Wanderratte oder Hausratte? Die Arten unterscheiden
In Deutschland gibt es zwei Rattenarten, die in der Nähe des Menschen leben: die weit verbreitete Wanderratte und die selten gewordene Hausratte. Dieser Artikel zeigt, woran man sie unterscheidet - und warum das für die Bekämpfung wichtig ist.
Wenn von "Ratten" die Rede ist, ist in Deutschland fast immer die Wanderratte gemeint. Die Hausratte ist hierzulande selten geworden. Trotzdem lohnt es sich, beide Arten zu kennen, denn sie unterscheiden sich in Aussehen, Lebensraum und Verhalten - und damit auch darin, wo man nach ihnen suchen und ansetzen muss.
Die Wanderratte (Rattus norvegicus)
Die Wanderratte ist die mit Abstand häufigere Art. Sie ist kräftig gebaut mit einer Kopf-Rumpf-Länge von etwa 20 bis 25 Zentimetern und einem Gewicht, das oft bei 250 bis über 400 Gramm liegt. Charakteristisch:
- Schwanz kürzer als der Körper, dick und nur dünn behaart.
- Kleine, eng anliegende Ohren und verhältnismäßig kleine Augen.
- Stumpfe Schnauze, gedrungener Körper.
- Fell oberseits braungrau, an der Bauchseite grauweiß.
Die Wanderratte lebt bevorzugt in Bodennähe und feuchten Bereichen: Kanalisation, Keller, Schächte, Uferböschungen, Komposthaufen. Sie ist eine gute Schwimmerin und Gräberin - daher auch der Beiname "Kanalratte". Im Garten legt sie Erdbauten an.
Die Hausratte (Rattus rattus)
Die Hausratte ist kleiner und zierlicher. Ihre Kopf-Rumpf-Länge liegt etwa bei 15 bis 24 Zentimetern, das Gewicht meist deutlich unter dem der Wanderratte. Typische Merkmale:
- Schwanz länger als der Körper, dünn und sehr beweglich.
- Große, abstehende Ohren und große Augen.
- Spitzere Schnauze, schlankerer Körper.
- Fell oft dunkler, gelegentlich fast schwarz.
Die Hausratte ist eine ausgezeichnete Kletterin und hält sich gern in höheren, trockenen Bereichen auf - Dachböden, obere Stockwerke, Hohlräume unter dem Dach. Daher der Name "Dachratte". In Deutschland kommt sie nur noch punktuell vor, etwa in einigen Hafenstädten und älteren Gebäuden.
Die Unterschiede auf einen Blick
Das verlässlichste Einzelmerkmal ist das Verhältnis von Schwanz zu Körper:
- Wanderratte: Schwanz kürzer als der Körper, kleine Ohren, plump, lebt unten und feucht.
- Hausratte: Schwanz länger als der Körper, große Ohren, zierlich, lebt oben und trocken, klettert hervorragend.
Auch der Aufenthaltsort hilft bei der Einordnung: Spuren im Keller oder Garten sprechen meist für die Wanderratte, Spuren ausschließlich auf dem Dachboden eher für die Hausratte. Am Kot allein ist die Art dagegen nur grob zu schätzen - mehr dazu unter Rattenkot erkennen.
Verwechslung mit der Maus
Junge Ratten werden gelegentlich mit ausgewachsenen Mäusen verwechselt. Der Kopf gibt einen Hinweis: Mäuse haben im Verhältnis zum Körper einen kleineren Kopf, größere Ohren und eine spitzere Schnauze, während junge Ratten kräftiger und mit größeren Füßen wirken. Eine ausführliche Abgrenzung finden Sie unter Ratte oder Maus.
Unterschiede im Verhalten
Über das Aussehen hinaus verhalten sich beide Arten unterschiedlich. Die Wanderratte ist robust, gräbt gern, schwimmt und taucht ausgezeichnet und nutzt die Kanalisation als Hauptlebensraum. Sie lebt in größeren Rudeln und ist anpassungsfähig in der Nahrungswahl. Die Hausratte ist die deutlich bessere Kletterin, bewegt sich sicher in Höhen, an Leitungen und Fassaden und ist streng nachtaktiv - selbst bei starkem Befall zeigt sie sich tagsüber kaum. Sie reagiert noch empfindlicher auf Störungen und meidet offene Flächen. Diese Verhaltensunterschiede erklären, warum man die Tiere an ganz verschiedenen Orten sucht: die Wanderratte unten und feucht, die Hausratte oben und trocken.
Warum die Artbestimmung für die Bekämpfung zählt
Die Art entscheidet, wo man suchen und ansetzen muss. Bei der bodenlebenden Wanderratte konzentriert man sich auf Keller, Kanalanschlüsse, Erdbauten und Eintrittswege in Bodennähe. Bei der kletternden Hausratte rücken Dachboden, Fassade, Dachüberstände und höher gelegene Zugänge in den Fokus. Köderstellen und Eintrittssperren werden entsprechend platziert. Wer am falschen Ort sucht, verliert Zeit - und Zeit ist bei Ratten kritisch, weil sie sich schnell vermehren.
Für Laien ist die sichere Bestimmung der Art und das Auffinden aller Eintrittswege oft schwierig. Ein Fachbetrieb erkennt die Art an Spuren, Bauen und Verhalten und richtet die Maßnahmen passgenau aus. Gerade weil sich die Lebensweisen beider Arten deutlich unterscheiden, ist eine fundierte Einordnung der erste Schritt zu einer wirksamen Bekämpfung.
Häufige Fragen
Welche Rattenart ist in Deutschland am häufigsten?
Mit Abstand die Wanderratte (Rattus norvegicus). Die Hausratte (Rattus rattus) ist in Deutschland selten geworden und kommt nur noch punktuell vor, etwa in einigen Hafenstädten und alten Gebäuden.
Wie unterscheide ich Wanderratte und Hausratte am schnellsten?
Am Schwanz: Bei der Wanderratte ist er kürzer als der Körper, bei der Hausratte länger. Außerdem hat die Hausratte deutlich größere Ohren, ist zierlicher und klettert besser; die Wanderratte ist plumper und lebt eher in Bodennähe.
Warum heißt die Hausratte auch Dachratte?
Weil sie eine ausgezeichnete Kletterin ist und sich bevorzugt in höheren, trockenen Bereichen wie Dachböden und oberen Stockwerken aufhält. Die Wanderratte dagegen wird wegen ihrer Vorliebe für Keller und Kanalisation "Kanalratte" genannt.
Kann ich die Rattenart selbst sicher bestimmen?
Eine grobe Einordnung über Größe, Schwanzlänge, Ohren und Aufenthaltsort ist möglich. Eine sichere Bestimmung - vor allem bei jungen Tieren oder nur anhand von Spuren - ist für Laien schwierig. Ein Fachbetrieb erkennt die Art zuverlässig an Spuren und Verhalten.
Spielt die Rattenart für die Bekämpfung eine Rolle?
Ja. Die Wanderratte bekämpft man vor allem in Bodennähe, Keller und an Kanalanschlüssen, die kletternde Hausratte eher auf Dachböden und über die Fassade. Die richtige Art zu kennen, spart Zeit bei der Platzierung von Ködern und Sperren.