Zwei unterschiedlich große Marder-Pfotenabdrücke im feuchten Gartenboden zum Vergleich von Steinmarder und Baummarder
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Steinmarder oder Baummarder? Marderarten unterscheiden

In Deutschland leben zwei ähnliche Arten: der Steinmarder als typischer Kulturfolger am Haus und der scheue Baummarder im Wald. Wer beide auseinanderhalten kann, versteht auch, warum fast immer der Steinmarder hinter Problemen am Gebäude steckt.

Zwei Arten, ein erster Eindruck

Steinmarder (Martes foina) und Baummarder (Martes martes) sind nah verwandt und auf den ersten Blick leicht zu verwechseln. Beide sind etwa katzengroß, schlank, mit langem Schwanz und braunem Fell. Im Detail unterscheiden sie sich aber deutlich, und vor allem trennen sie ihr Lebensraum und ihr Verhalten. Für Hausbesitzer ist die Unterscheidung relevant, weil praktisch nur der Steinmarder am und im Gebäude vorkommt. Der Baummarder meidet die Nähe des Menschen.

Das wichtigste Merkmal: der Kehlfleck

Der zuverlässigste Unterschied ist der Fleck an Kehle und Brust:

  • Steinmarder: meist reinweißer Kehlfleck, der oft gegabelt ist und sich über die Vorderbeine nach unten zieht.
  • Baummarder: gelblicher bis orangefarbener ("buttergelber") Kehlfleck, der in der Regel nicht gegabelt ist und rund nach unten abschließt.

Dieses Merkmal gilt als das sicherste, weil Farbe und Form recht konstant sind. Bei einem flüchtigen Blick in der Dämmerung ist es allerdings schwer zu erkennen.

Weitere Unterscheidungsmerkmale

Wer das Tier oder ein gutes Foto vor sich hat, kann zusätzlich auf folgende Punkte achten:

  • Nase: Der Steinmarder hat eine helle, fleischfarbene bis rosa Nase, der Baummarder eine dunkle, braun-schwarze Nase.
  • Fell: Steinmarder wirken graubraun und etwas matter, ihre weißliche Unterwolle scheint durch. Baummarder haben ein wärmeres, dunkleres Braun mit dichterer, gelblicher Unterwolle.
  • Ohren: Beim Baummarder sind die Ohren größer und meist hell gerandet, beim Steinmarder kleiner und einfarbiger.
  • Körperbau: Der Baummarder wirkt insgesamt schlanker und eleganter, der Steinmarder kompakter.
  • Pfoten: Baummarder haben behaarte Sohlen (Anpassung ans Klettern und an Kälte), Steinmarder weniger behaarte.

Für eine sichere Bestimmung im Zweifelsfall ziehen Fachleute oft mehrere Merkmale zusammen heran, da Einzelmerkmale variieren können. Die Forstliche Versuchsanstalt Baden-Württemberg stellt dafür eigene Bestimmungshilfen bereit.

Der entscheidende Unterschied: der Lebensraum

Theorie hin oder her, in der Praxis verrät der Aufenthaltsort die Art am schnellsten:

  • Der Steinmarder ist ein klassischer Kulturfolger. Er lebt in Dörfern und Städten, in Scheunen, auf Dachböden, in Garagen und nutzt Motorräume von Autos als Spielwiese. Findet ein Marder den Weg in Ihr Haus, ist es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein Steinmarder.
  • Der Baummarder bewohnt zusammenhängende Wälder, lebt in Baumhöhlen und alten Greifvogel- oder Eichhörnchennestern und meidet menschliche Siedlungen. Schäden an Gebäuden oder Autos verursacht er so gut wie nie.

Deshalb gehen praktisch alle Beiträge in diesem Ratgeber zu Befall, Schäden und Vorbeugung vom Steinmarder aus. Wie dieser lebt und sich vermehrt, lesen Sie unter Lebensweise und Vermehrung des Steinmarders.

Was ist mit Iltis, Hermelin und Co.?

Zur Familie der Marder (Marderartige) gehören in Deutschland weitere Arten wie Iltis, Hermelin, Mauswiesel, Dachs und Fischotter. Diese spielen für Schäden am Haus aber kaum eine Rolle. Der Iltis kann gelegentlich in Ställe oder Schuppen gehen, ist aber deutlich kleiner und seltener im Wohnumfeld. Wer am Gebäude einen Übeltäter sucht, liegt mit dem Steinmarder fast immer richtig.

Warum Verwechslungen so häufig sind

Dass beide Arten so oft verwechselt werden, hat gute Gründe: Man sieht den Marder fast nie in Ruhe, sondern höchstens für Sekunden in der Dämmerung oder im Scheinwerferlicht. Größe, Körperform und Grundfarbe sind nahezu gleich, und der entscheidende Kehlfleck ist im Halbdunkel kaum auszumachen. Hinzu kommt, dass Fellfarbe und Fleckform individuell schwanken und sich je nach Jahreszeit (Sommer- und Winterfell) verändern. Deshalb stützt sich eine seriöse Bestimmung nie auf ein einzelnes Merkmal, sondern auf die Kombination mehrerer, allen voran auf den Lebensraum. Ein Foto, etwa von einer Wildkamera, erleichtert die Einordnung erheblich, weil man Kehlfleck und Nase dann in Ruhe vergleichen kann.

Spielt die Art für die Bekämpfung eine Rolle?

Für das praktische Vorgehen ist die genaue Artbestimmung weniger wichtig, als man denkt, denn beide Arten stehen unter rechtlichem Schutz. Sowohl Steinmarder als auch Baummarder unterliegen dem Jagdrecht. Töten oder Fangen ist Privatpersonen in der Regel nicht erlaubt und durch Schonzeiten zusätzlich begrenzt. Erlaubt sind Vergrämen und das Abdichten der Zugänge. Da am Gebäude ohnehin fast immer der Steinmarder beteiligt ist, richten sich alle empfohlenen Maßnahmen nach dessen Verhalten. Mehr zum rechtlichen Rahmen unter Jagdrecht und Vergrämung.

Das Wichtigste in Kürze

Steinmarder und Baummarder unterscheidet man am sichersten am Kehlfleck (weiß und gegabelt beim Stein-, gelb-orange und ungegabelt beim Baummarder) sowie an der Nase (hell bzw. dunkel). Noch eindeutiger ist der Lebensraum: Am Haus, in der Garage oder im Motorraum ist es praktisch immer der Steinmarder, während der Baummarder im Wald bleibt. Für die rechtskonforme Vorgehensweise zählt vor allem, dass beide Arten geschützt sind.

Häufige Fragen

Welcher Marder geht ans Haus und ans Auto?

Fast immer der Steinmarder. Er ist ein Kulturfolger und lebt gern in Siedlungsnähe, auf Dachböden, in Garagen und in Motorräumen. Der Baummarder meidet die Nähe des Menschen und bleibt im Wald, Schäden an Gebäuden verursacht er so gut wie nie.

Wie unterscheide ich Steinmarder und Baummarder am sichersten?

Am zuverlässigsten am Kehlfleck: Der Steinmarder hat einen weißen, oft gegabelten Fleck, der bis auf die Vorderbeine reicht. Der Baummarder hat einen gelblich-orangefarbenen, ungegabelten Fleck. Zusätzlich hat der Steinmarder eine helle, der Baummarder eine dunkle Nase.

Sind beide Marderarten geschützt?

Ja. Sowohl Steinmarder als auch Baummarder unterliegen dem Jagdrecht. Fangen und Töten ist Privatpersonen in der Regel nicht erlaubt und durch Schonzeiten zusätzlich begrenzt. Erlaubt sind tierschutzkonforme Vergrämung und das Abdichten von Zugängen.

Wie groß wird ein Steinmarder?

Ein Steinmarder ist etwa katzengroß: rund 40 bis 50 cm Körperlänge plus etwa 25 cm Schwanz, und er wiegt grob 1 bis 2,5 kg. Trotz dieser Größe passt er durch handtellergroße Öffnungen in Gebäude.
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