Bodenquerschnitt mit mehreren Wühlmaus-Gängen und Vorratskammer zur Unterscheidung von Schermaus, Erdmaus und Feldmaus
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Schermaus, Erdmaus und Feldmaus: die Arten unterscheiden

Nicht jede Wühlmaus ist gleich: Schermaus, Erdmaus und Feldmaus unterscheiden sich in Größe, Lebensraum und Schadbild deutlich. Wer die Art richtig bestimmt, wählt die passenden und erlaubten Maßnahmen.

Wühlmaus ist nicht gleich Wühlmaus

Der Begriff "Wühlmaus" fasst mehrere Arten der Unterfamilie Wühlmäuse zusammen. Im Garten und auf dem Feld treten vor allem drei auf: die Schermaus, die Feldmaus und die Erdmaus. Hinzu kommt die Rötelmaus als Waldbewohnerin. Alle haben den gedrungenen Körperbau, die kleinen Ohren und Augen sowie den kurzen, behaarten Schwanz gemeinsam, der sie von der spitzschnauzigen Hausmaus unterscheidet. Für die richtige Reaktion lohnt es sich aber, genauer hinzusehen, denn Schadbild und Lebensweise variieren stark.

Die Schermaus (Arvicola terrestris)

Die Schermaus ist die größte heimische Wühlmausart und der eigentliche "Übeltäter" im Garten. Sie wird etwa 12 bis 20 cm lang, wirkt fast rattengroß und ist dunkelbraun bis schwärzlich gefärbt. Sie lebt überwiegend unterirdisch in weitläufigen Gangsystemen und ernährt sich von Wurzeln, Knollen und Rinde. Ihr Wurzelfraß an Obstbäumen ist gefürchtet. Wenn von Bekämpfung im Hausgarten die Rede ist, ist fast immer die Schermaus gemeint. Ihre Biologie behandelt der Beitrag Vermehrung und Lebenszyklus der Schermaus.

Die Feldmaus (Microtus arvalis)

Die Feldmaus ist deutlich kleiner, etwa 8 bis 12 cm lang, graubraun mit hellerer Unterseite und schlankerem Körper. Sie lebt vor allem oberirdisch in offenen Wiesen, Feldern und Böschungen und legt ein dichtes Netz oberflächlicher Laufgänge mit kleinen, gut sichtbaren Löchern an. Feldmäuse fressen überwiegend Gräser und Kräuter. Sie sind berüchtigt für Massenvermehrungen, bei denen die Dichte sprunghaft ansteigt. Im Garten verursachen sie eher Fraß an oberirdischen Pflanzenteilen als tiefen Wurzelschaden.

Die Erdmaus (Microtus agrestis)

Die Erdmaus ähnelt der Feldmaus, ist mit 10 bis 13 cm aber etwas größer, dunkler gefärbt und hat ein raueres Fell sowie einen kürzeren, stärker behaarten Schwanz. Sie bevorzugt feuchtere, deckungsreiche Lebensräume wie Wiesenränder, Gräben und junge Aufforstungen. Auch sie frisst vor allem Gräser, nagt im Winter aber gelegentlich Rinde an. Im Hausgarten tritt sie seltener auf als Schermaus und Feldmaus.

Die Rötelmaus (Myodes glareolus)

Die Rötelmaus ist rotbraun gefärbt, bis etwa 15 cm lang und hat einen vergleichsweise langen Schwanz. Sie lebt vor allem in Wäldern, Hecken und Gärten in Waldnähe und klettert geschickt. Gärtnerisch ist sie weniger relevant, gesundheitlich aber von Bedeutung: Sie gilt als Hauptüberträger des Puumala-Hantavirus in Deutschland. Mehr dazu unter Sind Wühlmäuse gefährlich?.

Was alle Wühlmäuse gemeinsam haben

So unterschiedlich die Arten sind, eint sie ein typischer Bauplan, der sie von den "echten" Mäusen (Langschwanzmäusen wie Haus- und Waldmaus) unterscheidet. Wühlmäuse haben einen gedrungenen, walzenförmigen Körper, eine stumpfe Schnauze, kleine, im Fell fast verborgene Ohren und kleine Augen. Ihr Schwanz ist deutlich kürzer als der Körper und behaart, während echte Mäuse einen langen, nahezu nackten Schwanz und große Ohren tragen. Ihre Backenzähne sind an pflanzliche, faserreiche Kost angepasst. Diese Merkmale sind nützlich, wenn man doch einmal ein Tier zu Gesicht bekommt, etwa als Beute einer Katze. Die stumpfe Schnauze und der kurze Schwanz verraten dann rasch eine Wühlmaus, die genaue Art ergibt sich anschließend aus Größe, Färbung und Lebensraum.

So bestimmen Sie die Art

Da man die Tiere selten zu Gesicht bekommt, helfen indirekte Merkmale:

  • Größe der Gänge und Haufen: Große, flache Erdhaufen mit oberflächennahen, hochovalen Gängen sprechen für die Schermaus.
  • Oberirdische Laufwege: Ein dichtes Netz kleiner Löcher und offener Trampelpfade im Gras deutet auf Feld- oder Erdmaus.
  • Lebensraum: Obstgarten und Beet mit Wurzelfraß = eher Schermaus, offene Wiese = eher Feldmaus, feuchter Saum = eher Erdmaus, Waldnähe = eher Rötelmaus.
  • Schadbild: Tiefer Wurzel- und Rindenfraß ist typisch für die Schermaus, oberirdischer Fraß an Gräsern für Feld- und Erdmaus.

Hilfreich ist auch die saubere Abgrenzung zum geschützten Maulwurf, die unter Wühlmaus oder Maulwurf? beschrieben ist.

Warum die richtige Bestimmung zählt

Die Art entscheidet über die passende Strategie: Gegen die unterirdisch lebende Schermaus wirken Wurzelschutzkörbe und gezielte Fallen im Gang, gegen oberirdische Feldmäuse helfen eher Lebensraumgestaltung und natürliche Feinde. Bei unklarer Bestimmung oder starkem, anhaltendem Befall kann eine Fachkraft aus dem BIOVEX-Netzwerk die Art sicher feststellen und das geeignete, rechtlich zulässige Vorgehen empfehlen.

Häufige Fragen

Welche Wühlmaus richtet die größten Gartenschäden an?

In aller Regel die Schermaus. Als größte heimische Wühlmausart frisst sie Wurzeln, Knollen und Rinde und kann besonders junge Obstbäume schwer schädigen.

Wie unterscheide ich Feldmaus und Erdmaus?

Die Feldmaus ist schlanker, heller und hat einen längeren, kaum behaarten Schwanz. Die Erdmaus ist etwas größer, dunkler, raufelliger und hat einen kürzeren, stärker behaarten Schwanz. Die Erdmaus bevorzugt feuchtere Lebensräume.

Ist die Rötelmaus für den Garten gefährlich?

Gärtnerisch ist sie wenig relevant, gesundheitlich aber von Bedeutung, weil sie der Hauptüberträger des Puumala-Hantavirus in Deutschland ist. Direkter Kontakt und das Einatmen von Staub aus Kot sollten vermieden werden.

Kann ich die Art ohne das Tier zu sehen bestimmen?

Meist ja, anhand von Gangform, Haufen, Lebensraum und Schadbild. Große flache Haufen mit Wurzelfraß deuten auf die Schermaus, oberirdische Laufgänge im Gras auf Feld- oder Erdmaus.

Sind alle diese Arten jagdbar oder bekämpfbar?

Schermaus, Feld- und Erdmaus gelten nicht als geschützt und dürfen bekämpft werden. Verwechslungsgefahr besteht jedoch mit dem geschützten Maulwurf, weshalb eine sichere Bestimmung wichtig ist.

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