Taubennest aus Zweigen mit zwei hellen Eiern auf einem Balkonvorsprung zur Brutzeit der Stadttauben
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Brutzeit und Vermehrung von Stadttauben

Stadttauben brüten fast das ganze Jahr und ziehen mehrere Bruten pro Saison groß – das erklärt, warum aus wenigen Tieren schnell ein Schwarm wird. Wer den Brutrhythmus kennt, versteht, warum frühes und tierschutzkonformes Handeln zählt.

Ein außergewöhnlich langer Brutzeitraum

Anders als viele heimische Wildvögel sind Stadttauben kaum an feste Jahreszeiten gebunden. Die Hauptbrutzeit liegt zwar zwischen März und August, doch Bruten kommen bis in den Oktober und vereinzelt sogar im Winter vor. Möglich macht das die Zuchtgeschichte der Stadttaube: Als Nachkomme der Haustaube wurde sie über Generationen auf hohe Vermehrungsleistung selektiert. Das Ergebnis ist ein außergewöhnlich starker, fast ganzjähriger Bruttrieb.

Wie oft Tauben pro Jahr brüten

Im Durchschnitt zieht ein Taubenpaar zwei bis vier Bruten pro Jahr groß, unter günstigen Bedingungen können es bis zu sechs werden. Pro Brut legt das Weibchen in aller Regel zwei Eier. Die Brutdauer beträgt etwa 17 bis 18 Tage, wobei sich beide Elterntiere beim Brüten abwechseln. Nach dem Schlüpfen werden die Jungtiere – die sogenannten Squabs – mit der nährstoffreichen „Kropfmilch" gefüttert und bleiben rund vier bis fünf Wochen im Nest, bevor sie flügge werden.

Warum so viele Bruten möglich sind

Tauben können bereits mit der nächsten Brut beginnen, während die vorherigen Jungen noch versorgt werden. Diese Überlappung ist ein wesentlicher Grund für die schnelle Vermehrung. Hinzu kommt, dass Stadttauben in geschützten Gebäudenischen ein vergleichsweise sicheres Brutumfeld vorfinden, in dem viele Jungtiere überleben.

Vom Einzeltier zum Schwarm

Rechnet man die Zahlen hoch, wird verständlich, warum sich ein Befall so schnell aufbaut: Ein einzelnes Paar kann unter guten Bedingungen mehrere Jungvögel pro Jahr aufziehen, die ihrerseits geschlechtsreif werden und selbst brüten. Da Stadttauben zudem ausgesprochen ortstreu sind, bleibt der Nachwuchs oft in der Nähe des Geburtsorts. Warum diese Standorttreue Befall so hartnäckig macht, erklären wir unter Woher kommen Tauben und warum bleiben sie.

Brutzeit und Tierschutz – was Sie beachten müssen

Der lange Brutzeitraum hat unmittelbare praktische Folgen. Sobald ein Nest mit Eiern oder Jungtieren belegt ist, dürfen Sie es nicht einfach entfernen – das Tierschutzgesetz verbietet es, Tieren ohne vernünftigen Grund Leid zuzufügen. Bei den geschützten Wildtauben (Ringel- und Türkentaube) gilt zusätzlich das Bundesnaturschutzgesetz, das jedes Stören der Brut untersagt. Was konkret erlaubt ist und wo die Grenzen liegen, lesen Sie unter Taubennest auf dem Balkon und Recht und Tierschutz.

Wie sich die Jungtauben entwickeln

Frisch geschlüpfte Tauben sind Nesthocker: nackt, blind und völlig auf die Eltern angewiesen. In den ersten Tagen werden sie mit der „Kropfmilch" gefüttert, einem nährstoffreichen Sekret, das beide Elterntiere bilden. Innerhalb weniger Wochen wachsen Federn, die Jungen werden mobiler und verlassen schließlich das Nest. Bemerkenswert ist, dass junge Stadttauben den Brutplatz und seine Umgebung früh prägen – sie bleiben als geschlechtsreife Tiere oft in der Nähe und gründen dort eigene Bruten. So entsteht aus einem einzelnen Brutplatz über die Zeit eine ganze lokale Population. Das ist der biologische Hintergrund dafür, warum sich ein scheinbar harmloser Einzelfall zu einem dauerhaften Befall auswachsen kann (siehe auch Anzeichen für Taubenbefall).

Warum Vorbeugung wirksamer ist als Eingreifen

Wegen des langen Brutzeitraums gibt es kaum ein verlässliches „Zeitfenster", in dem ein Brutplatz garantiert leer ist. Das macht nachträgliches Handeln schwierig und rechtlich riskant. Deutlich wirksamer ist es, Brutplätze gar nicht erst entstehen zu lassen – also Nischen zu verschließen und Landeplätze zu sichern, bevor Tauben mit dem Nestbau beginnen. Die geeigneten Maßnahmen stellen wir unter Tauben vorbeugen zusammen.

Der tierschutzkonforme Umgang mit dem Bruttrieb

In vielen Städten setzen betreute Taubenschläge auf den Austausch echter Eier gegen Attrappen. Die Tiere bebrüten die Attrappen, ohne dass Nachwuchs schlüpft – so wird die Population auf tierschutzgerechte Weise begrenzt. Solche Konzepte zeigen, dass der starke Bruttrieb der Stadttaube nicht durch Vertreiben, sondern nur durch das Management der Brutbedingungen wirksam beeinflusst werden kann.

Wann fachliche Unterstützung sinnvoll ist

Hat sich an Ihrem Gebäude bereits ein Brutplatz etabliert oder vermehren sich die Tiere sichtbar, ist der richtige Zeitpunkt für ein durchdachtes Vorgehen erreicht. Weil rund ums Nisten Tierschutz und Naturschutz greifen, sollten Maßnahmen während der Brutzeit fachlich begleitet werden. Das BIOVEX-Netzwerk plant Abwehrlösungen so, dass sie rechtskonform und tierschutzgerecht sind und den Brutbetrieb nicht stören, sondern ihm an der richtigen Stelle die Grundlage entziehen.

Häufige Fragen

Wie oft brüten Stadttauben im Jahr?

Im Durchschnitt zwei bis vier Mal, unter günstigen Bedingungen bis zu sechs Mal. Pro Brut legt das Weibchen in der Regel zwei Eier. Diese hohe Vermehrungsrate ist ein Ergebnis der Zuchtgeschichte der Haustaube.

Wann ist die Brutzeit der Tauben?

Die Hauptbrutzeit liegt zwischen März und August, einzelne Bruten reichen aber bis in den Oktober und gelegentlich in den Winter. Stadttauben sind kaum an feste Jahreszeiten gebunden, weshalb es kaum brutfreie Zeiten gibt.

Wie lange dauert es, bis junge Tauben das Nest verlassen?

Die Eier werden etwa 17 bis 18 Tage bebrütet. Nach dem Schlüpfen bleiben die Jungtiere rund vier bis fünf Wochen im Nest, bevor sie flügge werden. Erst danach ist das Nest verlassen.

Darf ich ein Taubennest während der Brutzeit entfernen?

Sobald Eier oder Jungtiere im Nest sind, ist das Entfernen in der Regel nicht zulässig, weil das Tierschutzgesetz greift. Bei geschützten Wildtauben gilt zusätzlich das Bundesnaturschutzgesetz. Klären Sie das konkrete Vorgehen im Zweifel mit einem Fachbetrieb oder der Naturschutzbehörde.

Warum vermehren sich Stadttauben so stark?

Weil ihnen als Haustaube ein sehr starker, fast ganzjähriger Bruttrieb angezüchtet wurde und sie in geschützten Gebäudenischen sichere Brutplätze finden. Zudem können sie eine neue Brut beginnen, während die vorherigen Jungen noch versorgt werden.

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