Lebensweise, Winterschlaf und Vermehrung der Siebenschläfer
Der Siebenschläfer verbringt mehr als die Hälfte seines Lebens schlafend: Sein Winterschlaf dauert oft sieben Monate und länger. Wer den Lebensrhythmus aus Winterschlaf, Aktivzeit und Vermehrung kennt, versteht das Verhalten der Tiere und kann sie zielsicher und tierschonend aussperren.
Ein Leben im Takt der Jahreszeiten
Kaum ein heimisches Säugetier richtet sein Leben so konsequent nach der Jahreszeit aus wie der Siebenschläfer. Seinen Namen verdankt er dem extrem langen Winterschlaf, der in vielen Regionen tatsächlich sieben Monate oder länger andauert, oft von Mitte September bis in den Mai. In dieser Zeit ist das Tier praktisch nicht wahrnehmbar. Erst im Frühjahr erwacht es und drängt in eine kurze, intensive Aktivphase, in der alles Wesentliche passiert: fressen, sich vermehren, Junge aufziehen und Fettreserven anlegen.
Der Winterschlaf
Zum Winterschlaf zieht sich der Siebenschläfer in frostsichere Verstecke zurück, häufig in Erdhöhlen, unter Wurzeln, in Mauerritzen oder geschützten Hohlräumen. Er rollt sich zusammen, senkt Körpertemperatur, Herzschlag und Atmung drastisch ab und zehrt von den im Sommer angefressenen Fettpolstern. Dieser Energiesparmodus erlaubt es ihm, die nahrungsarme Jahreszeit zu überdauern. Weil die Tiere im Winterschlaf besonders verletzlich sind, sollte man sie keinesfalls stören oder ausgraben. Dass im Winter Ruhe herrscht, ist zugleich das verlässlichste Unterscheidungsmerkmal zu Marder und Maus, wie der Beitrag Siebenschläfer, Marder oder Maus? zeigt.
Die Aktivzeit im Sommerhalbjahr
Nach dem Erwachen im Frühjahr, meist im Mai, beginnt die kurze Aktivphase. Der Siebenschläfer ist dämmerungs- und nachtaktiv, klettert geschickt durch Bäume und Gebäude und ernährt sich vor allem von Knospen, Früchten, Samen, Nüssen und Bucheckern, gelegentlich auch von Insekten und Vogeleiern. In dieser Zeit fallen die nächtlichen Geräusche auf dem Dachboden an, die Betroffene oft erst auf den Mitbewohner aufmerksam machen, mehr dazu unter Nachtgeräusche deuten.
Paarung und Vermehrung
Die Fortpflanzung ist eng an das Nahrungsangebot gekoppelt. Die Paarungszeit liegt im Frühsommer, besonders Ende Juni begleiten die Tiere ihr Werben lautstark, was den nächtlichen Lärm deutlich verstärkt. Nach einer Tragzeit von rund einem Monat bringt das Weibchen in der Regel einmal im Jahr einen Wurf zur Welt, meist mit etwa vier bis sechs Jungen. Die Geburt fällt häufig in den Spätsommer. Die Jungtiere werden im Nest gesäugt und entwickeln sich rasch, müssen sich aber bis zum Herbst genug Fett anfressen, um den ersten Winter zu überstehen.
In Jahren mit schlechtem Nahrungsangebot, etwa wenn Buchen und Eichen kaum Früchte tragen, kann die Vermehrung ganz ausfallen. Diese enge Bindung an die sogenannten Mastjahre macht die Bestände von Jahr zu Jahr sehr schwankend.
Lebenserwartung und Ortstreue
Für ein so kleines Säugetier wird der Siebenschläfer erstaunlich alt; in freier Natur sind mehrere Jahre möglich, in Ausnahmefällen deutlich mehr. Diese Langlebigkeit hängt auch mit dem energiesparenden Winterschlaf zusammen. Die Tiere sind zudem ortstreu und kehren gern an bewährte Quartiere zurück. Für Hausbesitzer bedeutet das: Ein einmal angenommener Dachboden wird oft über Jahre genutzt, solange er zugänglich bleibt. Warum die Tiere überhaupt ins Haus ziehen, erklärt der Beitrag Woher Siebenschläfer kommen.
Was Siebenschläfer fressen
Die Ernährung erklärt viel vom Verhalten der Tiere. Der Siebenschläfer ist überwiegend pflanzenfresser und bevorzugt energiereiche Kost, die ihm hilft, schnell Fettreserven aufzubauen. Auf dem Speiseplan stehen Knospen, Triebe, Beeren, Früchte, Samen und vor allem die Früchte von Buchen und Eichen, also Bucheckern und Eicheln. Im Spätsommer ergänzt er das durch Nüsse und Obst, gelegentlich frisst er auch Insekten, Schnecken oder Vogeleier. Diese Vorliebe für Baumfrüchte ist der Grund, warum die Tiere in Gärten mit Obstbäumen, Hasel und Walnuss besonders gern unterwegs sind und dort angefressene Früchte hinterlassen. Sie ist zugleich der Schlüssel zur starken Bestandsschwankung: In Jahren, in denen Buchen und Eichen kaum Früchte tragen, fehlt die Nahrungsgrundlage für eine erfolgreiche Aufzucht, und die Vermehrung fällt geringer aus oder ganz weg. Wer den Garten weniger attraktiv gestalten will, findet Hinweise unter Vorbeugen.
Warum der Lebensrhythmus für das Aussperren zählt
Das Wissen um den Jahresrhythmus ist praktisch entscheidend. Weil in der Aufzuchtzeit hilflose Jungtiere im Nest liegen, darf man Zugänge dann nicht einfach verschließen, sonst würden Tiere eingesperrt und verhungern, was zudem gegen das Artenschutzrecht verstößt. Das dauerhafte Aussperren plant man deshalb idealerweise für die Zeit nach dem Auszug der Tiere und vor dem nächsten Einzug, in vielen Fällen also im Spätherbst oder Winter, wenn der Dachboden nachweislich leer ist. Wie das tierschonend gelingt, beschreiben die Beiträge Was ist erlaubt? und Dachboden abdichten.
Das Wichtigste in Kürze
Der Siebenschläfer hält einen ungewöhnlich langen Winterschlaf von oft sieben Monaten und ist nur im Sommerhalbjahr aktiv. In dieser Zeit frisst er sich Reserven an, vermehrt sich einmal jährlich mit meist vier bis sechs Jungen und zieht den Nachwuchs bis zum Herbst groß. Weil die Tiere ortstreu sind und in der Aufzuchtzeit hilflose Junge im Nest liegen, muss das Aussperren genau auf den Lebensrhythmus abgestimmt werden.