Querschnitt durch den Gartenboden mit dem unterirdischen Gangsystem und einer Wohnkammer des Maulwurfs
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Lebensweise und Vermehrung: So lebt der Maulwurf

Der Maulwurf ist ein Einzelgänger, der sein ganzes Leben in einem selbst gegrabenen Tunnelreich verbringt. Nur einmal im Jahr, zur Paarungszeit, weicht er von seinem strikt einzelgängerischen Dasein ab.

Kaum ein heimisches Säugetier ist so konsequent an ein verborgenes Leben angepasst wie der Europäische Maulwurf. Wer seine Lebensweise kennt, versteht auch, warum er sich im Garten so verhält, wie er es tut – und warum meist nur ein einziges Tier für viele Hügel verantwortlich ist.

Ein Leben unter der Erde

Der Maulwurf lebt fast ausschließlich in seinem unterirdischen Gangsystem, das aus Jagdgängen, tieferen Wohngängen und einer ausgepolsterten Nestkammer besteht. Mit seinen kräftigen Grabschaufeln kann er erstaunliche Mengen Erde bewegen. Er ist ganzjährig aktiv und hält keinen Winterschlaf – in kalten oder trockenen Phasen verlagert er seine Aktivität lediglich in tiefere, frostfreie Bodenschichten, wo er weiterhin auf Beutefang geht.

Maulwürfe folgen einem Rhythmus aus Aktivitäts- und Ruhephasen, der sich mehrmals über Tag und Nacht wiederholt. Weil sie täglich etwa ihr eigenes Körpergewicht an Nahrung benötigen und maximal rund zwölf Stunden ohne Futter auskommen, können sie sich keine langen Pausen leisten.

Strikter Einzelgänger mit eigenem Revier

Maulwürfe sind ausgeprägte Einzelgänger. Jedes Tier verteidigt sein eigenes Revier, das im Schnitt etwa 2.000 Quadratmeter umfasst – in nahrungsärmeren Gebieten auch bis zu 3.000 Quadratmeter. Begegnungen mit Artgenossen werden außerhalb der Paarungszeit vermieden; dringt ein fremder Maulwurf ein, kann es zu heftigen Auseinandersetzungen kommen. Das erklärt, warum in einem normalen Garten in aller Regel nur ein einziges Tier lebt, auch wenn die vielen Hügel anderes vermuten lassen.

Paarungszeit und Vermehrung

Nur zur Fortpflanzung durchbrechen Maulwürfe ihre Einzelgänger-Existenz. Die Paarungszeit liegt etwa von Ende Februar bis Anfang März. Die Männchen verlassen dann ihr Territorium und suchen die Weibchen in deren Gangsystem auf.

  • Tragzeit: rund vier Wochen.
  • Wurf: in der Regel einmal jährlich, meist vier bis fünf Junge.
  • Neugeborene: blind, nackt und nur etwa vier bis fünf Gramm schwer.
  • Aufzucht: Die Mutter zieht die Jungen allein in einer mit Pflanzenmaterial ausgepolsterten Nestkammer groß und säugt sie rund fünf Wochen.

Nach der Säugezeit werden die jungen Maulwürfe selbstständig. Im Sommer und Herbst verlassen sie das mütterliche Revier und suchen sich ein eigenes Gebiet – häufig oberirdisch, was eine der wenigen Gelegenheiten ist, einen Maulwurf überhaupt zu Gesicht zu bekommen. Auf dieser Wanderung besiedeln sie auch neue Gärten, was erklärt, warum im Herbst oft plötzlich neue Hügel auftauchen. Mehr dazu im Beitrag Woher kommt der Maulwurf?

Wie alt wird ein Maulwurf?

In freier Natur werden Maulwürfe meist nur wenige Jahre alt. Viele Jungtiere überleben das erste Jahr nicht, da die Abwanderung ins Ungewisse gefährlich ist und sie dabei zahlreichen Feinden begegnen – etwa Greifvögeln, Eulen, Füchsen oder Wieseln, die sie an der Oberfläche oder am Gangausgang erbeuten.

Körperbau als Anpassung

Mit 11 bis 16 Zentimetern Länge und 70 bis 130 Gramm Gewicht ist der Maulwurf kompakt gebaut. Sein walzenförmiger Körper, das in alle Richtungen umlegbare Fell, die zurückgebildeten Augen und die zu Grabschaufeln umgeformten Vorderpfoten machen ihn zum perfekten Tunnelbewohner. Mehr zum Aussehen finden Sie im Beitrag Maulwurf erkennen.

Das Gangsystem: Wohnung, Speisekammer und Kinderstube

Das unterirdische Reich eines Maulwurfs ist erstaunlich durchdacht. Es besteht aus oberflächennahen Jagdgängen, in denen sich Regenwürmer und Insektenlarven verfangen, aus tieferen, frostsicheren Wohngängen und einer zentralen, mit Pflanzenmaterial gepolsterten Nestkammer. Die Jagdgänge funktionieren wie eine Falle: Beutetiere fallen in den Gang und werden vom Maulwurf bei seinen regelmäßigen Kontrollrunden eingesammelt. Weil der Maulwurf seine Gänge ständig kontrolliert und ausbessert, ist er praktisch rund um die Uhr in Bewegung – unterbrochen nur von kurzen Ruhephasen.

Warum man selten zwei Tiere sieht

Da jedes Tier sein Revier strikt verteidigt, überschneiden sich die Gangsysteme benachbarter Maulwürfe kaum. Treffen zwei erwachsene Tiere aufeinander, kommt es zu ernsten Kämpfen. Diese Unverträglichkeit sorgt dafür, dass die Tiere natürlicherweise weit verteilt leben – eine echte „Maulwurf-Plage" mit vielen Tieren auf kleinem Raum ist deshalb biologisch kaum möglich.

Was die Lebensweise für den Garten bedeutet

Aus der einzelgängerischen Lebensweise folgt: Eine „Maulwurf-Plage" im klassischen Sinn gibt es kaum, weil sich die Tiere gegenseitig auf Abstand halten. Meist sorgt ein einziges Tier für alle Hügel. Und weil Maulwürfe geschützt sind und keine Pflanzen fressen, ist der gelassene Umgang oft die vernünftigste Lösung. Wer dennoch handeln möchte, findet schonende Möglichkeiten im Beitrag Maulwurf selbst vertreiben.

Häufige Fragen

Wie viele Junge bekommt ein Maulwurf?

In der Regel einmal im Jahr vier bis fünf Junge. Sie kommen nach etwa vier Wochen Tragzeit blind, nackt und nur wenige Gramm schwer zur Welt und werden rund fünf Wochen von der Mutter gesäugt.

Wann ist die Paarungszeit des Maulwurfs?

Etwa von Ende Februar bis Anfang März. Nur in dieser Zeit verlassen die Männchen ihr Revier, um die Weibchen aufzusuchen – ansonsten leben Maulwürfe strikt als Einzelgänger.

Halten Maulwürfe Winterschlaf?

Nein. Maulwürfe sind das ganze Jahr über aktiv. Bei Kälte oder Trockenheit verlagern sie ihre Aktivität nur in tiefere, frostfreie Bodenschichten und jagen dort weiter.

Wie groß ist das Revier eines Maulwurfs?

Im Schnitt rund 2.000 Quadratmeter, in nahrungsärmeren Gebieten bis zu 3.000. Jedes Tier verteidigt sein Revier, weshalb in einem normalen Garten meist nur ein einziger Maulwurf lebt.

Wie alt werden Maulwürfe?

In freier Natur meist nur wenige Jahre. Besonders riskant ist die Abwanderung der Jungtiere, bei der viele Greifvögeln, Eulen, Füchsen oder Wieseln zum Opfer fallen.

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