Erdbienen im Rasen und Garten – harmlos und geschützt
Kleine Sandhäufchen mit einem Loch in der Mitte, dazu emsig fliegende Bienen knapp über dem Boden: Das sind Erd- oder Sandbienen. Sie sind harmlos, nur wenige Wochen aktiv und stehen unter Naturschutz.
Was sind Erdbienen?
Mit „Erdbienen“ sind meist Sandbienen der Gattung Andrena gemeint, eine artenreiche Gruppe heimischer Wildbienen. Sie graben ihre Brutröhren in den Boden, am liebsten in sandige, locker bewachsene oder offene Erdstellen. Im Frühjahr fällt das auf: Im Rasen, in Beeten oder an Böschungen erscheinen kleine Sandhäufchen mit einem zentralen Loch, über denen Bienen tief und schnell hin- und herfliegen. Viele Hausbesitzer erschrecken zunächst, dabei handelt es sich um eines der harmlosesten Insekten im Garten.
So erkennen Sie Erdbienen
Erdbienen sind je nach Art unterschiedlich gefärbt, viele sind rotbraun bis dunkel behaart. Bekannt ist die Rotpelzige Sandbiene (Andrena fulva) mit ihrem auffällig fuchsroten Rückenfell; die Weibchen werden 12 bis 14 Millimeter groß. Typisch ist nicht nur das Aussehen, sondern auch das Verhalten am Boden:
- Nesteingänge: kleine Sandkegel oder Häufchen mit Loch in der Mitte
- Lage: oft viele Eingänge nah beieinander an sonnigen, trockenen Stellen
- Flug: tief über dem Boden, schnell und suchend
- Zeit: vor allem im Frühjahr, von März bis Mai/Juni
Wer sich bei der Bestimmung unsicher ist, findet Hilfe unter Bienenarten bestimmen.
Sind Erdbienen gefährlich?
Nein. Erdbienen sind solitär lebende Wildbienen, sie bilden keinen verteidigungsbereiten Staat. Jedes Weibchen sorgt allein für seine Brut und hat keinen Grund, einen großen Vorrat oder ein Volk zu verteidigen. Obwohl an einer guten Stelle Dutzende oder Hunderte Nester nebeneinander liegen können, entsteht so kein aggressives Verhalten. Die Tiere sind extrem stechfaul; ihr Stachel ist zudem so zart, dass er die menschliche Haut oft kaum durchdringt. Auch für Kinder und Haustiere besteht im Normalfall keine Gefahr. Wie man das Risiko allgemein einordnet, erklärt Bienenstich: Gefahr und Erste Hilfe.
Erdbienen sind keine Plage, sondern ein gutes Zeichen: Sie zeigen einen lebendigen, naturnahen Boden und bestäuben früh blühende Pflanzen und Obstbäume.
Warum sich Geduld lohnt
Erdbienen sind nur wenige Wochen im Jahr sichtbar. Nach der Flug- und Nistzeit im Frühjahr verschwinden die erwachsenen Tiere, und die nächste Generation entwickelt sich im Boden, um erst im folgenden Jahr zu schlüpfen. Das Problem löst sich also von selbst. Wer die kurze Zeit übersteht, wird mit fleißigen Bestäubern belohnt und kann die Fläche danach wie gewohnt nutzen.
Wie Erdbienen leben
Das Verständnis ihres Lebens nimmt viel von der Sorge. Erdbienen sind einjährig in der sichtbaren Phase: Im Frühjahr schlüpfen die erwachsenen Tiere, paaren sich, und die Weibchen legen ihre Brutröhren im Boden an. In jede Kammer tragen sie einen Vorrat aus Pollen und Nektar, legen ein Ei dazu und verschließen die Kammer. Danach sterben die Alttiere. Die neue Generation entwischt erst im folgenden Frühjahr wieder ans Tageslicht. Den Rest des Jahres ist von den Bienen nichts zu sehen, weil die Brut geschützt im Boden ruht. Genau deshalb sind aufwendige Bekämpfungsversuche überflüssig: Wer die wenigen Wochen abwartet, hat das vermeintliche Problem ohne jeden Eingriff gelöst, und der Boden bleibt durch die grabenden Bienen sogar besser durchlüftet.
Was ist erlaubt, was nicht?
Erdbienen sind wie alle Wildbienen nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Es ist verboten, die Tiere zu töten oder ihre Nester zu zerstören. Das Übergießen mit kochendem Wasser, das Verschließen der Eingänge oder der Einsatz von Insektenmitteln sind damit tabu und können mit Bußgeldern geahndet werden. Mehr dazu unter Bienen und Artenschutz.
Wenn Sie die Stelle dennoch entlasten möchten
Stören die Nester wirklich, etwa mitten auf einer viel genutzten Spielfläche, helfen sanfte und legale Maßnahmen, ohne die Tiere zu schädigen:
- Die Fläche während der kurzen Flugzeit einfach meiden und sich gedulden.
- Den Boden im Folgejahr unattraktiver machen, indem man die Stelle dichter begrünt oder beschattet, denn Erdbienen lieben offene, sonnige, trockene Erde.
- Regelmäßiges, aber nicht überflutendes Wässern macht die Stelle weniger einladend für die nächste Generation.
Greifen solche Maßnahmen nicht oder besteht Unsicherheit über die Art und den richtigen Umgang, ist die Untere Naturschutzbehörde oder ein Wildbienen-Berater die richtige Anlaufstelle. Hinweise zum Melden gibt Bienennest melden.
Das Wichtigste in Kürze
Erd- und Sandbienen sind harmlose, solitär lebende Wildbienen, die im Frühjahr Brutröhren in den Boden graben. Sie stechen so gut wie nie, sind nur wenige Wochen aktiv und verschwinden danach von selbst. Da sie geschützt sind, ist Bekämpfung verboten. Wer sich geduldet, hilft wertvollen Bestäubern und kann die Fläche im nächsten Jahr durch dichtere Begrünung unattraktiver machen.