Sind Mäuse gefährlich? Hantavirus und andere Krankheiten
Mäuse können Krankheitserreger übertragen – das ist ein sachlicher Grund, einen Befall ernst zu nehmen und beim Reinigen Vorsicht walten zu lassen. Panik ist aber fehl am Platz: Schwere Verläufe sind selten, und mit den richtigen Hygienemaßnahmen lässt sich das Risiko deutlich senken. Dieser Beitrag ordnet die wichtigsten von Mäusen übertragbaren Krankheiten nüchtern und belegt ein.
Wie Mäuse Krankheiten übertragen
Hausmäuse und andere Nager scheiden Erreger über Kot, Urin und Speichel aus. Eine Ansteckung des Menschen erfolgt vor allem auf drei Wegen: durch das Einatmen von erregerhaltigem Staub, wenn getrockneter Kot oder Urin aufgewirbelt wird; durch Kontakt verunreinigter Hände oder offener Hautstellen mit Ausscheidungen; und über kontaminierte Lebensmittel. Der mit Abstand wichtigste Risikomoment im Alltag ist deshalb nicht die Maus selbst, sondern das unsachgemäße Reinigen von Befallsstellen, bei dem Staub eingeatmet wird.
Hantavirus
Hantaviren sind die in Deutschland bedeutsamste durch Nager übertragene Viruserkrankung. Hauptüberträger ist hierzulande die Rötelmaus (Puumalavirus), in einigen Regionen auch die Brandmaus (Dobrava-Belgrad-Virus). Die Viren werden mit Speichel, Urin und Kot ausgeschieden und bleiben darin auch in getrocknetem Zustand mehrere Tage infektiös. Die Übertragung auf den Menschen geschieht überwiegend durch das Einatmen virushaltiger Aerosole – etwa beim Aufwirbeln von Staub in Kellern, Schuppen oder auf Dachböden.
Laut Robert Koch-Institut verläuft eine Infektion häufig ohne oder nur mit milden Symptomen. Wenn Beschwerden auftreten, beginnen sie meist mit plötzlichem hohem Fieber, Kopf-, Glieder- und Rückenschmerzen sowie Bauchschmerzen. In schwereren Fällen kann es zu einer Beeinträchtigung der Nierenfunktion kommen. Die Inkubationszeit beträgt üblicherweise zwei bis vier Wochen. Hantavirus-Erkrankungen sind in Deutschland meldepflichtig; je nach Jahr erkranken einige Hundert bis über tausend Menschen. Schwere und tödliche Verläufe sind hierzulande sehr selten.
Wichtig: Das Risiko entsteht vor allem beim Aufwirbeln von trockenem Kot und Staub. Deshalb gilt – Mäusekot niemals trocken fegen oder saugen, sondern anfeuchten und mit Schutzausrüstung entfernen. Die sichere Vorgehensweise beschreibt der Beitrag Mäusekot sicher entfernen.
Salmonellen
Mäuse können Salmonellen über ihren Kot verbreiten. Gelangen diese Bakterien auf Lebensmittel oder auf Flächen, auf denen Nahrung zubereitet wird, kann das zu einer Lebensmittelinfektion (Salmonellose) führen. Typische Beschwerden sind Durchfall, Bauchkrämpfe, Übelkeit und Fieber. Genau deshalb gilt: Lebensmittel, die mit Mäusekot, Urin oder Nagespuren in Berührung gekommen sind, sollten konsequent entsorgt werden – auch dann, wenn der Schaden gering wirkt. Vorräte gehören in dicht schließende Behälter aus Glas oder Metall.
Lymphozytäre Choriomeningitis (LCMV)
Das Lymphozytäre-Choriomeningitis-Virus (LCMV) hat die Hausmaus als Hauptreservoir. Die Tiere scheiden das Virus über Kot, Urin, Speichel und Tränenflüssigkeit aus. Beim Menschen verläuft eine Infektion häufig symptomlos oder mild mit grippeähnlichen Beschwerden; in seltenen Fällen kann es zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) kommen. Besondere Vorsicht gilt in der Schwangerschaft, da eine Infektion in seltenen Fällen das ungeborene Kind schädigen kann. Auch hier sind sorgfältige Hygiene und der Verzicht auf direkten Kontakt mit den Tieren und ihren Ausscheidungen die wichtigsten Schutzmaßnahmen.
Weitere mögliche Erreger
Über Kot, Urin und Parasiten der Tiere können in selteneren Fällen weitere Erreger eine Rolle spielen, etwa bestimmte Bakterien wie Leptospiren. Auch Flöhe und Milben, die Mäuse mitbringen, können hygienisch relevant sein. Für den Alltag in Wohngebäuden sind jedoch Hantavirus, Salmonellen und LCMV die maßgeblichen Stichworte – und für alle gilt derselbe Schutzgrundsatz.
Wer besonders aufpassen sollte
Das Risiko ist nicht für alle gleich. Besonders achtsam sein sollten Menschen, die bei Arbeiten viel aufgewirbeltem Staub ausgesetzt sind – etwa beim Ausräumen von Dachböden, Schuppen, Gartenhäusern oder Kellern, in denen sich über längere Zeit Nager aufgehalten haben. Auch bei der Garten- und Holzarbeit in der Nähe von Nagerbauten kann Staub eingeatmet werden. Erhöhte Vorsicht gilt zudem für Schwangere sowie für Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder Vorerkrankungen. Diese Gruppen sollten stark verschmutzte Bereiche möglichst nicht selbst reinigen und konsequent auf Atemschutz und das Feucht-Prinzip achten.
Wie groß ist die Gefahr wirklich?
Die ehrliche Einordnung lautet: Mäuse sind ein Hygiene- und Gesundheitsrisiko, das man ernst nehmen, aber nicht dramatisieren sollte. Die allermeisten Menschen erkranken nicht, und schwere Verläufe sind in Deutschland selten. Entscheidend ist das eigene Verhalten – wer Befallsstellen sachgerecht reinigt, Lebensmittel schützt und den direkten Kontakt meidet, senkt das Risiko erheblich.
Wann ärztlicher Rat sinnvoll ist
Treten nach einem Mäusebefall oder nach Reinigungsarbeiten grippeähnliche Symptome mit plötzlichem hohem Fieber, starken Kopf- und Rückenschmerzen oder Beschwerden beim Wasserlassen auf, sollte ärztlicher Rat eingeholt und der mögliche Nagerkontakt erwähnt werden. Das gilt besonders für Schwangere, immungeschwächte Personen und nach Arbeiten in stark verunreinigten, staubigen Räumen.
Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei konkreten Gesundheitsfragen oder Symptomen wenden Sie sich bitte an Ärztin oder Arzt.