Drei unterschiedlich große Wespen- und Hornissennester nebeneinander auf einem Gartentisch zum Bestimmen der Wespenarten
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Wespenarten bestimmen: Deutsche und Gemeine Wespe & Co.

In Deutschland leben rund 700 Wespenarten, doch nur die Gemeine und die Deutsche Wespe werden uns laestig. Anhand von Gesichtszeichnung, Nestfarbe und Verhalten lassen sich die Arten unterscheiden.

Wer von einem Wespenproblem spricht, meint fast immer zwei Arten. Die uebrigen Hunderte heimischer Faltenwespen leben so unauffaellig, dass man sie kaum bemerkt. Die Bestimmung lohnt sich trotzdem: Sie entscheidet darueber, ob ueberhaupt Handlungsbedarf besteht und welche Schutzregeln gelten.

Die beiden laestigen Arten

Gemeine Wespe (Vespula vulgaris)

Die Gemeine Wespe traegt im Gesicht, auf dem sogenannten Kopfschild, eine schwarze Zeichnung in Anker- oder Strichform, die sich nach unten verbreitert. Ihre Nester sind hellbraun bis beige. Die Koeniginnen werden bis etwa 20 Millimeter lang, die Arbeiterinnen mit 11 bis 14 Millimetern deutlich kleiner. Sie nistet gern unterirdisch oder in dunklen Hohlraeumen.

Deutsche Wespe (Vespula germanica)

Die Deutsche Wespe hat statt der Ankerform ein bis drei schwarze Punkte auf der gelben Gesichtsplatte. Ihre Nester sind betongrau. In Groesse und Verhalten aehnelt sie der Gemeinen Wespe stark - auch sie geht im Spaetsommer ans Essen. Beide Arten zusammen sind fuer praktisch alle Konflikte am Esstisch verantwortlich.

Die friedlichen Arten

Viele Wespen, die man am Haus entdeckt, gehoeren zu den ruhigen Arten. Frei haengende, graue Nester unter Dachvorspruengen oder in Gebueschen stammen oft von der Mittleren Wespe oder der Saechsischen Wespe. Beide gelten als sehr friedfertig, gehen nicht ans Essen und sterben meist schon im Hochsommer ab. Ein solches Nest verschwindet also oft von selbst, bevor es ueberhaupt stoert.

Frei haengendes, graues Nest in Strauch oder unter dem Vordach und kein Interesse am Esstisch - das deutet fast immer auf eine harmlose Art hin.

Weitere haeufige Arten

Neben den beiden laestigen und den friedlichen Kurzkopfwespen begegnen einem im Garten weitere Arten, die oft unnoetig Angst ausloesen:

  • Feldwespen (Polistes): schlank, mit auffallend langen, im Flug haengenden Hinterbeinen und eher zoegerlichem Flug. Sie bauen kleine, offene Nester ohne Huelle, etwa unter Dachvorspruengen, und sind sehr friedlich.
  • Mittlere Wespe: baut frei haengende, graue Nester in Hecken und Straeuchern, geht nicht ans Essen und stirbt meist schon im Hochsommer ab.
  • Saechsische Wespe: ebenfalls frei haengende Nester, oft an geschuetzten Stellen wie Dachvorspruengen oder in Schuppen, gilt als ausgesprochen scheu.

Diese Arten sind harmlos und an ihren offenen oder frei haengenden Nestern gut von den problematischen Hohlraumnestern der Gemeinen und Deutschen Wespe zu unterscheiden.

Hilfsmittel zur Bestimmung

Fuer eine sichere Zuordnung muss man kein Experte sein. Hilfreich sind ein scharfes Foto aus sicherem Abstand, mit dem sich die Gesichtszeichnung spaeter in Ruhe vergleichen laesst, sowie ein Blick auf Standort und Farbe des Nests. Naturschutzverbaende wie der NABU und die unteren Naturschutzbehoerden bieten Bestimmungshilfen und beantworten Anfragen. Wer ganz sicher gehen will, laesst die Art von einem Fachbetrieb oder einem ehrenamtlichen Hornissen- und Wespenberater einordnen, bevor ueberhaupt ueber einen Eingriff nachgedacht wird.

Die Hornisse - eine eigene Liga

Die Hornisse (Vespa crabro) ist die groesste heimische Wespe. Ihre Arbeiterinnen erreichen 18 bis 25 Millimeter, Koeniginnen bis 35 Millimeter, und ihre Faerbung ist rotbraun-gelb statt rein schwarz-gelb. Trotz ihrer Groesse ist sie deutlich friedlicher als die kleinen Wespen. Wichtig: Die Hornisse steht unter besonderem Schutz - ihr Nest darf nicht eigenmaechtig entfernt werden. Details dazu im Beitrag geschuetzte Arten.

So gehen Sie bei der Bestimmung vor

  1. Tier ansehen: Faerbung, Groesse und Gesichtszeichnung aus sicherem Abstand pruefen, am besten per Foto.
  2. Nest beurteilen: Farbe und Standort des Nests geben starke Hinweise - grau und frei haengend spricht oft fuer harmlose Arten, beige oder verborgen eher fuer die laestigen.
  3. Verhalten beobachten: Gehen die Tiere ans Essen oder bleiben sie an Pflanzen und Beute?

Wie sich Nester im Detail unterscheiden, zeigt der Beitrag Wespennest erkennen. Die allgemeinen Koerpermerkmale sind unter Wespen erkennen beschrieben.

Warum die Art ueber das weitere Vorgehen entscheidet

Die Bestimmung ist die Grundlage jeder Entscheidung. Handelt es sich um eine friedliche Art oder ein Nest, das ohnehin bald abstirbt, ist meist gar kein Eingriff noetig. Geht es dagegen um ein grosses Volk der Gemeinen oder Deutschen Wespe an einem stark frequentierten Ort - etwa direkt neben der Haustuer oder am Kinderspielplatz - kann ein sachlicher Grund fuer eine fachgerechte Umsiedlung oder Entfernung vorliegen. Und bei Hornissen oder Wildbienen ist die Naturschutzbehoerde der richtige Ansprechpartner. Die Art zu kennen, schuetzt also vor Fehlentscheidungen, vor unnoetigen Kosten und vor Verstoessen gegen das Naturschutzrecht.

Häufige Fragen

Wie unterscheide ich Deutsche und Gemeine Wespe?

Am sichersten an der Gesichtszeichnung: Die Deutsche Wespe hat ein bis drei schwarze Punkte auf der gelben Gesichtsplatte, die Gemeine Wespe eine durchgehende schwarze Anker- oder Strichzeichnung. Auch die Nestfarbe hilft - betongrau bei der Deutschen, beige bei der Gemeinen Wespe.

Welche Wespenarten werden uns ueberhaupt laestig?

Von rund 700 heimischen Arten sind es praktisch nur zwei: die Gemeine und die Deutsche Wespe. Sie fliegen im Spaetsommer suesse und eiweisshaltige Speisen an. Alle anderen Arten leben unauffaellig.

Woran erkenne ich eine harmlose Wespenart?

Frei haengende, graue Nester in Gebueschen oder unter Dachvorspruengen deuten meist auf die Mittlere oder Saechsische Wespe hin. Diese Arten sind sehr friedfertig, gehen nicht ans Essen und sterben oft schon im Hochsommer ab.

Ist die Hornisse eine Wespenart?

Ja, die Hornisse ist die groesste heimische Wespe. Sie ist rotbraun-gelb gefaerbt, deutlich groesser und trotz ihres Aussehens friedlicher als die kleinen Wespen. Sie steht unter besonderem Schutz und darf nicht eigenmaechtig entfernt werden.

Muss ich jedes Wespennest bestimmen lassen?

Die Bestimmung ist sinnvoll, weil sie ueber das weitere Vorgehen entscheidet. Viele Nester gehoeren zu harmlosen Arten oder sterben ohnehin bald ab. Bei Unsicherheit helfen Naturschutzbehoerde, NABU oder ein Fachbetrieb bei der Einordnung.

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