Lebensweise und Vermehrung des Steinmarders
Wer den Steinmarder loswerden will, sollte verstehen, wie er lebt: ein einzelgängerischer Revierhalter mit einer ungewöhnlichen Fortpflanzung, bei der zwischen Paarung und Geburt fast ein Jahr liegt. Genau dieser Rhythmus erklärt, warum Marderprobleme im Frühjahr und Sommer ihren Höhepunkt haben.
Lebensweise: Einzelgänger mit festem Revier
Der Steinmarder ist nacht- und dämmerungsaktiv und tagsüber meist in einem geschützten Versteck. Er lebt als Einzelgänger und verteidigt sein Revier vor allem gegen gleichgeschlechtliche Artgenossen. Reviere von Männchen und Weibchen können sich überlappen. Je nach Lebensraum ist ein Revier unterschiedlich groß, in Siedlungsnähe oft kleiner, weil dort Nahrung und Verstecke dicht beieinanderliegen. Nachts legt ein Marder auf seinen Streifzügen mehrere Kilometer zurück und nutzt dabei immer wieder dieselben Wege, den sogenannten Pass.
Ein wichtiger Punkt für Hausbesitzer: Der Marder hat innerhalb seines Reviers meist mehrere Unterschlüpfe und wechselt zwischen ihnen. Ihr Dachboden kann also einer von mehreren Schlafplätzen sein, was das Vertreiben erschwert, weil das Tier nicht zwingend auf diesen einen Ort angewiesen ist.
Ernährung: ein flexibler Allesfresser
Der Steinmarder ist ein Allesfresser und sehr anpassungsfähig. Sein Speiseplan umfasst:
- Mäuse und andere Kleinsäuger,
- Vögel, Eier und Jungvögel,
- Insekten, Würmer und Schnecken,
- Früchte, Beeren und Fallobst, besonders im Spätsommer.
Diese Vielseitigkeit ist der Grund, warum er in der Nähe des Menschen so gut zurechtkommt: Gärten, Komposthaufen, Mülltonnen und Tierfutter bieten ein verlässliches Angebot. Die Beutereste in seiner Losung spiegeln diese Ernährung wider, mehr dazu unter Marderspuren und Marderkot.
Die Fortpflanzung mit Keimruhe
Die Vermehrung des Steinmarders ist biologisch bemerkenswert und für das Verständnis der Marder-Saison zentral:
- Paarungszeit (Ranz): etwa im Hochsommer, grob zwischen Juni und August. In dieser Zeit sind die Männchen besonders aktiv und aggressiv bei der Reviermarkierung, daher häufen sich jetzt Autoschäden.
- Keimruhe: Nach der Befruchtung tritt eine mehrmonatige Entwicklungsruhe ein. Die befruchtete Eizelle nistet sich erst Monate später ein, sodass die Gesamttragzeit auf rund neun Monate kommt, obwohl die eigentliche Embryonalentwicklung nur wenige Wochen dauert. Dieser Trick sorgt dafür, dass die Jungen zur günstigen Jahreszeit geboren werden.
- Geburt: meist im März oder April, in der Regel etwa 3 bis 4 Junge pro Wurf.
Diese Steuerung erklärt, warum sich Marderprobleme so klar über das Jahr verteilen: Im Sommer die Reviergefechte (Auto), im Frühjahr die Aufzucht der Jungen (Dachboden). Welche praktischen Folgen das hat, zeigt Woher kommt der Marder?.
Aufzucht der Jungtiere
Die Jungen kommen blind, nackt und winzig zur Welt und werden allein vom Weibchen aufgezogen. Sie öffnen nach einigen Wochen die Augen, werden zunächst gesäugt und später mit fester Nahrung versorgt. Im Sommer werden sie zunehmend selbstständig und erkunden die Umgebung, das ist die Phase, in der der Lärm auf dem Dachboden am größten ist, weil mehrere heranwachsende Tiere herumtollen. Im Herbst lösen sich die Jungen vom Muttertier und suchen ein eigenes Revier.
Wichtig für die Praxis: Solange ein Weibchen nicht selbstständige Jungtiere führt, sollte man eine Vergrämung besonders sorgfältig und tierschutzkonform angehen, damit keine hilflosen Jungtiere zurückbleiben. Im Zweifel berät ein Fachbetrieb oder die Untere Jagdbehörde.
Lebenserwartung und Bestand
In freier Wildbahn werden Steinmarder meist nur wenige Jahre alt; viele Tiere sterben jung, etwa im Straßenverkehr. Der Bestand in Deutschland gilt als stabil bis zunehmend, gerade weil der Marder den Siedlungsraum so gut nutzt. Ein vertriebener Marder hinterlässt deshalb selten lange ein leeres Revier, früher oder später interessiert sich ein anderes Tier für das attraktive Quartier. Genau deshalb ist dauerhaftes Abdichten wirksamer als bloßes Vertreiben.
Was bedeutet das für den Umgang mit Mardern?
Aus der Lebensweise ergeben sich klare Konsequenzen: Erstens ist Vorbeugung durch das Schließen von Zugängen entscheidend, weil das Revier sonst nachbesetzt wird. Zweitens sollte man die Jahreszeit beachten, besonders die Wurfzeit im Frühjahr. Drittens lässt sich der Marder nicht dauerhaft mit Gerüchen austricksen, weil er anpassungsfähig und ortstreu ist. Da der Steinmarder dem Jagdrecht unterliegt und teils Schonzeiten gelten, sind Fangen und Töten Privatpersonen in der Regel nicht erlaubt, mehr dazu unter Jagdrecht und Vergrämung.
Das Wichtigste in Kürze
Der Steinmarder ist ein nachtaktiver, ortstreuer Einzelgänger mit festem Revier und mehreren Unterschlüpfen. Als Allesfresser kommt er in Siedlungen bestens zurecht. Seine Fortpflanzung mit Keimruhe führt zu Paarung im Sommer und Geburt im Frühjahr, was die saisonale Häufung von Auto- und Dachbodenproblemen erklärt. Weil Reviere schnell nachbesetzt werden, ist dauerhaftes Abdichten der Zugänge wirksamer als kurzfristiges Vertreiben.