Wespennest umsiedeln statt töten: so läuft die Fachumsiedlung
Statt ein Wespennest zu toeten, laesst es sich oft fachgerecht umsiedeln - bei geschuetzten Arten wie der Hornisse ist das sogar der gesetzlich bevorzugte Weg. Im Vakuumverfahren saugt der Fachmann Volk und Nest schonend ab und setzt sie an einem neuen Ort wieder aus.
Ein Nest muss nicht zwangslaeufig vernichtet werden. Die Umsiedlung erhaelt das Volk und ist bei geschuetzten Arten haeufig die einzige zulaessige Loesung. Sie gehoert allerdings in fachkundige Haende - eine Selbstumsiedlung ist gefaehrlich und meist unzulaessig.
Warum umsiedeln statt toeten?
Wespen, Hornissen und Wildbienen sind nuetzliche Insekten und stehen unter Naturschutz. Bei den besonders geschuetzten Arten ist eine Toetung grundsaetzlich verboten; erlaubt ist allenfalls eine genehmigte Umsiedlung im begruendeten Ausnahmefall. Aber auch bei den nicht besonders geschuetzten Wespen ist die Umsiedlung oft die naturvertraeglichere Alternative, wenn das Nest an einem unguenstigen Ort sitzt. Den rechtlichen Rahmen erlaeutert der Beitrag Stehen Wespen unter Naturschutz.
So laeuft die Fachumsiedlung ab
Fachbetriebe und ehrenamtliche Berater nutzen meist das sogenannte Vakuumverfahren. Vereinfacht laeuft es so:
- Beurteilung: Art, Groesse und Lage des Nests werden bestimmt; daraus ergibt sich das Vorgehen.
- Absaugen der Arbeiterinnen: Mit einem speziell angepassten, auf niedriger Stufe laufenden Sauger werden die herumfliegenden Tiere schonend in einen Umsiedlungskarton gesaugt.
- Entnahme des Nests: Das eigentliche Nest wird geloest und in einem getrennten Bereich des Kartons verankert. Entscheidend ist, dass auch die Koenigin mitgenommen wird - ohne sie hat das Volk am neuen Ort keine Zukunft.
- Aussetzen: An einem geeigneten neuen Standort in ausreichender Entfernung wird das Volk samt Nest wieder freigelassen.
Der Schluessel zum Erfolg ist die Koenigin: Wird sie nicht miterfasst, scheitert die Umsiedlung. Genau das macht den Eingriff zur Fachaufgabe.
Wann eine Umsiedlung moeglich ist - und wann nicht
Nicht jedes Nest laesst sich gleich gut umsiedeln. Guenstig sind frei zugaengliche, nicht zu grosse Nester. Schwieriger wird es bei Nestern tief in Hohlraeumen, im Mauerwerk oder im Erdreich, weil sich das Volk dort nicht vollstaendig erfassen laesst. Auch der Zeitpunkt spielt eine Rolle: Frueh in der Saison, wenn das Volk klein ist, gelingt die Umsiedlung am besten. Im Spaetsommer mit grossem Volk ist sie aufwendiger. Ob im Einzelfall umgesiedelt oder anders gehandelt wird, entscheidet die Fachkraft vor Ort.
Was nach der Umsiedlung passiert
Am neuen Standort braucht das Volk Ruhe, um sich zu orientieren und den Flugbetrieb wieder aufzunehmen. Erfahrene Helfer waehlen einen Platz, der weit genug vom alten Ort entfernt liegt, damit die Tiere nicht zurueckfliegen, und der zugleich geschuetzt und naturnah ist. Ob die Umsiedlung erfolgreich war, zeigt sich in den Tagen danach am normalen Ein- und Ausflug. An der urspruenglichen Stelle empfiehlt es sich, den freigewordenen Hohlraum nach Abschluss zu reinigen und zu verschliessen, damit dort nicht erneut gebaut wird - mehr dazu im Beitrag Wespen vorbeugen. So wird aus dem Konflikt am Haus eine dauerhafte Loesung, ohne dass ein nuetzliches Insektenvolk vernichtet werden muss.
Warum keine Selbstumsiedlung?
Eine Umsiedlung in Eigenregie ist aus mehreren Gruenden keine gute Idee:
- Verletzungsgefahr: Ein gestoertes Volk verteidigt sich massiv; ohne Schutzausruestung drohen viele Stiche.
- Rechtslage: Bei geschuetzten Arten ist der Eingriff ohne Genehmigung unzulaessig.
- Erfolgsquote: Ohne Erfahrung und das richtige Geraet bleibt die Koenigin oft zurueck, und das Nest ist verloren.
Bei besonders geschuetzten Arten ist zudem eine Ausnahmegenehmigung der Unteren Naturschutzbehoerde noetig - dazu mehr im Beitrag Wespennest entfernen - erlaubt oder verboten.
Wer umsiedelt - und was es kostet
Umsiedlungen bieten spezialisierte Schaedlingsbekaempfer sowie ehrenamtliche Wespen- und Hornissenberater von NABU und BUND an. Eine fachgerechte Umsiedlung ist in der Regel aufwendiger als eine einfache Entfernung und liegt daher eher im oberen Bereich der ueblichen Preisspannen; ehrenamtliche Berater arbeiten oft gegen eine kleine Aufwandsentschaedigung. Wer der richtige Ansprechpartner ist, zeigt der Beitrag Wer hilft beim Wespennest. Die Umsiedlung verbindet so den Schutz des eigenen Zuhauses mit dem Erhalt nuetzlicher Insekten.
Häufige Fragen
Wie wird ein Wespennest umgesiedelt?
Meist im Vakuumverfahren: Die Fachkraft saugt die Arbeiterinnen mit einem speziellen, schonend eingestellten Sauger in einen Umsiedlungskarton, loest das Nest und setzt Volk samt Koenigin an einem geeigneten neuen Standort wieder aus.
Warum ist die Koenigin so wichtig?
Ohne die Koenigin kann das Volk am neuen Ort nicht weiterbestehen, die Umsiedlung scheitert dann. Sie sicher mitzuerfassen ist die zentrale Herausforderung - und ein Grund, warum der Eingriff in Fachhaende gehoert.
Kann ich ein Nest selbst umsiedeln?
Davon ist abzuraten. Ein gestoertes Volk verteidigt sich massiv, ohne das richtige Geraet bleibt die Koenigin oft zurueck, und bei geschuetzten Arten ist der Eingriff ohne Genehmigung unzulaessig. Ueberlassen Sie die Umsiedlung Fachleuten.
Lassen sich alle Wespennester umsiedeln?
Nein. Gut gelingt es bei zugaenglichen, nicht zu grossen Nestern und frueh in der Saison. Nester tief in Hohlraeumen, im Mauerwerk oder im Erdreich sind schwierig, weil sich das Volk nicht vollstaendig erfassen laesst. Die Fachkraft entscheidet vor Ort.
Wer bietet Wespennest-Umsiedlungen an?
Spezialisierte Schaedlingsbekaempfer sowie ehrenamtliche Wespen- und Hornissenberater von NABU und BUND. Bei besonders geschuetzten Arten ist zusaetzlich eine Genehmigung der Unteren Naturschutzbehoerde erforderlich.