Freigelegte unterirdische Wühlmaus-Nestkammer mit grasgepolstertem Bau und Vorrat aus angenagten Wurzeln
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Vermehrung und Lebenszyklus der Schermaus

Die Schermaus vermehrt sich schnell und in mehreren Würfen pro Jahr. Wer ihren Fortpflanzungsrhythmus und die saisonalen Schwankungen kennt, versteht, warum Befälle so plötzlich anwachsen und wann Gegenmaßnahmen am wirksamsten sind.

Eine kurze, intensive Lebensspanne

Die Schermaus (Arvicola terrestris) lebt schnell und stirbt jung. In freier Wildbahn werden die meisten Tiere kaum älter als ein bis zwei Jahre. Diese kurze Lebensspanne gleicht die Art durch eine hohe Vermehrungsrate aus, ein typisches Muster bei Kleinsäugern, deren Bestände stark schwanken. Genau das erklärt, warum aus wenigen Tieren binnen einer Saison ein spürbarer Befall werden kann.

Fortpflanzungszeit und Würfe

Die Fortpflanzung läuft überwiegend in der warmen Jahreshälfte, etwa von März bis Oktober. In dieser Zeit bringt ein Weibchen mehrere Würfe zur Welt, je nach Bedingungen in der Regel mehrere pro Jahr. Pro Wurf werden meist einige Jungtiere geboren. Die Tragzeit ist mit rund 21 bis 22 Tagen kurz.

Schnell selbst fortpflanzungsfähig

Besonders folgenreich: Jungtiere werden bereits nach wenigen Wochen selbst geschlechtsreif. Tiere aus den ersten Würfen eines Jahres können sich also noch im selben Jahr fortpflanzen. So überlagern sich die Generationen, und der Bestand wächst nicht linear, sondern beschleunigt.

Die Jungenaufzucht

Die Jungen kommen nackt und blind in einem unterirdischen Nest zur Welt, das mit Pflanzenmaterial ausgepolstert ist. Sie werden gesäugt, entwickeln sich rasch und verlassen nach kurzer Zeit das Nest, um eigene Reviere zu erschließen. Diese abwandernden Jungtiere sind häufig die Ursache dafür, dass plötzlich neue Gangsysteme im Garten oder im Nachbargrundstück auftauchen. Wie es zur Einwanderung kommt, beschreibt der Beitrag Woher kommen Wühlmäuse im Garten?.

Massenvermehrung und Bestandsschwankungen

Schermausbestände unterliegen ausgeprägten Schwankungen. Unter günstigen Bedingungen, also bei reichlich Nahrung, mildem Klima und wenig natürlichen Feinden, kann es zu regelrechten Massenvermehrungen kommen. In solchen Spitzenjahren werden örtlich sehr hohe Dichten erreicht, mit dem Höhepunkt typischerweise im Spätherbst. Auf solche Hochphasen folgen oft Jahre mit deutlich niedrigeren Beständen. Diese Zyklen sind ein natürliches Phänomen vieler Wühlmausarten.

Saisonaler Rhythmus im Überblick

  • Frühjahr: Beginn der Fortpflanzung, erste Würfe, der Bestand startet meist von einem niedrigen Winterniveau.
  • Sommer: mehrere Würfe überlagern sich, Jungtiere werden selbst fortpflanzungsfähig, der Bestand wächst zügig.
  • Spätsommer/Herbst: Höhepunkt der Dichte, verstärkte Abwanderung und Zuwanderung, zunehmender Wurzelfraß.
  • Winter: kaum noch Fortpflanzung, Konzentration auf Wurzeln und Rinde, dadurch hohe Schadgefahr für junge Obstbäume.

Reviere und Sozialverhalten

Schermäuse leben überwiegend einzelgängerisch und besetzen Reviere, die sie gegen Artgenossen verteidigen. Ein einzelnes Tier kann dabei ein erstaunlich weitläufiges Gangsystem mit zahlreichen Erdhaufen anlegen, weshalb viele Haufen nicht automatisch viele Tiere bedeuten. In der Fortpflanzungszeit überlappen sich die Reviere von Weibchen und Männchen, und im Nestbereich leben Mutter und Jungtiere zeitweise zusammen. Sobald die Jungen selbstständig sind, wandern sie ab und suchen eigene Reviere, was den Befall auf Nachbarflächen ausdehnt. Diese Mischung aus Reviertreue der Alttiere und Abwanderung der Jungtiere erklärt, warum sich ein Befall im Jahresverlauf sowohl verdichten als auch räumlich ausbreiten kann. Für die Praxis heißt das: Erfolgreiche Maßnahmen müssen die nachrückenden Jungtiere und mögliche Zuwanderung im Blick behalten, sonst ist die Fläche bald wieder besiedelt.

Warum dieser Rhythmus für die Praxis zählt

Wer den Lebenszyklus kennt, handelt zur richtigen Zeit. Im Frühjahr ist der Bestand am niedrigsten, Maßnahmen wirken dann auf vergleichsweise wenige Tiere und können die spätere Sommervermehrung dämpfen. Im Herbst und Winter ist die Schadgefahr am höchsten, hier zahlt sich vorbeugender Wurzelschutz besonders aus, wie unter Wurzelschutz mit Draht- und Pflanzkörben beschrieben. Auch das Fördern natürlicher Feinde wirkt über die Saison hinweg dämpfend, dazu mehr unter Wühlmäusen vorbeugen.

Wenn der Bestand außer Kontrolle gerät

In Spitzenjahren mit Massenvermehrung stoßen einzelne Maßnahmen schnell an Grenzen, vor allem wenn aus angrenzenden Flächen ständig Tiere nachrücken. Bei anhaltend hohem Druck oder großflächigem Befall kann eine Fachkraft aus dem BIOVEX-Netzwerk den Bestand fachgerecht einschätzen und ein abgestimmtes, rechtlich zulässiges Vorgehen empfehlen, das den natürlichen Schwankungen Rechnung trägt.

Häufige Fragen

Wie viele Junge bekommt eine Schermaus pro Jahr?

Ein Weibchen bringt in der Fortpflanzungszeit von etwa März bis Oktober mehrere Würfe mit jeweils einigen Jungtieren zur Welt. Da Jungtiere früh selbst fortpflanzungsfähig werden, kann der Bestand innerhalb einer Saison stark anwachsen.

Wann vermehren sich Wühlmäuse am stärksten?

In der warmen Jahreshälfte, schwerpunktmäßig im Sommer. Die höchste Bestandsdichte wird meist im Spätherbst erreicht, bevor der Bestand über den Winter wieder abnimmt.

Warum gibt es manche Jahre besonders viele Wühlmäuse?

Schermausbestände schwanken zyklisch. Bei günstigen Bedingungen wie mildem Klima, viel Nahrung und wenig Feinden kommt es zu Massenvermehrungen mit örtlich sehr hohen Dichten, gefolgt von Jahren mit deutlich niedrigeren Beständen.

Wie alt wird eine Wühlmaus?

In freier Natur meist nur ein bis zwei Jahre. Die kurze Lebensspanne wird durch die hohe Vermehrungsrate ausgeglichen.

Wann sind Gegenmaßnahmen am wirksamsten?

Im Frühjahr, wenn der Bestand am niedrigsten ist, lassen sich vergleichsweise wenige Tiere erreichen und die Sommervermehrung dämpfen. Im Herbst und Winter steht der vorbeugende Wurzelschutz im Vordergrund, weil dann die Schadgefahr am größten ist.

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