Spitzmaus im Haus: geschützt und nützlich
Nicht jede „Maus" im Haus ist eine Hausmaus. Die Spitzmaus sieht auf den ersten Blick ähnlich aus, ist aber gar kein Nagetier, sondern ein Insektenfresser – und sie steht unter besonderem Schutz. Sie darf weder bekämpft noch gefangen und umgesetzt, sondern nur schonend hinausgeleitet werden. Wer das verwechselt, riskiert einen Verstoß gegen das Naturschutzrecht.
Die Spitzmaus ist keine Maus im biologischen Sinn
Trotz ihres Namens gehört die Spitzmaus nicht zu den Nagetieren wie die Hausmaus. Sie zählt zu den Insektenfressern und ist damit – verwandtschaftlich – Igel und Maulwurf näher als der Hausmaus. Das ist mehr als eine biologische Feinheit: Es ist der Grund, warum sie rechtlich völlig anders behandelt wird. Die Hausmaus darf bekämpft werden, die Spitzmaus nicht.
Besonders geschützt – Bekämpfung verboten
Alle heimischen Spitzmäuse sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Daraus folgt: Sie dürfen nicht getötet und nicht bekämpft werden. Auch der Fang mit einer Lebendfalle und das Verbringen in einen anderen Lebensraum ist untersagt – das Naturschutzrecht verbietet es, besonders geschützte Tiere zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihren Lebensstätten nachzustellen. Wer eine Spitzmaus fängt und aussetzt, kann damit gegen geltendes Recht verstoßen.
Zum Vergleich: Hausmaus, Wanderratte, Hausratte und einige Wühlmausarten sind ausdrücklich von diesem Schutz ausgenommen und dürfen bekämpft werden. Genau deshalb ist die sichere Unterscheidung so wichtig.
So erkennen Sie eine Spitzmaus
Mehrere Merkmale unterscheiden die Spitzmaus von der Hausmaus:
- Schnauze: Die Spitzmaus hat eine auffällig lange, spitz zulaufende, rüsselartige Schnauze. Die Hausmaus hat eine kürzere, stumpfere Schnauze.
- Augen und Ohren: Spitzmäuse haben sehr kleine, oft im Fell verborgene Augen und kaum sichtbare Ohren. Hausmäuse haben verhältnismäßig große, deutlich abstehende Ohren und größere Augen.
- Fell und Zähne: Das Fell der Spitzmaus ist samtig und meist dunkler; die Zähne sind spitz und mit rötlichen Spitzen, typisch für Insektenfresser – nicht die meißelartigen Nagezähne der Hausmaus.
- Verhalten: Spitzmäuse leben einzelgängerisch, halten sich kaum in Vorräten auf und nagen nicht an Lebensmitteln.
Eine ausführlichere Gegenüberstellung mit weiteren Mäusearten finden Sie im Beitrag Mäusearten unterscheiden.
Warum die Spitzmaus sogar nützlich ist
Die Spitzmaus ist im Haus fast immer ein zufälliger, kurzzeitiger Gast – und ein nützlicher dazu. Sie ernährt sich überwiegend von Insekten, Spinnen, Asseln, Tausendfüßern, Würmern und anderen Kleintieren. Damit vertilgt sie eine Menge dessen, was viele Menschen ihrerseits als lästig empfinden. Sie geht nicht an Vorräte, verbreitet keine typischen Vorratsschäden und richtet im Haushalt in der Regel keinen Schaden an.
Hinzu kommt ein eindrucksvoller Stoffwechsel: Spitzmäuse müssen fast ununterbrochen fressen und können schon nach wenigen Stunden ohne Nahrung verhungern. Genau das macht sie auch so empfindlich gegenüber jeder Falle.
Wie sie überhaupt ins Haus gelangt
Spitzmäuse leben eigentlich draußen – in Gärten, an Hecken, unter Laub und Totholz, in feuchten, deckungsreichen Bereichen. Ins Haus verirren sie sich meist nur zufällig, etwa auf der Jagd nach Insekten, durch eine offene Kellertür oder eine Spalte im Mauerwerk. Anders als die Hausmaus sucht die Spitzmaus das Gebäude nicht gezielt als dauerhaften Lebensraum auf; sie findet drinnen kaum geeignete Nahrung, weil dort die Insekten und Kleintiere fehlen, von denen sie lebt. Deshalb handelt es sich fast immer um einen einzelnen, vorübergehenden Gast und nicht um einen "Befall" im eigentlichen Sinn. Ein Nest mit Nachwuchs im Haus, wie es bei Hausmäusen vorkommt, ist bei Spitzmäusen die absolute Ausnahme.
Was tun, wenn eine Spitzmaus im Haus ist?
Da Bekämpfung und Umsetzen verboten sind, bleibt nur das schonende Hinausleiten. Praktisch bedeutet das:
- Fluchtweg öffnen: Türen nach draußen öffnen und dem Tier einen freien Weg ins Freie ermöglichen. Spitzmäuse finden meist von selbst wieder hinaus, wenn man sie lässt.
- Ruhe bewahren: Das Tier nicht in die Enge treiben oder jagen – das verursacht nur Stress.
- Zugänge schließen: Nachdem das Tier draußen ist, mögliche Einschlupfstellen abdichten, damit kein weiteres hereinkommt.
- Im Zweifel beobachten: Sind Sie unsicher, ob es eine Spitzmaus oder eine Hausmaus ist, bestimmen Sie das Tier erst, bevor Sie handeln.
Hausmittel mit intensiven Gerüchen können allenfalls unterstützend wirken, um das Tier zum Ausgang zu lenken – Hinweise dazu im Beitrag Welche Gerüche vertreiben Mäuse? Wenn Sie eine echte Hausmaus identifiziert haben und sie tierschonend nach draußen bringen wollen, beachten Sie die Regeln im Beitrag Lebendfalle: Mäuse fangen und richtig aussetzen – diese gelten ausdrücklich nicht für die geschützte Spitzmaus.
Fazit
Die Spitzmaus ist kein Nagetier, sondern ein nützlicher Insektenfresser, und sie ist besonders geschützt. Töten, bekämpfen oder mit der Lebendfalle umsetzen ist verboten – erlaubt ist nur das schonende Hinausleiten und anschließende Abdichten der Zugänge. Wer eine „Maus" im Haus hat, sollte deshalb zuerst genau hinsehen, um welches Tier es sich handelt.