Bienenarten bestimmen: Honigbiene, Wild-, Erd- und Mauerbiene
In Deutschland leben neben der einen Honigbiene über 500 Wildbienenarten, von der pelzigen Hummel über Sand- und Mauerbienen bis zu winzigen Solitärbienen. Dieser Überblick hilft, die wichtigsten Gruppen sicher zu bestimmen.
Eine Honigbiene, viele Wildbienen
Wenn von „der Biene“ die Rede ist, denken die meisten an die Honigbiene. Sie ist aber nur eine von rund 560 Bienenarten in Deutschland. Die übrigen fasst man als Wildbienen zusammen. Anders als die Honigbiene leben etwa 90 Prozent der Wildbienen solitär: Jedes Weibchen baut allein sein Nest, versorgt die Brut ohne Helferinnen und bildet keinen Staat. Diese Vielfalt erklärt, warum Bienen so unterschiedlich aussehen können. Wer die wichtigsten Gruppen kennt, ordnet ein gesehenes Tier schnell ein.
Die Honigbiene
Die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) ist 11 bis 13 Millimeter lang, schlank-oval und braun-schwarz gestreift mit dezenter Behaarung. Sie lebt in großen Völkern mit einer Königin, Tausenden Arbeiterinnen und im Sommer einigen Drohnen. Honigbienen werden vom Imker betreut, kommen aber auch verwildert vor. Mehr zum Aufbau eines Volkes lesen Sie unter Lebenszyklus von Bienen.
Hummeln
Auch Hummeln sind Bienen. Sie sind groß, rund und besonders dicht pelzig, oft schwarz mit gelben Binden und weißem oder orangem Hinterteil. Hummeln leben in kleinen einjährigen Völkern und sind ausgesprochen friedlich. Wegen ihres dicken Pelzes fliegen sie schon bei kühlem Wetter und sind wichtige Bestäuber.
Sand- und Erdbienen
Sandbienen (Gattung Andrena) sind eine artenreiche Gruppe, die ihre Nester in den Boden gräbt. Bekannt ist die Rotpelzige Sandbiene (Andrena fulva): Die 12 bis 14 Millimeter großen Weibchen tragen ein auffällig fuchsrotes Rückenfell und sind im Frühjahr von März bis Mai unterwegs. Im Rasen erkennt man ihre Nester an kleinen Sandhäufchen mit zentralem Loch. Sie sind harmlos und nur kurze Zeit im Jahr aktiv. Ausführlich beschreibt das der Beitrag Erdbienen im Garten.
Mauerbienen
Mauerbienen (Gattung Osmia) nisten in bestehenden Hohlräumen statt zu graben. Die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) ist 10 bis 15 Millimeter groß, hat einen schwarzen Vorderkörper und einen rotbraun behaarten Hinterleib. Sie ist von Ende Februar bis Anfang Juni vor allem in Siedlungen unterwegs und nutzt Mauerritzen, Fugen und Insektenhotels. Was das für Hauswände bedeutet, erklärt Mauerbienen am Haus.
Kurzbestimmung der wichtigsten Gruppen
- Honigbiene: schlank-oval, braun gestreift, lebt im großen Volk
- Hummel: groß, rund, sehr pelzig, oft mit hellem Hinterteil
- Sand-/Erdbiene: oft rotbraun, gräbt Erdnester, kleine Sandhäufchen im Rasen
- Mauerbiene: schwarz-rotbraun, nistet in Ritzen, Fugen und Niströhren
Vorsicht bei Verwechslung mit Wespen
Manche Wildbienen sind klein und unscheinbar und werden mit Wespen oder kleinen Fliegen verwechselt. Entscheidend bleibt die Behaarung und das Verhalten: Bienen sind pelziger und an Blüten unterwegs. Eine ausführliche Abgrenzung bietet Biene oder Wespe.
Kuckucksbienen und unauffällige Arten
Nicht jede Wildbiene sammelt selbst Pollen. Eine eigene Gruppe sind die Kuckucksbienen, etwa die Wespenbienen. Sie bauen kein eigenes Nest, sondern legen ihre Eier in die Brutkammern anderer Bienen, ähnlich dem Kuckuck. Weil sie keine Pollenhöschen tragen und oft schlanker und weniger behaart sind, werden sie häufig für Wespen gehalten. Tatsächlich handelt es sich aber um Bienen, die ebenfalls geschützt sind. Daneben gibt es viele kleine, unscheinbare Wildbienenarten von nur wenigen Millimetern Größe, die man leicht übersieht oder mit Fliegen verwechselt. Diese Vielfalt zeigt, dass eine sichere Bestimmung manchmal nur grob möglich ist. Im Zweifel gilt: lieber als Biene behandeln und in Ruhe lassen, als ein geschütztes Tier vorschnell zu bekämpfen.
Warum alle Bienen geschützt sind
Ganz gleich, ob Honigbiene, Hummel, Sand- oder Mauerbiene: Wildbienen sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Es ist verboten, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten und ihre Nester zu beschädigen oder zu zerstören. Verstöße können mit hohen Bußgeldern geahndet werden. Die genaue Bestimmung hilft deshalb nicht nur der Neugier, sondern auch dem richtigen, rechtssicheren Umgang. Was erlaubt ist und was nicht, erklärt Bienen und Artenschutz.
Das Wichtigste in Kürze
Die Honigbiene ist nur eine von über 500 Bienenarten in Deutschland. Hummeln, Sand-, Erd- und Mauerbienen lassen sich an Größe, Behaarung, Färbung und Nistweise unterscheiden. Fast alle Wildbienen leben solitär und sind völlig harmlos. Da alle Arten geschützt sind, ist die richtige Bestimmung die Grundlage für naturschutzgerechtes Handeln.