Arbeitslampe, Radio und Sprühflasche auf dem Dachboden zum selbst Vertreiben eines Marders
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Marder selbst vertreiben: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Einen Marder darf man in Deutschland nicht töten oder fangen, vertreiben aber schon. Diese Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigt, wie Sie tierschutzkonform vorgehen und den Erfolg dauerhaft sichern.

Bevor Sie beginnen: Was erlaubt ist

Der Steinmarder unterliegt dem Jagdrecht und genießt in den meisten Bundesländern von Anfang März bis Mitte Oktober eine Schonzeit. Fangen oder Töten ist Privatpersonen in der Regel nicht erlaubt. Vertreiben (Vergrämen) ist dagegen jederzeit zulässig, weil es das Tier weder verletzt noch der Population schadet. Genau darum geht es bei der Selbsthilfe: Sie machen dem Marder den Aufenthaltsort so unangenehm, dass er freiwillig auszieht, und verschließen anschließend die Zugänge. Wer die rechtlichen Hintergründe genauer verstehen will, findet sie unter Marder töten verboten? Jagdrecht und Vergrämung erklärt.

Schritt 1: Befall bestätigen und Versteck finden

Bevor Sie loslegen, muss klar sein, dass tatsächlich ein Marder am Werk ist und nicht Mäuse, Ratten oder der geschützte Siebenschläfer. Achten Sie auf schweres nächtliches Poltern das ganze Jahr über, wurstförmigen Kot mit Beuteresten und einen stechenden Geruch. Suchen Sie den Dachboden bei Tageslicht systematisch nach Latrinen, zerwühlter Dämmung und Schlafplätzen ab. Hilfe bei der Einordnung bietet Marder erkennen: die typischen Anzeichen.

Schritt 2: Den richtigen Zeitpunkt wählen

Vergrämen Sie möglichst nicht zwischen März und Juli. In dieser Zeit zieht das Weibchen blinde, hilflose Jungtiere groß. Vertreiben Sie jetzt das Muttertier, verhungern die Jungen im Versteck, was sowohl tierschutzwidrig als auch geruchlich katastrophal ist. Warten Sie, bis die Jungen selbstständig sind, oder lassen Sie die Situation von einem Fachbetrieb beurteilen. Außerhalb der Aufzuchtzeit können Sie sofort starten.

Schritt 3: Den Marder stören

Marder mögen ihren Ruheplatz ruhig, dunkel und ungestört. Stören Sie genau das, am besten mehrere Reize gleichzeitig:

  • Licht: Eine helle Lampe oder ein Bewegungsmelder-Strahler am Schlafplatz nimmt dem Versteck die Geborgenheit.
  • Lärm: Ein Radio, das tagsüber läuft, signalisiert menschliche Anwesenheit.
  • Geruch: Intensive Duftstoffe an den Laufwegen werden oft als störend empfunden. Wie verlässlich das wirkt, ordnet Ultraschall und Duftstoffe im Test ein.
  • Unruhe: Betreten Sie den Dachboden mehrfach am Tag, räumen Sie um, beseitigen Sie Nistmaterial.

Wichtig: Diese Reize wirken meist nur vorübergehend, weil sich Marder an Gleichbleibendes gewöhnen. Sie verschaffen Ihnen aber das Zeitfenster, das Sie für den entscheidenden Schritt brauchen.

Schritt 4: Alle Zugänge finden

Während der Marder gestört ist, suchen Sie sämtliche Schlupflöcher. Schon eine handtellergroße Öffnung von etwa fünf Zentimetern reicht. Typische Schwachstellen sind offene oder defekte Lüftungsziegel, Spalten an der Traufe und am Ortgang, lockere Dachpfannen, Übergänge zwischen Dach und Mauerwerk sowie Kabel- und Rohrdurchführungen. Markieren Sie jede Stelle. Eine ausführliche Anleitung dazu finden Sie unter Marderzugänge finden und Dachboden marderdicht machen.

Schritt 5: Sicherstellen, dass das Tier draußen ist

Das ist der heikelste Punkt. Verschließen Sie niemals einen Zugang, solange Sie nicht sicher sind, dass kein Marder mehr drin ist. Andernfalls sperren Sie das Tier ein, es verendet und richtet auf der Suche nach einem Ausgang noch mehr Schaden an. Bewährt hat sich die Mehl- oder Sandprobe: Streuen Sie an den Ausgängen eine dünne Schicht aus und kontrollieren Sie über mehrere Nächte die Trittspuren. Erst wenn über mehrere Tage Ruhe herrscht und keine frischen Abdrücke nach innen führen, ist der Marder ausgezogen.

Schritt 6: Dauerhaft abdichten

Jetzt verschließen Sie die Zugänge mit stabilem Material: engmaschiges Edelstahl- oder verzinktes Gitter, Lochblech oder Metallplatten. Silikon, Bauschaum oder Holz reichen nicht, der Marder reißt sie mühelos auf. Anti-Marder-Bürsten an Fallrohren und Traufe erschweren den Aufstieg. Diese bauliche Sicherung ist der eigentliche Erfolgsfaktor, denn jede Vergrämung verpufft, wenn der Weg offen bleibt.

Schritt 7: Spuren beseitigen

Entfernen Sie Kot, Urin und Nistmaterial gründlich und reinigen Sie die Latrinen. Die Duftmarken locken sonst denselben oder einen neuen Marder zurück. Tragen Sie dabei Handschuhe und Atemschutz, da Kot Krankheitserreger und Parasiten enthalten kann.

Die häufigsten Fehler

Viele Vertreibungsversuche scheitern an denselben vermeidbaren Fehlern. Wer sie kennt, spart sich Zeit, Geld und Ärger:

  • Zu früh verschlossen: Der Zugang wird zugemacht, obwohl der Marder noch drin ist, das Tier verendet und der Geruch bleibt.
  • Nur ein Reiz: Allein ein Radio oder allein ein Duftstoff wird schnell ignoriert. Wirksam ist die Kombination mehrerer Reize.
  • Falsches Material: Bauschaum oder Silikon statt Metallgitter, der Marder reißt es wieder auf.
  • Nur ein Zugang gesichert: Wird der Hauptzugang verschlossen, aber eine zweite Schwachstelle übersehen, kommt der Marder einfach woanders rein.
  • In der Aufzuchtzeit vergrämt: Zwischen März und Juli sperrt man so unter Umständen Jungtiere ein.
  • Geruch nicht beseitigt: Bleiben Latrinen und Duftmarken, zieht bald der nächste Marder nach.

Geduld zahlt sich aus: Lieber ein paar Nächte länger kontrollieren, ob das Tier wirklich draußen ist, als vorschnell zu verschließen. Eine gute Vorsorge gegen den nächsten Befall beschreibt Marder vorbeugen.

Wann die Selbsthilfe an Grenzen stößt

Eigenregie funktioniert, wenn die Zugänge gut erreichbar sind und kein Nachwuchs im Spiel ist. Sobald aber Jungtiere im Versteck sind, die Zugänge auf einem steilen oder hohen Dach liegen, der Befall sich nach jedem Versuch wiederholt oder die Dämmung großflächig zerstört ist, lohnt sich professionelle Hilfe. Das BIOVEX-Netzwerk übernimmt Befallsanalyse, tierschutzkonforme Vergrämung, die fachgerechte Abdichtung schwer zugänglicher Stellen und die Reinigung der Latrinen.

Häufige Fragen

Darf ich einen Marder selbst vertreiben?

Ja. Das Vergrämen, also das gewaltfreie Vertreiben durch Licht, Lärm und Gerüche, ist jederzeit erlaubt, auch während der Schonzeit. Verboten ist dagegen in der Regel das Fangen oder Töten, weil der Steinmarder dem Jagdrecht unterliegt.

Wie bekomme ich einen Marder am schnellsten weg?

Die schnellste Wirkung erzielen Sie, indem Sie mehrere Störreize gleichzeitig einsetzen (Licht, Radio, Geruch, häufiges Betreten) und parallel alle Zugänge vorbereiten. Den dauerhaften Erfolg bringt aber erst das marderdichte Verschließen der Schlupflöcher, sobald das Tier draußen ist.

Wann darf ich einen Marder nicht vertreiben?

Zwischen etwa März und Juli zieht das Weibchen hilflose Jungtiere groß. Vertreiben Sie jetzt die Mutter, verhungern die Jungen im Versteck. Warten Sie diese Aufzuchtzeit ab oder holen Sie fachlichen Rat ein.

Wie stelle ich sicher, dass der Marder wirklich draußen ist?

Streuen Sie an den Ausgängen eine dünne Schicht Mehl oder Sand und kontrollieren Sie über mehrere Nächte die Trittspuren. Erst wenn über mehrere Tage keine frischen Abdrücke nach innen führen, dürfen Sie den Zugang verschließen.

Welches Material hält einen Marder dauerhaft fern?

Nur stabile Materialien wie engmaschiges Edelstahl- oder verzinktes Gitter, Lochblech oder Metallplatten. Silikon, Bauschaum oder Holz reißt der Marder mühelos wieder auf.
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