Spikes, Spanndraht und Flatterband zum selbst Vertreiben von Tauben auf einem Balkongeländer
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Tauben selbst vertreiben: Anleitung und Grenzen

Tauben selbst zu vertreiben ist in engen Grenzen erlaubt – aber nur, solange Sie die Tiere weder verletzen noch ein bewohntes Nest stören. Dieser Leitfaden zeigt, was Sie in Eigenregie tun dürfen und wo die rechtlichen und praktischen Grenzen liegen.

Was Sie selbst dürfen – und was nicht

Stadttauben gelten rechtlich als verwilderte Haustiere und stehen unter dem Schutz des Tierschutzgesetzes. Das bedeutet: Sie dürfen Tauben vergrämen, also durch unattraktive Bedingungen vertreiben – Sie dürfen ihnen aber keine vermeidbaren Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. Das Fangen, Töten oder Verletzen ist tabu. Besonders heikel ist die Brutzeit: Ein bewohntes Nest mit Eiern oder Jungtieren darf nicht entfernt werden. Wer das ignoriert, riskiert ein Bußgeld. Mehr dazu lesen Sie unter Brutzeit und Vermehrung sowie Tauben und Recht.

Selbsthilfe funktioniert deshalb nach einem einfachen Prinzip: Sie machen den Ort für Tauben uninteressant, statt gegen die Tiere selbst vorzugehen.

Schritt 1: Den Ort unattraktiv machen

Tauben bleiben dort, wo sie Futter, Ruhe und sichere Sitzplätze finden. Der wirksamste erste Schritt kostet nichts:

  • Keine Futterquellen: Keine Essensreste, kein Vogelfutter, keine offenen Mülleimer auf Balkon oder Terrasse. Auch das Füttern in der Nachbarschaft hält die Population hoch.
  • Sauberkeit: Frischen Kot zeitnah (mit Schutz, siehe Taubenkot entfernen) beseitigen. Kotspuren signalisieren anderen Tauben einen sicheren Platz.
  • Nistmaterial wegnehmen: Lose Zweige und Polster nur, solange noch kein Nest gebaut ist. Sobald gebrütet wird, gilt der Schutz.

Schritt 2: Optische und akustische Vergrämung

Reflektierende CDs, Flatterbänder, Windräder oder Raubvogel-Attrappen können Tauben kurzfristig irritieren. Der Haken: Tauben sind intelligent und gewöhnen sich schnell. Nach wenigen Tagen sitzen sie oft direkt neben der Attrappe. Ultraschallgeräte gelten als weitgehend wirkungslos – Tauben hören diesen Frequenzbereich kaum. Was hier realistisch hilft und was nicht, ordnen wir im Hausmittel-Check und unter Vergrämung & Ultraschall ein.

Vergrämung verschiebt das Problem meist nur. Ohne eine physische Barriere kehren Tauben in der Regel zurück, sobald die Irritation nachlässt.

Schritt 3: Physische Barrieren in Eigenregie

Dauerhaft wirken nur Maßnahmen, die das Landen und Sitzen unmöglich machen. Für Heimwerker sind grundsätzlich geeignet:

  • Spikes auf schmalen Sims- und Geländerkanten – sie sollen das Landen verhindern, nicht verletzen. Details und Tierschutz-Aspekte unter Taubenspikes.
  • Abdeckungen und Neigungswinkel: Glatte, schräge Bleche auf Sitzkanten nehmen den Halt.
  • Kleinere Netze für überschaubare Nischen.

Wichtig ist die fachgerechte Montage: Schlecht gespannte Netze und falsch gesetzte Spikes werden zur Todesfalle, in der sich Tiere verfangen. Das ist nicht nur tierschutzwidrig, sondern kann rechtlich Folgen haben. Wer unsicher ist, sollte hier nicht improvisieren.

Warum Tauben so hartnäckig sind

Wer Tauben selbst vertreiben will, muss ihr Verhalten verstehen. Stadttauben sind extrem standorttreu: Haben sie einen Platz einmal als sicher eingestuft, kehren sie immer wieder dorthin zurück – oft über Jahre und Generationen hinweg. Sie orientieren sich an Kotspuren, vertrauten Sitzkanten und verfügbarem Futter. Diese Treue ist der Grund, warum halbherzige Maßnahmen scheitern: Eine Taube, die kurz verscheucht wird, gibt ihren angestammten Platz nicht auf, sondern wartet, bis die Störung vorbei ist. Konsequenz schlägt hier jede Methode – lieber eine Stelle vollständig und dauerhaft sichern als drei Stellen halb.

Häufige Fehler bei Eigenversuchen

Diese Fehler kosten Zeit und Nerven, ohne das Problem zu lösen:

  • Nur vergrämen, nicht versperren: CDs und Attrappen ohne physische Barriere wirken nur, bis sich die Tauben gewöhnt haben.
  • Lücken lassen: Eine ungeschützte Kante neben den Spikes genügt – die Taube sitzt dann eben dort.
  • Kot liegen lassen: Wer nicht reinigt, hält den Ort attraktiv, weil der Geruch andere Tauben anlockt.
  • Zu spät handeln: Ist erst gebrütet, sind die Hände bis zum Ausfliegen gebunden, und die Bindung an den Ort verfestigt sich.
  • Weiterfüttern in der Nähe: Solange es Futter gibt, lohnt sich der Standort für die Tiere.

Konsequenz und der richtige Zeitpunkt entscheiden also fast mehr als die gewählte Methode.

Wo Selbsthilfe an Grenzen stößt

An folgenden Punkten ist DIY entweder aussichtslos oder nicht zulässig:

  1. Bewohntes Nest: Während der Brut dürfen Sie es nicht entfernen. Was stattdessen möglich ist, erklärt Taubennest auf dem Balkon.
  2. Höhe und Statik: Dächer, Fassaden und Lichtschächte sind ohne Sicherung gefährlich.
  3. Großflächiger Befall: Bei ganzen Fassaden, Innenhöfen oder Gewerbegebäuden reichen Bastellösungen nicht.
  4. Kontaminierte Flächen: Dicke, alte Kotschichten gehören wegen Infektionsgefahr in fachkundige Hände.

In diesen Fällen ist eine fachgerechte, tierschutzkonforme Lösung sinnvoller als wiederholte Eigenversuche. Das BIOVEX-Netzwerk plant Abwehr so, dass sie dauerhaft hält und kein Tier zu Schaden kommt. Vorbeugend lohnt sich außerdem ein Blick in Tauben vorbeugen, damit es gar nicht erst zu einem Befall kommt.

Häufige Fragen

Ist es erlaubt, Tauben selbst zu vertreiben?

Ja, das reine Vergrämen – also das Unattraktivmachen eines Ortes – ist in der Regel erlaubt. Verboten sind das Töten, Verletzen oder Fangen der Tiere sowie das Entfernen eines bewohnten Nestes während der Brutzeit. Maßgeblich sind Tierschutz- und Naturschutzrecht.

Welche Hausmittel helfen wirklich gegen Tauben?

Optische Reize wie CDs oder Attrappen wirken bestenfalls kurz, weil Tauben sich schnell gewöhnen. Dauerhaft helfen nur physische Barrieren wie fachgerecht montierte Spikes oder Netze. Geruchsmittel und Ultraschall gelten als unzuverlässig.

Darf ich ein Taubennest selbst entfernen?

Ein leeres Nest dürfen Sie entfernen. Sobald sich Eier oder Jungtiere darin befinden, ist es geschützt und darf nicht beseitigt werden. Warten Sie das Ende der Brut ab und beugen Sie danach einer erneuten Ansiedlung vor.

Warum kommen die Tauben immer wieder zurück?

Tauben sind extrem standorttreu. Solange Sitzplätze, Nischen oder Futterquellen attraktiv bleiben, kehren sie nach kurzer Vergrämung zurück. Erst eine konsequente, lückenlose Barriere durchbricht dieses Muster.

Wann sollte ich eine Fachfirma einschalten?

Bei Arbeiten in der Höhe, großflächigem Befall, stark verschmutzten Flächen oder wenn eigene Versuche wiederholt scheitern. Dann sind Sicherheit, Tierschutzkonformität und Dauerhaftigkeit nur fachgerecht zu gewährleisten.

Hinweis: Diese Art ist gesetzlich geschützt. Töten, Fangen oder Entfernen des Nestes kann verboten und bußgeldbewehrt sein — wenden Sie sich an die untere Naturschutzbehörde.
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