Bestimmungskarte mit Lupe und Feldführer zum Unterscheiden der Zeckenarten in Deutschland
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Zeckenarten in Deutschland: Holzbock, Auwaldzecke, Igelzecke & Co.

In Deutschland leben rund 20 Zeckenarten, doch nur wenige stechen regelmäßig den Menschen. Der Gemeine Holzbock dominiert, daneben breiten sich Auwaldzecke und andere Arten aus.

Wer von der Zecke spricht, meint fast immer den Gemeinen Holzbock. Tatsächlich ist die Artenvielfalt größer: In Deutschland kommen etwa 20 Zeckenarten vor, die sich in Lebensraum, Aktivitätszeit und übertragbaren Erregern unterscheiden. Für den Menschen sind nur einige davon relevant, doch die Unterschiede zu kennen, hilft beim Einschätzen von Risiko und Saison.

Gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus)

Der Holzbock ist die häufigste und wichtigste Zeckenart hierzulande. Er ist für den Großteil aller Stiche beim Menschen verantwortlich und kann sowohl Borrelien als auch das FSME-Virus übertragen. Sein Lebensraum sind Wiesen, Waldränder, Gebüsch und naturnahe Gärten mit hoher Luftfeuchte. Aktiv ist er vor allem von Frühjahr bis Herbst, in milden Wintern auch außerhalb dieser Zeit. Er gehört zu den Schildzecken, erkennbar an dem harten Rückenschild. Welche Erreger er überträgt, vertieft der Beitrag Wie gefährlich sind Zecken.

Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus)

Die Auwaldzecke fällt durch ihr marmoriertes, hell gemustertes Rückenschild auf. Sie kommt vor allem im östlichen und südwestlichen Deutschland vor, breitet sich aber weiter aus. Bemerkenswert ist ihre Aktivitätszeit: Anders als der Holzbock bevorzugt sie die kühlere Jahreszeit und ist sogar im Januar und Februar regelmäßig aktiv. Für Hunde ist sie besonders relevant, weil sie die Babesiose übertragen kann, umgangssprachlich Hundemalaria genannt. Mehr dazu im Beitrag Zecken beim Hund.

Igelzecke (Ixodes hexagonus)

Die Igelzecke lebt überwiegend versteckt in den Bauen und Nestern ihrer Wirte. Zu diesen zählen Igel, Füchse, Marder, aber auch Hunde und Katzen. Den Menschen sticht sie seltener, sie spielt jedoch eine Rolle, wenn Haustiere Kontakt zu Wildtierbauen oder befallenen Nestern haben. Optisch ähnelt sie dem Holzbock, lebt aber stärker an den Wirt gebunden.

Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus)

Diese Art ist eigentlich im Mittelmeerraum zu Hause. Über Urlaubsreisen mit Hunden wird sie immer wieder nach Deutschland eingeschleppt. Sie ist rötlich- bis gelblich-braun und bis zu 5 Millimeter groß. Eine Besonderheit: Die Braune Hundezecke kann in beheizten Wohnungen und Zwingern überleben und sich vermehren, was zu einem hartnäckigen Befall im Innenraum führen kann. Das unterscheidet sie deutlich von heimischen Arten, die im Freien leben.

Schild- und Lederzecken

Grundsätzlich werden Zecken in zwei Familien eingeteilt. Die hier genannten Arten gehören zu den Schildzecken mit hartem Rückenschild. Daneben gibt es Lederzecken ohne dieses Schild, etwa die Taubenzecke, die in Taubenschlägen und alten Gebäuden vorkommt. Sie stechen den Menschen nur selten und meist nachts.

Woran Sie die Arten unterscheiden

Für eine grobe Einordnung im Alltag genügen wenige Merkmale, am besten mit einer Lupe betrachtet:

  • Rückenschild: Der Holzbock hat ein einfarbig dunkles Schild, die Auwaldzecke ein auffällig hell marmoriertes Muster.
  • Größe und Farbe: Die Braune Hundezecke ist mit bis zu 5 Millimetern vergleichsweise groß und rötlich-braun, der ungesogene Holzbock wirkt klein und dunkel.
  • Jahreszeit: Eine im Hochsommer gefundene Zecke ist meist ein Holzbock, eine im Winter aktive eher eine Auwaldzecke.
  • Fundort: Zecken aus Wildtierbauen oder Nestern deuten auf die Igelzecke, Tiere im Innenraum auf die eingeschleppte Braune Hundezecke.

Eine sichere Artbestimmung mit bloßem Auge ist trotzdem schwierig, gerade bei den winzigen Nymphen. Grundlagen zum Aussehen und zur Größe der Stadien finden Sie unter Zecken erkennen und bestimmen.

Warum die Art zählt

Die Artbestimmung ist kein Selbstzweck. Sie beeinflusst:

  • Saison: Holzbock vor allem warme Monate, Auwaldzecke auch im Winter.
  • Erreger: Holzbock überträgt Borrelien und FSME, die Auwaldzecke ist für Hunde wegen Babesiose gefährlich.
  • Ort: Heimische Arten leben im Freien, die eingeschleppte Braune Hundezecke kann sich im Haus etablieren.
Für die Erste Hilfe nach einem Stich spielt die Art keine Rolle: Jede festsitzende Zecke wird gleich, nämlich rasch und vollständig, entfernt. Wie das geht, lesen Sie unter Zecke richtig entfernen.

Gesundheitlicher Hinweis

Die Einordnung einer Zeckenart ersetzt keine ärztliche Beurteilung. Treten nach einem Stich Hautrötungen, Fieber oder andere Beschwerden auf, ist unabhängig von der Art ein Arztbesuch sinnvoll. Eine Bestimmung der Art durch ein Labor kann in Einzelfällen, etwa bei eingeschleppten Tieren, durch Fachleute erfolgen.

Wenn sich im Haus oder Zwinger eine eingeschleppte Art wie die Braune Hundezecke vermehrt, stößt Eigenbehandlung schnell an Grenzen. Solche Innenraum-Befälle erfordern eine fachliche Bekämpfung, wie sie das BIOVEX-Netzwerk anbietet.

Häufige Fragen

Wie viele Zeckenarten gibt es in Deutschland?

In Deutschland kommen etwa 20 Zeckenarten vor. Für den Menschen ist vor allem der Gemeine Holzbock relevant, der den Großteil der Stiche verursacht.

Welche Zecke ist auch im Winter aktiv?

Die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) bevorzugt die kühlere Jahreszeit und ist sogar im Januar und Februar regelmäßig aktiv, anders als der Gemeine Holzbock, der vor allem in den warmen Monaten sticht.

Kann sich eine Zecke in der Wohnung vermehren?

Heimische Arten wie der Holzbock leben im Freien und vermehren sich nicht in Wohnungen. Die aus Südeuropa eingeschleppte Braune Hundezecke kann dagegen in beheizten Räumen und Zwingern überleben und einen hartnäckigen Innenraum-Befall verursachen.

Welche Zeckenart ist für Hunde besonders gefährlich?

Die Auwaldzecke kann die Babesiose übertragen, eine schwere Erkrankung der roten Blutkörperchen beim Hund, umgangssprachlich Hundemalaria. Hundehalter sollten ihre Tiere in Risikoregionen besonders gründlich kontrollieren und tierärztlich beraten lassen.

Was ist der Unterschied zwischen Schildzecken und Lederzecken?

Schildzecken wie der Holzbock besitzen ein hartes Rückenschild und stechen meist tagsüber. Lederzecken, etwa die Taubenzecke, haben kein solches Schild, leben oft in Gebäuden oder Nestern und stechen selten und meist nachts.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden, starken Reaktionen oder Unsicherheit suchen Sie bitte ärztlichen Rat.
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