Bienen umsiedeln: Ablauf einer fachgerechten Umsiedlung
Eine fachgerechte Bienen-Umsiedlung folgt einem klaren Ablauf: Art bestimmen, Königin sichern, das Volk samt Brut behutsam einfangen und an einem neuen Standort wieder ansiedeln. Je nach Lage ist das in Minuten erledigt – oder erfordert das Öffnen von Bauteilen.
Worum es bei einer Umsiedlung geht
Bienen werden nicht bekämpft, sondern umgesiedelt – sie stehen unter Naturschutz und sind als Bestäuber unersetzlich. Ziel einer Umsiedlung ist deshalb immer, das Volk lebend an einen geeigneten neuen Standort zu bringen. Der genaue Ablauf hängt stark davon ab, ob es sich um einen frei hängenden Schwarm oder ein etabliertes Volk in einem Hohlraum handelt. Welche Art überhaupt vorliegt, klärt vorab der Beitrag Bienennest erkennen.
Schritt 1: Begutachtung und Artbestimmung
Am Anfang steht die fachliche Beurteilung vor Ort. Imker oder Fachbetrieb klären: Sind es wirklich Honigbienen oder doch Wespen beziehungsweise Hornissen? Wo genau sitzt das Nest, wie groß ist es, wie ist es erreichbar? Davon hängen Methode, Zeitaufwand und Kosten ab. Eine sorgfältige Einschätzung verhindert Fehlgriffe – etwa das vorschnelle Behandeln eines geschützten Volks.
Schritt 2: Vorbereitung und Sicherung
Vor dem Eingriff wird der Arbeitsbereich gesichert. Der Fachmann trägt Schutzkleidung, Schleier und Handschuhe; bei Honigbienen kommt häufig ein Smoker zum Einsatz, dessen Rauch das Volk beruhigt. Eine frei hängende Schwarmtraube wird oft mit etwas Wasser besprüht – das macht die Bienen träger und verhindert, dass der Schwarm beim Eingriff auseinanderfliegt. Bereitgestellt werden ein Schwarmkasten oder eine Beute als neues Quartier.
Schritt 3: Das Volk einfangen
Hier unterscheiden sich die Szenarien deutlich:
- Frei hängender Schwarm: Der Fachmann hält den Schwarmkasten unter die Traube und schüttelt oder kehrt die Bienen hinein. Ist die Königin im Kasten, ziehen die übrigen Bienen von selbst nach. Der Kasten bleibt oft noch einige Stunden am Fundort stehen, damit auch die letzten Flugbienen einziehen, bevor er am Abend verschlossen abtransportiert wird.
- Volk in einem Hohlraum: Sitzt das Volk in Mauerwerk, Rollladenkasten oder Dach, ist mehr Aufwand nötig. Häufig muss ein Bauteil geöffnet werden, um an Bienen und Waben heranzukommen. Die Waben werden samt Brut entnommen und in Rähmchen gesetzt, die Königin wird gesucht und gesichert, das Volk wird abgesaugt oder eingekehrt.
Schritt 4: Wabenwerk und Honig vollständig entfernen
Gerade bei langjährigen Völkern in der Bausubstanz ist das vollständige Entfernen von Waben und Honig wichtig. Bleibt Material zurück, kann Honig verlaufen, Flecken verursachen und andere Insekten anlocken. Dieser Schritt ist der eigentliche Unterschied zwischen einer sauberen Umsiedlung und einem halbherzigen Eingriff – und einer der Gründe, warum solche Fälle einen Fachbetrieb erfordern. Warum man das nicht selbst macht, erklärt Bienen selbst entfernen – warum das tabu ist.
Schritt 5: Neuansiedlung und Nachsorge
Das umgesetzte Volk wird an einem geeigneten Standort wieder aufgestellt, wo es sich an die neue Beute gewöhnt. Bei der Entnahme aus einem Hohlraum folgt die bauliche Nachsorge: Der geöffnete Bereich wird gereinigt und nach Saisonende verschlossen, damit kein neues Volk einzieht. Wie Sie eine Wiederbesiedlung dauerhaft verhindern, steht unter Bienen am Haus vorbeugen.
Eine gute Umsiedlung erkennt man daran, dass am Ende das Volk lebt, der Hohlraum sauber und verschlossen ist – und kein Honig zurückbleibt, der neue Probleme schafft.
Der richtige Zeitpunkt im Jahr
Auch der Kalender spielt eine Rolle. Die natürliche Schwarmzeit der Honigbienen liegt schwerpunktmäßig zwischen Mai und Juli – in dieser Phase sind frei hängende Schwärme am häufigsten und am einfachsten zu fangen, weil sie noch keine Waben gebaut haben. Ein Volk, das sich dagegen schon im Vorjahr in einem Hohlraum etabliert hat, wird üblicherweise dann umgesiedelt, wenn es gut handhabbar ist; der Fachmann entscheidet das vor Ort. Wichtig zu wissen: Eine Umsiedlung ist fast immer möglich, aber Aufwand und Erfolgsaussicht hängen von Jahreszeit, Volksstärke und Witterung ab. An sehr kühlen oder regnerischen Tagen sitzen die Bienen dichter zusammen, was das Einfangen mitunter erleichtert, die Arbeit am Bauteil aber erschwert.
Woran man eine seriöse Umsiedlung erkennt
Damit Sie die Qualität einschätzen können, hier die Merkmale einer fachgerechten Umsiedlung:
- Vor Beginn wird die Art bestimmt und das Vorgehen erklärt.
- Es wird umgesiedelt, nicht vergiftet – Insektizid hat bei Honigbienen nichts zu suchen.
- Die Königin wird gesichert, damit das Volk vollständig mitkommt.
- Bei Nestern im Hohlraum werden Waben und Honig vollständig entfernt.
- Der geöffnete Bereich wird gereinigt und – nach Saisonende – fachgerecht verschlossen.
- Sie erhalten eine nachvollziehbare Kostenauskunft statt eines Fantasiepreises an der Tür.
Wie lange dauert das und wer macht es?
Ein gut erreichbarer Schwarm ist für einen geübten Imker oft in unter einer Stunde eingefangen. Ein Volk tief in der Bausubstanz kann dagegen mehrere Stunden in Anspruch nehmen und mehrere Besuche erfordern, bis auch die Nachzügler eingezogen sind. Für frei zugängliche Honigbienen ist der Imker erste Wahl, für bauliche oder unklare Fälle ein im Artenschutz geschulter Fachbetrieb – die Abgrenzung erklärt Imker oder Kammerjäger?. Womit Sie preislich rechnen müssen, lesen Sie unter Was kostet eine Bienen-Umsiedlung?.
Häufige Fragen
Wie läuft eine Bienen-Umsiedlung grob ab?
Art bestimmen, Arbeitsbereich sichern, das Volk samt Königin behutsam einfangen, bei Nestern im Hohlraum die Waben vollständig entnehmen und das Volk an einem neuen Standort wieder ansiedeln. Zum Schluss folgt die bauliche Nachsorge am Gebäude.
Wie lange dauert eine Umsiedlung?
Ein frei hängender Schwarm ist oft in unter einer Stunde eingefangen. Ein Volk tief in Mauerwerk oder Dach kann mehrere Stunden dauern und manchmal mehrere Besuche erfordern, bis auch die Nachzügler eingezogen sind.
Warum müssen die Waben mit entfernt werden?
Zurückbleibender Honig und Wabenwerk können verlaufen, Flecken verursachen und andere Insekten anlocken. Nur die vollständige Entnahme sorgt für eine saubere, dauerhafte Lösung – deshalb erfordern Nester in der Bausubstanz einen Fachbetrieb.
Wird die Königin extra gesichert?
Ja. Die Königin ist der Schlüssel: Ist sie im Schwarmkasten, ziehen die übrigen Bienen von selbst nach. Bei Völkern im Hohlraum wird sie gezielt gesucht und gesichert, damit das Volk zusammenbleibt.
Kann ich eine Umsiedlung selbst durchführen?
Nein. Das Einfangen erfordert Erfahrung, Schutzausrüstung und bei Nestern im Hohlraum oft das Öffnen von Bauteilen. Zudem stehen Bienen unter Naturschutz. Überlassen Sie die Umsiedlung einem Imker oder einem im Artenschutz geschulten Fachbetrieb.