Spinnen im Herbst: warum jetzt so viele ins Haus kommen
Im September und Oktober scheinen plötzlich überall Spinnen aufzutauchen. Der Grund ist die Paarungszeit, in der vor allem Männchen auf Partnersuche durchs Haus wandern.
Jedes Jahr im Spätsommer und Herbst dasselbe Bild: Große Spinnen huschen abends über den Boden, sitzen in der Badewanne oder laufen über die Wand. Viele Menschen glauben, es seien plötzlich "mehr" Spinnen geworden. Tatsächlich sind die Tiere das ganze Jahr da – im Herbst werden sie nur deutlich sichtbarer. Dieser Beitrag erklärt, warum.
Der Hauptgrund: Paarungszeit
Der wichtigste Faktor ist die Fortpflanzung. Vor allem im September und Oktober ist Paarungszeit für viele Hausspinnen. Die Weibchen bleiben meist an ihrem festen Platz im Netz sitzen. Die Männchen dagegen verlassen ihr Versteck und wandern auf der Suche nach paarungsbereiten Weibchen durch Wohnung, Keller und Garage. Was wie eine plötzliche Invasion wirkt, sind also überwiegend umherziehende Männchen, die längst im Haus lebten – man sah sie nur nicht.
Warum sie in Badewanne und Waschbecken landen
Auf ihren nächtlichen Wanderungen geraten die Männchen oft in Badewannen, Duschen und Waschbecken. An den glatten, senkrechten Wänden finden sie keinen Halt und kommen nicht mehr heraus – am Morgen sitzen sie hilflos am Abfluss. Sie sind nicht durch den Abfluss heraufgekrabbelt, wie oft vermutet wird, sondern von oben hineingefallen. Eine umgedrehte, raue Stoffbahn oder ein Handtuch über den Wannenrand gibt ihnen eine Kletterhilfe nach draußen.
Suchen Spinnen im Herbst Wärme?
Teilweise ja. Wenn es draußen kälter und feuchter wird, ziehen sich manche Spinnen in geschützte, frostsichere Quartiere zurück – in Keller, Schuppen, Garagen und Hausnischen. Wichtig zur Einordnung: Die klassischen Hausspinnen wie die Winkelspinne leben ohnehin das ganze Jahr im Gebäude. Andere Arten, die eigentlich draußen zu Hause sind, verirren sich im Herbst herein, sind an das Leben in Häusern aber nicht angepasst.
Was die Heizung mit Spinnen macht
Hier gibt es eine oft übersehene Tatsache: Nach NABU-Angaben sind viele dieser hereinverirrten Spinnen nicht ans Leben in geheizten Räumen angepasst. Beginnt man im Herbst zu heizen, sinkt die Luftfeuchtigkeit – und die Spinnen vertrocknen. Die warme Wohnung ist für sie also keineswegs das gemütliche Winterquartier, als das sie oft beschrieben wird. Wer ein Tier nach draußen setzt, tut ihm damit häufig sogar einen Gefallen.
Die Spinnen sind nicht mehr geworden – im Herbst sind die wandernden Männchen nur viel öfter zu sehen.
Warum die Tiere im Herbst größer wirken
Ein weiterer Grund für den Herbst-Eindruck: Viele Hausspinnen erreichen jetzt ihre endgültige Größe. Über das Jahr sind sie durch zahlreiche Häutungen herangewachsen und präsentieren sich im Spätsommer als ausgewachsene, beeindruckend große Tiere. Die kleinen Jungspinnen vom Frühjahr fallen kaum auf – die stattlichen erwachsenen Männchen, die nun auf Partnersuche gehen, dagegen umso mehr. Der Eindruck einer plötzlichen Größenzunahme ist also real, hat aber nichts mit einer Invasion zu tun, sondern mit dem natürlichen Wachstum. Wie dieser Zyklus abläuft, beschreibt der Beitrag Lebenszyklus und Vermehrung.
Gelassen bleiben statt bekämpfen
So verständlich der Schreck beim Anblick einer großen Spinne ist: Eine chemische Bekämpfung ist im Herbst weder nötig noch sinnvoll. Die Tiere sind harmlos, halten Mücken und Fliegen in Schach und verschwinden nach der Paarungszeit von selbst wieder aus dem Blickfeld. Wer einzelne Tiere nicht dulden mag, setzt sie mit Glas und Karton nach draußen. Gift würde nur nützliche Insektenjäger treffen und das eigentliche Geschehen – die jahreszeitliche Wanderung – nicht beeinflussen.
Was im Herbst gegen die Begegnungen hilft
Da die Tiere harmlos sind, geht es vor allem darum, ungewollte Begegnungen zu verringern:
- Fenster und Türen sichern: Fliegengitter halten zuwandernde Tiere ab, gerade bei gekippten Fenstern.
- Ritzen abdichten: Spalten an Fenstern, Türschwellen und Durchführungen schließen.
- Außenlicht reduzieren: weniger angelockte Insekten bedeuten weniger Beute und damit weniger Spinnen an der Fassade.
- Verstecke entfernen: Laub, Holzstapel und Gerümpel nahe der Hauswand wegräumen.
Welche dieser Maßnahmen am wirksamsten sind, vertiefen die Beiträge Spinnen fernhalten und Spinnen vorbeugen. Den Zusammenhang zwischen Beuteinsekten und Spinnenzahl behandelt der Beitrag Woher kommen die Spinnen?.
Und nach dem Herbst?
Nach der Paarung legen die Weibchen ihre Eikokons an und der Trubel lässt nach. Viele Männchen sterben nach der Fortpflanzung. Wie es danach mit Eiern, Kokon und Nachwuchs weitergeht, beschreibt der Beitrag Lebenszyklus und Vermehrung. Im Winter wird es dann wieder ruhiger – bis zur nächsten Saison.
Häufige Fragen
Warum sind im Herbst so viele Spinnen im Haus?
Im September und Oktober ist Paarungszeit. Vor allem die Männchen verlassen ihr Versteck und wandern auf Partnersuche durchs Haus. Es sind also meist Tiere, die schon im Haus lebten und jetzt nur sichtbarer werden – keine plötzliche Invasion.
Kommen Spinnen durch den Abfluss in die Badewanne?
Nein. Die Spinnen fallen auf ihren nächtlichen Wanderungen von oben in Wanne oder Waschbecken und kommen an den glatten Wänden nicht mehr heraus. Ein Handtuch über den Rand gibt ihnen eine Kletterhilfe nach draußen.
Suchen Spinnen im Herbst Wärme im Haus?
Teilweise. Manche Arten ziehen sich in frostsichere Quartiere wie Keller und Schuppen zurück. Viele hereinverirrte Spinnen sind aber nicht ans Leben in geheizten Räumen angepasst und vertrocknen, sobald die Heizung die Luft trocknet.
Werden im Herbst wirklich mehr Spinnen geboren?
Nein, es sind nicht mehr Spinnen. Im Herbst sind nur die wandernden Männchen auf Partnersuche häufiger zu sehen. Die Tiere lebten überwiegend schon das ganze Jahr im und am Haus.
Wie verhindere ich Spinnen im Herbst?
Fenster mit Fliegengittern sichern, Ritzen abdichten, Außenlicht reduzieren und Laub, Holzstapel sowie Gerümpel nahe der Hauswand entfernen. So gelangen weniger Tiere herein und finden weniger Beute.