Mit Drahtgitter gesicherte Lüftungsöffnung an der Fassade zum tierschonenden Vorbeugen von Wildtieren
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Wildtiere vorbeugen: Zugänge tierschonend sichern

Der wirksamste Schutz vor Wildtieren im Haus ist, ihnen den Weg hinein zu versperren – bevor sie einziehen. Beim Sichern von Zugängen ist aber Sorgfalt gefragt, damit kein Tier eingesperrt wird und keine geschützte Brut zu Schaden kommt.

Vorbeugen ist besser als vertreiben

Hat sich erst einmal ein Marder, Waschbär oder eine Taube eingerichtet, wird die Lösung aufwendig – und durch den Artenschutz auch rechtlich heikel. Deshalb ist die beste Strategie, Gebäude von vornherein dicht zu machen. Prävention ist nicht nur günstiger als eine spätere Vergrämung, sie vermeidet auch die heiklen Situationen mit Jungtieren und geschützten Quartieren. Wer typische Schwachstellen kennt, kann sie gezielt sichern.

Wo Wildtiere ins Haus gelangen

Die meisten Tiere nutzen vorhandene Lücken – sie müssen selten selbst etwas aufbrechen. Typische Einstiege sind:

  • Verschobene oder fehlende Dachziegel, besonders am First und an Graten
  • offene Traufen und Ortgänge, wo das Dach auf die Wand trifft
  • Lüftungsöffnungen und Dunstrohre ohne Gitter
  • Spalten an Fassade, Balkon und Vordach
  • defekte Fliegengitter und gekippte Dachfenster

Marder genügt bereits eine Öffnung von wenigen Zentimetern. Es lohnt sich, das Gebäude von außen systematisch abzugehen – idealerweise mit Fernglas für die Dachzonen.

Zugänge richtig und dauerhaft sichern

Geruchs- oder Ultraschallmittel wirken bestenfalls kurzfristig, weil sich die Tiere daran gewöhnen. Dauerhaft hilft nur der mechanische Ausschluss. Bewährt haben sich:

  • verzinkter oder Edelstahl-Drahtgitter (Maschenweite klein genug, robust gegen Nagen) vor Lüftungs- und Trauföffnungen
  • Lochbleche und Kaminabdeckungen für Schornsteine und Rohre
  • Bürstenleisten und Spaltverschlüsse an Übergängen
  • fest verschraubte Ziegel und reparierte Dachanschlüsse

Wichtig ist stabiles, nagesicheres Material. Kunststoffgitter oder Bauschaum allein halten einem Marder oder Waschbär nicht stand.

Die wichtigste Regel: erst prüfen, dann verschließen

Bevor ein Zugang dichtgemacht wird, muss zweifelsfrei geklärt sein, dass kein Tier mehr drinnen ist – und vor allem keine Jungtiere. Wird eine Öffnung in der falschen Zeit verschlossen, sperrt man unter Umständen ein Muttertier von seinen Jungen ab oder die Jungen im Quartier ein. Das ist nicht nur Tierquälerei, sondern bei geschützten Arten auch ein Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz.

Faustregel: Außerhalb der Brut- und Setzzeit verschließen, und nur, wenn sichergestellt ist, dass das Quartier leer ist.

Die zeitlichen Grenzen ergeben sich aus der Nist- und Setzzeit. In dieser Phase sind viele Fortpflanzungsstätten besonders geschützt, und ein Verschluss kann verboten sein. Ein einfacher Test bei Verdacht auf Anwesenheit ist die sogenannte Einwegklappe oder ein loses Stopfen der Öffnung mit Papier: Bleibt es über mehrere Tage unberührt, ist meist kein Tier mehr aktiv – dieser Schritt gehört aber idealerweise in fachkundige Hände.

Zusätzliche vorbeugende Maßnahmen

Neben dem baulichen Verschluss helfen flankierende Maßnahmen, das Gebäude unattraktiv zu machen:

  • Fallobst, Tierfutter und offene Abfälle entfernen (locken Waschbär und Marder)
  • Kletterhilfen wie überhängende Äste zurückschneiden – aber nur außerhalb der Vogelschutzzeit
  • Tauben durch Spikes oder Netze von Simsen und Vorsprüngen fernhalten
  • Regelmäßige Dachkontrolle, um neue Schwachstellen früh zu erkennen

Schwachstellen je nach Tierart

Nicht jedes Tier nutzt dieselben Wege, und wer das berücksichtigt, sichert gezielter:

  • Marder kommen meist über das Dach – verschobene Ziegel, offene Traufen und Spalten am First. Sie klettern hervorragend und nutzen überhängende Äste oder Regenrohre als Aufstieg.
  • Waschbären brauchen größere Öffnungen, weiten Vorhandenes aber kräftig auf. Hier zählt besonders stabiles Material an Dachkanten und Gauben.
  • Tauben setzen sich auf Simse, Balkonbrüstungen und unter Vordächern fest; hier helfen Spikes, Drähte und Netze.
  • Fledermäuse nutzen schmale Spalten hinter Verkleidungen – sie dürfen wegen ihres strengen Schutzes aber nicht einfach ausgesperrt werden.

Diese Unterschiede zeigen, warum die richtige Artbestimmung auch bei der Vorbeugung der erste Schritt ist.

Wann der Fachbetrieb sinnvoll ist

Vorbeugung lässt sich teilweise selbst erledigen, etwa das Anbringen von Gittern in gut erreichbaren Bereichen. An steilen Dächern, bei unklarer Anwesenheit von Tieren oder wenn ein geschütztes Quartier im Spiel ist, stößt Heimwerken jedoch an Grenzen – sowohl bei der Arbeitssicherheit als auch rechtlich. Wenn unklar ist, ob noch ein Tier drin ist, oder wenn es um eine geschützte Art geht, prüfen ein Fachbetrieb des BIOVEX-Netzwerks oder die untere Naturschutzbehörde die Lage, bevor verschlossen wird. So bleibt der Schutz wirksam und gesetzeskonform.

Häufige Fragen

Wann darf ich Einstiegslöcher von Wildtieren verschließen?

In der Regel nur außerhalb der Brut- und Setzzeit und nur, wenn sicher kein Tier – insbesondere kein Jungtier – mehr im Quartier ist. Wird während der Aufzuchtzeit verschlossen, droht das Einsperren von Jungtieren, was bei geschützten Arten verboten ist.

Welches Material hält Marder und Waschbär ab?

Stabiler, verzinkter oder Edelstahl-Draht mit kleiner Maschenweite sowie Lochbleche sind nagesicher. Kunststoffgitter, Bauschaum oder lose Abdeckungen reichen nicht aus, da kräftige Tiere sie aufweiten oder durchnagen.

Wie groß muss eine Lücke sein, damit ein Marder hineinpasst?

Ein Steinmarder zwängt sich schon durch Öffnungen von wenigen Zentimetern. Deshalb sollten auch kleine Spalten an Traufe, First und Lüftungsöffnungen ernst genommen und konsequent gesichert werden.

Helfen Geruchsmittel zur Vorbeugung dauerhaft?

Nein. Geruchs- und Ultraschallmittel wirken bestenfalls vorübergehend, weil sich Tiere an sie gewöhnen. Dauerhaften Schutz bietet nur der mechanische Verschluss der Zugänge.

Wie finde ich heraus, ob noch ein Tier im Dach ist?

Hinweise sind nächtliche Geräusche, frischer Kot oder verlagerte Dämmung. Eine lose verstopfte Öffnung, die über mehrere Tage unberührt bleibt, deutet auf ein leeres Quartier hin. Bei Unsicherheit – besonders während der Aufzuchtzeit – sollte ein Fachkundiger prüfen.

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