Lebenszyklus von Bienen: Volk, Königin und Schwarmzeit
Ein Honigbienenvolk besteht aus einer Königin, Tausenden Arbeiterinnen und einigen Drohnen. Jede Biene durchläuft die Stadien Ei, Larve, Puppe und erwachsenes Tier – und das Volk teilt sich in der Schwarmzeit, um sich zu vermehren.
Das Bienenvolk und seine drei Bewohner
Die Honigbiene ist ein staatenbildendes Insekt. Ein Volk besteht aus drei Typen von Tieren, den sogenannten Bienenwesen, die unterschiedliche Aufgaben übernehmen:
- Die Königin: das einzige voll fortpflanzungsfähige Weibchen, das alle Eier legt und das Volk durch Botenstoffe zusammenhält.
- Die Arbeiterinnen: die Tausenden weiblichen Bienen, die sammeln, bauen, putzen, die Brut versorgen und das Nest verteidigen.
- Die Drohnen: die männlichen Bienen, deren Aufgabe die Begattung junger Königinnen ist.
Anders als die Honigbiene leben die meisten Wildbienen solitär und bilden kein solches Volk. Den Überblick über die Arten gibt Bienenarten bestimmen.
Vom Ei zur Biene
Jede Biene durchläuft eine vollständige Verwandlung mit vier Stadien: Ei, Larve, Puppe und erwachsenes Tier (Imago). Die Königin legt ihre Eier in die sechseckigen Wabenzellen. Aus dem Ei schlüpft eine Larve, die von den Arbeiterinnen gefüttert wird, sich verpuppt und schließlich als fertige Biene schlüpft. Die Entwicklungsdauer unterscheidet sich je nach Bienenwesen:
- Königin: rund 16 Tage vom Ei bis zum Schlupf
- Arbeiterin: rund 21 Tage
- Drohne: rund 24 Tage
Spannend ist, dass über die Ernährung der Larve entschieden wird, ob aus einem befruchteten Ei eine Arbeiterin oder eine Königin wird. Drohnen entstehen dagegen aus unbefruchteten Eiern.
Was Arbeiterinnen im Leben leisten
Eine Arbeiterin durchläuft im Lauf ihres Lebens verschiedene Berufe. Frisch geschlüpft reinigt sie zunächst die Wabenzellen. Nach einigen Tagen wird sie zur Ammenbiene und füttert Larven und Königin, später hilft sie beim Wabenbau, bewacht den Eingang und wird schließlich zur Sammlerin, die Nektar und Pollen einträgt. Im Sommer leben Arbeiterinnen nur wenige Wochen, die im Herbst geschlüpften Winterbienen dagegen mehrere Monate, um das Volk durch die kalte Jahreszeit zu bringen.
Ein Bienenvolk ist ein erstaunlich organisierter Superorganismus: Tausende Einzeltiere arbeiten so zusammen, dass das Ganze überdauert, auch wenn einzelne Bienen nur kurz leben.
Die Schwarmzeit: So vermehrt sich ein Volk
Während sich einzelne Bienen über die Brut vermehren, vermehrt sich das Volk als Ganzes durch das Schwärmen. In der Schwarmzeit, meist im Mai und Juni, nutzen kräftige Völker das reiche Nahrungsangebot, um sich zu teilen. Das Volk zieht in den Waben sogenannte Weiselzellen heran, in denen neue Königinnen entstehen. Bevor die erste junge Königin schlüpft, verlässt die alte Königin mit etwa der Hälfte der Bienen den Stock und bildet einen Schwarm. Dieser sucht sich ein neues Zuhause, während im alten Stock eine neue Königin übernimmt. So werden aus einem Volk zwei.
Wer einem solchen Schwarm begegnet, sollte wissen, dass er ungefährlich ist und in die Hände eines Imkers gehört. Wie man richtig reagiert, erklärt Bienenschwarm im Garten.
Kommunikation und Bestäubung
Damit ein Volk als Einheit funktioniert, müssen sich Tausende Bienen verständigen. Sammlerinnen teilen ihren Schwestern über den berühmten Schwänzeltanz mit, in welcher Richtung und Entfernung sich lohnende Blüten befinden. Über Duftstoffe, die Pheromone, hält die Königin das Volk zusammen und steuert sein Verhalten. Diese ausgefeilte Organisation macht die Honigbiene zu einem der wichtigsten Bestäuber überhaupt: Auf ihren Sammelflügen überträgt sie Pollen von Blüte zu Blüte und sichert so die Erträge vieler Obst- und Nutzpflanzen. Gemeinsam mit den über 500 Wildbienenarten leisten Bienen damit einen unersetzlichen Beitrag zur Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen. Genau diese Bedeutung ist der Grund, warum Bienen so streng geschützt sind und ein Volk im Zweifel umgesiedelt statt bekämpft wird.
Das Jahr im Bienenvolk
Der Lebenszyklus des Volkes folgt den Jahreszeiten. Im Frühjahr wächst das Volk rasch, im Mai und Juni ist Schwarmzeit, im Sommer wird Honig eingetragen, im Herbst bereitet sich das Volk auf den Winter vor und zieht langlebige Winterbienen heran. Anders als Wespen- oder Hornissenvölker stirbt das Honigbienenvolk im Winter nicht ab, sondern überdauert als sogenannte Wintertraube. Deshalb können Bienennester über mehrere Jahre an derselben Stelle bestehen. Diese Beständigkeit hilft auch beim Erkennen, wie unter Bienennest erkennen beschrieben.
Das Wichtigste in Kürze
Ein Honigbienenvolk besteht aus Königin, Arbeiterinnen und Drohnen. Jede Biene entwickelt sich über Ei, Larve und Puppe zum erwachsenen Tier, eine Arbeiterin in etwa 21 Tagen. Das Volk vermehrt sich durch Schwärmen in der Schwarmzeit von Mai bis Juni, wenn die alte Königin mit einem Teil der Bienen auszieht. Anders als Wespen überwintert das Bienenvolk und kann mehrere Jahre bestehen.