf wenige Reliktvorkommen, vor allem im südöstlichen Mittelgebirgsraum, und ist deshalb für die meisten Menschen praktisch nie zu sehen. Die Haselmaus lebt versteckt in dichten Hecken, an Waldrändern und in unterholzreichen Wäldern, wo sie ihre kugeligen Nester baut. Wer also einen Bilch im Siedlungsraum oder gar im Haus antrifft, hat es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit mit dem Siebenschläfer zu tun, während die anderen drei Arten Begegnungen im Freiland und in naturnahen Lebensräumen vorbehalten bleiben.
Das Wichtigste in Kürze
Vier Bilcharten leben in Deutschland, doch nur der große, graue Siebenschläfer wohnt regelmäßig auf Dachböden. Gartenschläfer (mit Maske), Baumschläfer (sehr selten) und Haselmaus (winzig, in Hecken) sind eher im Freiland zu finden und teilweise sogar streng geschützt. Egal welche Art: Töten ist tabu, Beobachten und Melden bei der Naturschutzbehörde ist der richtige Weg.