Hornissenberater oder Schädlingsbekämpfer? Den richtigen Fachmann finden
Bei Hornissen ist nicht jeder Schädlingsbekämpfer die richtige Wahl. Oft ist ein ehrenamtlicher Hornissenberater der bessere erste Ansprechpartner. Dieser Beitrag hilft bei der Entscheidung.
Warum die Wahl des Fachmanns bei Hornissen anders ist
Bei Wespen, Ratten oder Schaben geht es meist um Bekämpfung. Bei der besonders geschützten Hornisse geht es dagegen fast immer um Beratung, Belassen oder schonende Umsiedlung. Deshalb ist die Frage nach dem richtigen Ansprechpartner hier besonders wichtig. Die falsche Wahl kann bedeuten, dass ein Nest unnötig oder gar illegal beseitigt wird.
Der Hornissenberater
Ehrenamtliche Hornissenberaterinnen und -berater werden von der Unteren Naturschutzbehörde benannt. Sie sind auf den Schutz von Hornissen und anderen Hautflüglern spezialisiert und arbeiten naturschutzorientiert. Ihre Stärken:
- fachkundige Einschätzung, ob überhaupt ein Eingriff nötig ist
- oft kostenlose Beratung vor Ort
- Durchführung schonender Umsiedlungen
- enge Anbindung an die Naturschutzbehörde und das Genehmigungsverfahren
In sehr vielen Fällen ist der Berater die beste erste Adresse, weil er häufig zeigt, dass das Nest bedenkenlos belassen werden kann. Den Kontakt vermittelt die Naturschutzbehörde.
Der erfahrene Imker
Manche Imker mit Erfahrung im Hautflüglerschutz führen ebenfalls Umsiedlungen durch. Sie verfügen über Ausrüstung und Routine im Umgang mit staatenbildenden Insekten und sind oft günstig, teils gegen eine Aufwandsentschädigung. Auch hier gilt: Eine behördliche Genehmigung ist erforderlich.
Der Schädlingsbekämpfer
Ein professioneller, fachkundiger Schädlingsbekämpfer ist dann sinnvoll, wenn die Lage technisch anspruchsvoll ist, etwa bei Nestern tief in der Bausubstanz, in großer Höhe oder in schwer zugänglichen Hohlräumen, sowie wenn schnelle Verfügbarkeit gefragt ist. Wichtig ist, dass der Betrieb den Artenschutz kennt und respektiert, also auf Umsiedlung statt Vernichtung setzt und nur mit Genehmigung arbeitet.
Ein seriöser Schädlingsbekämpfer fragt bei Hornissen zuerst nach der Genehmigung der Naturschutzbehörde und schlägt eine Umsiedlung vor, statt sofort zur Beseitigung zu raten.
Woran Sie einen seriösen Anbieter erkennen
- Er kennt den Schutzstatus der Hornisse und spricht ihn von sich aus an.
- Er verweist auf die Untere Naturschutzbehörde und das Genehmigungsverfahren. Mehr dazu unter Genehmigung der Naturschutzbehörde.
- Er bevorzugt die schonende Umsiedlung gegenüber der Beseitigung.
- Er nennt eine nachvollziehbare Kostenspanne, bevor er anrückt.
- Er drängt nicht zu vorschnellem Handeln und nimmt der Angst die Panik.
Vorsicht ist geboten, wenn ein Anbieter ohne Erwähnung des Artenschutzes sofort eine teure Komplettvernichtung anbietet. Das ist bei Hornissen ein Warnsignal.
Welche Fragen Sie vorab stellen sollten
Bevor Sie jemanden beauftragen, klären ein paar gezielte Fragen schnell, ob das Gegenüber sein Handwerk versteht. Bewährt haben sich:
- Ist eine Genehmigung der Naturschutzbehörde nötig, und wie wird sie eingeholt?
- Setzen Sie auf Umsiedlung oder auf Beseitigung, und warum?
- Können Sie das Nest schonend versetzen, und wohin?
- Welche Kostenspanne ist für meinen Fall realistisch?
- Was passiert mit Tieren, die zur alten Stelle zurückkehren?
Antworten, die den Artenschutz ernst nehmen und die Umsiedlung als Regelfall benennen, sind ein gutes Zeichen. Ausweichende Antworten oder das Drängen auf sofortige Vernichtung sollten Sie stutzig machen.
Regionale Verfügbarkeit
Nicht in jeder Gegend gibt es zu jeder Zeit einen freien Hornissenberater, gerade im Hochsommer sind ehrenamtliche Helfer stark gefragt. Dann kann ein artenschutzbewusster Fachbetrieb die Lücke füllen, vor allem bei dringenden oder technisch schwierigen Fällen. Wichtig bleibt, dass auch er nur mit Genehmigung arbeitet und die schonende Variante wählt. Im Idealfall arbeiten Berater, Behörde und Fachbetrieb Hand in Hand, sodass das Tier geschützt und Ihr Anliegen gelöst wird.
Die richtige Reihenfolge
- Ruhe bewahren und Abstand halten. Oft ist kein Eingriff nötig.
- Untere Naturschutzbehörde kontaktieren. Sie schätzt die Lage ein und benennt einen Hornissenberater.
- Berater oder Fachbetrieb hinzuziehen, falls eine Umsiedlung wirklich erforderlich ist.
- Genehmigung einholen und die Maßnahme nur durch geschulte Personen durchführen lassen.
So finden Sie den passenden Ansprechpartner
Der einfachste Weg führt über die Untere Naturschutzbehörde Ihres Landkreises oder Ihrer Stadt. Sie kennt die ehrenamtlichen Berater und kann Empfehlungen geben. Brauchen Sie für eine genehmigte Umsiedlung einen geschulten, artenschutzbewussten Fachbetrieb, vermittelt das BIOVEX-Netzwerk passende Ansprechpartner, die legal, sicher und tierschonend arbeiten.
Häufige Fragen
Hornissenberater oder Schädlingsbekämpfer, wen rufe ich zuerst an?
In der Regel zuerst die Untere Naturschutzbehörde, die oft einen ehrenamtlichen Hornissenberater benennt. Dieser klärt kostenlos, ob ein Eingriff überhaupt nötig ist. Ein Schädlingsbekämpfer ist bei technisch schwierigen Lagen sinnvoll.
Was kostet ein Hornissenberater?
Die Beratung durch ehrenamtliche Hornissenberater ist häufig kostenlos. Eine durchgeführte Umsiedlung kann eine Aufwandsentschädigung kosten. Ein gewerblicher Fachbetrieb berechnet meist eine Spanne im niedrigen dreistelligen Bereich.
Woran erkenne ich einen unseriösen Anbieter?
An sofortigen Angeboten zur Komplettvernichtung ohne Erwähnung des Artenschutzes, an fehlendem Hinweis auf die nötige Genehmigung und an Drängen zu vorschnellem Handeln. Seriöse Anbieter setzen bei Hornissen auf Umsiedlung.
Darf ein Schädlingsbekämpfer ein Hornissennest einfach beseitigen?
Nein. Auch ein Fachbetrieb braucht eine Ausnahmegenehmigung der Naturschutzbehörde und sollte die schonende Umsiedlung bevorzugen. Ohne Genehmigung ist auch sein Eingriff verboten.
Kann ein Imker bei Hornissen helfen?
Ja, erfahrene Imker mit Kenntnis im Hautflüglerschutz führen Umsiedlungen oft durch, häufig günstig. Auch dann ist eine behördliche Genehmigung erforderlich.