Lebenszyklus und Vermehrung: Eier, Kokon, Spinnenbabys
Aus einem Eikokon mit 50 bis 130 Eiern schlüpfen winzige Spinnen, die sich vielfach häuten, bis sie erwachsen sind. Der ganze Zyklus erklärt, warum Spinnen im Herbst so präsent sind.
Wer den Lebenszyklus der Spinnen kennt, versteht vieles besser: warum im Herbst so viele Männchen unterwegs sind, woher die kleinen Spinnen im Frühjahr kommen und warum einzelne Funde völlig normal sind. Dieser Beitrag folgt dem Weg von der Paarung über den Eikokon bis zur erwachsenen Spinne.
Paarung im Spätsommer und Herbst
Bei vielen heimischen Hausspinnen findet die Paarung im Spätsommer und Herbst statt. Die Männchen verlassen ihr Versteck und suchen die ortstreuen Weibchen auf – das ist der Grund für die vielen Spinnen, die man im September und Oktober durchs Haus laufen sieht. Mehr dazu im Beitrag Spinnen im Herbst. Nach der Paarung sterben die Männchen vieler Arten, während die Weibchen die Eiablage vorbereiten.
Der Eikokon: 50 bis 130 Eier
Etwa einen Monat nach der Paarung bildet das Weibchen einen Eikokon – ein Gespinstpaket, das die Eier schützt. Je nach Art enthält ein solcher Kokon grob 50 bis 130 Eier. Die Arten gehen unterschiedlich damit um: Manche befestigen den Kokon geschützt im Netz oder in einer Spalte, andere – wie die Zitterspinne – tragen ihren lockeren Eiballen sogar in den Kieferklauen mit sich herum und bewachen ihn ständig. Wie man solche Kokons im Haus erkennt, beschreibt der Beitrag Spinnennetze und Spuren.
Schlupf und die ersten Wochen
Aus den Eiern schlüpfen winzige Jungspinnen, die zunächst oft noch eine Weile beieinander bleiben, bevor sie sich verteilen. Manche Arten überdauern als Eikokon oder als Jungtier den Winter in einem geschützten Versteck und werden erst im folgenden Frühjahr aktiv. Das erklärt, warum man im Frühjahr und Frühsommer plötzlich viele sehr kleine Spinnen entdeckt.
Wachstum durch Häutung
Spinnen haben ein festes Außenskelett, das nicht mitwächst. Um größer zu werden, müssen sie sich häuten: Sie streifen die alte Haut ab und schlüpfen mit weicher, noch dehnbarer Hülle heraus, die rasch aushärtet. Je nach Art durchläuft eine Spinne auf dem Weg zum erwachsenen Tier etwa sieben bis elf Häutungen. Die zurückbleibenden durchsichtigen Häute werden im Haus oft für tote Spinnen gehalten.
Brutpflege: mehr als nur Eier ablegen
Viele Spinnen betreiben eine erstaunlich sorgfältige Brutpflege. Die Zitterspinne etwa trägt ihren Eiballen ständig in den Kieferklauen mit sich und bewacht ihn, bis die Jungen schlüpfen. Andere Arten verstecken den Kokon an einem geschützten Ort und verteidigen ihn. Nach dem Schlupf bleiben die Jungspinnen oft noch eine Weile beieinander, bevor sie sich auf eigene Faust verteilen. Diese Fürsorge erhöht die Überlebenschance des Nachwuchses – ein Grund, warum sich etwa die Zitterspinne so dauerhaft in Häusern hält.
Wie sich Jungspinnen ausbreiten
Viele junge Spinnen verlassen ihren Geburtsort über einen bemerkenswerten Trick: das sogenannte Spinnenfliegen. Sie sondern feine Fäden ab, die vom Wind erfasst werden und das winzige Tier mitsamt Faden durch die Luft tragen können – mitunter über weite Strecken. Im Spätsommer sind solche Flugfäden als schimmernder "Altweibersommer" in der Landschaft zu sehen. Auf diese Weise erschließen sich junge Spinnen neue Lebensräume, ganz ohne weite Wanderungen zu Fuß.
Wie lange lebt eine Spinne?
Die Lebensdauer hängt stark von der Art ab. Viele kleinere Hausspinnen leben rund ein Jahr, einige robuste Arten wie die Hauswinkelspinne können unter günstigen Bedingungen mehrere Jahre alt werden. Bei vielen Arten sterben die Männchen kurz nach der Paarung, während die Weibchen länger leben und für den Nachwuchs sorgen.
Vermehren sich Spinnen im Haus explosionsartig?
Nein – und das ist eine wichtige Entwarnung. Anders als etwa bei Insekten mit mehreren Generationen pro Jahr verläuft die Vermehrung der Hausspinnen langsam und meist in einem Jahreszyklus. Spinnen sind außerdem Einzelgänger und teils sogar kannibalisch: Die Zitterspinne erbeutet zum Beispiel andere Spinnen. Eine echte "Spinnenplage" durch unkontrollierte Vermehrung im Haus gibt es daher praktisch nicht. Häufen sich viele Spinnen, liegt das fast immer an einem hohen Angebot an Beuteinsekten, nicht an explosiver Fortpflanzung – nachzulesen im Beitrag Woher kommen die Spinnen?.
Eine Spinne, viele Eier, langsame Entwicklung über viele Häutungen: Der ruhige Jahreszyklus ist der Grund, warum es im Haus selten "zu viele" werden.
Was bedeutet das für den Umgang?
Aus dem Lebenszyklus folgt ein gelassener Umgang: Einzelne Spinnen, Netze und Kokons sind normal und harmlos. Wer Nachwuchs im Haus vermeiden möchte, entfernt Eikokons mit Netz behutsam und setzt die Tiere nach draußen, statt sie zu töten – schonende Wege beschreibt der Beitrag Spinnen selbst loswerden, ohne sie zu töten. Da Spinnen nützliche Insektenjäger sind, ist es oft die beste Lösung, sie einfach gewähren zu lassen.
Häufige Fragen
Wie viele Eier legt eine Spinne?
Je nach Art enthält ein Eikokon grob 50 bis 130 Eier. Das Weibchen bildet ihn etwa einen Monat nach der Paarung und schützt ihn im Netz, in einer Spalte oder trägt ihn wie die Zitterspinne mit sich herum.
Wie oft häutet sich eine Spinne?
Auf dem Weg zum erwachsenen Tier durchläuft eine Spinne je nach Art etwa sieben bis elf Häutungen. Da das Außenskelett nicht mitwächst, muss sie die alte Haut abstreifen, um größer zu werden.
Wie lange lebt eine Hausspinne?
Das hängt von der Art ab. Viele kleinere Hausspinnen leben rund ein Jahr, robuste Arten wie die Hauswinkelspinne können unter günstigen Bedingungen mehrere Jahre alt werden. Männchen sterben oft kurz nach der Paarung.
Vermehren sich Spinnen im Haus explosionsartig?
Nein. Die Vermehrung verläuft langsam in einem Jahreszyklus, und Spinnen sind Einzelgänger, die sich teils sogar gegenseitig fressen. Eine Spinnenplage durch unkontrollierte Vermehrung gibt es praktisch nicht – viele Spinnen deuten auf viel Beute hin.
Was sind die kleinen Spinnen im Frühjahr?
Das sind frisch geschlüpfte oder überwinterte Jungspinnen. Manche Arten überdauern als Eikokon oder Jungtier den Winter und werden erst im Frühjahr aktiv, weshalb man dann plötzlich viele sehr kleine Spinnen sieht.