Hornissen umsiedeln lassen: Ablauf der fachgerechten Umsiedlung
Sitzt ein Hornissennest an einem ungünstigen Ort, ist die Umsiedlung der schonende und legale Weg. So läuft eine fachgerechte Versetzung Schritt für Schritt ab.
Umsiedeln statt vernichten
Weil die Europäische Hornisse besonders geschützt ist, darf ein Nest nicht einfach beseitigt werden. Stört es aber wirklich, etwa direkt am Hauseingang, ist die Umsiedlung die bevorzugte Lösung. Dabei wird das gesamte Volk samt Nest schonend an einen neuen, geeigneten Standort versetzt, sodass es weiterleben kann. Naturschutzbehörden genehmigen Umsiedlungen deutlich eher als Beseitigungen, weil die Population erhalten bleibt.
Vor der Umsiedlung: die Prüfung
Am Anfang steht immer die Einschätzung der Lage. Die Untere Naturschutzbehörde oder ein von ihr benannter ehrenamtlicher Hornissenberater schaut sich an, wo das Nest sitzt und wie stark es den Alltag beeinträchtigt. Häufig stellt sich heraus, dass ein einfaches Belassen oder kleine Anpassungen genügen, etwa das Umlenken einer Flugbahn oder das Meiden des Nestbereichs. In solchen Fällen ist gar keine Umsiedlung nötig. Erst wenn eine echte Beeinträchtigung oder Gefahr vorliegt, kommt die Versetzung ins Spiel. Den rechtlichen Rahmen dazu erklärt der Beitrag zur Genehmigung der Naturschutzbehörde.
Der Ablauf einer fachgerechten Umsiedlung
- Genehmigung einholen: Ohne Ausnahmegenehmigung der Naturschutzbehörde darf nicht umgesiedelt werden. Den Antrag stellt meist die betroffene Person, oft mit Unterstützung des Beraters.
- Standort und Zeitpunkt planen: Umgesiedelt wird bevorzugt in den kühleren Abend- oder Nachtstunden, wenn die meisten Tiere im Nest sind. Ein neuer Standort in einigen Kilometern Entfernung mit passender Umgebung wird vorbereitet.
- Sichern und Lösen des Nestes: Die Fachperson sichert die Flugöffnung und löst das Nest behutsam vom Untergrund. Bei Nestern in Hohlräumen wie Rollladenkästen ist das aufwendiger.
- Transport: Nest und Tiere werden in einer geeigneten Box zum neuen Standort gebracht.
- Neuansiedlung: Am Zielort wird das Nest, oft in einem Hornissenkasten, montiert, sodass das Volk seine Arbeit fortsetzen kann.
- Nachkontrolle: Tiere, die zur alten Stelle zurückfliegen, werden eingesammelt und nachgesetzt.
Eine Umsiedlung ist Präzisionsarbeit. Sie gelingt am besten, wenn das Nest noch nicht zu groß ist, weshalb frühes Handeln im Sommer Vorteile hat.
Wer eine Umsiedlung durchführt
Umsiedlungen übernehmen geschulte Personen: ehrenamtliche Hornissenberaterinnen und -berater, Imker mit Erfahrung im Hautflüglerschutz oder fachkundige Schädlingsbekämpfer mit Schutzausrüstung. Welche Stelle die richtige ist, hängt vom Einzelfall ab und wird oft von der Naturschutzbehörde mitentschieden. Eine Entscheidungshilfe bietet der Beitrag Hornissenberater oder Schädlingsbekämpfer.
Was nach der Umsiedlung am alten Ort bleibt
Nach einer erfolgreichen Umsiedlung bleibt an der alten Stelle oft nur ein leeres Wabengerüst oder ein Rest des Nestes zurück. Dieses kann nach Abschluss der Maßnahme entfernt und der Hohlraum gereinigt und verschlossen werden, damit sich im nächsten Jahr nicht erneut eine Königin einnistet. Gerade bei Nestern in Rollladenkästen oder Verkleidungen lohnt es sich, den Zugang anschließend dauerhaft zu sichern. So verbindet man die einmalige Umsiedlung mit nachhaltiger Vorbeugung, wie sie der Beitrag Hornissen vorbeugen beschreibt.
Warum nicht jede Umsiedlung sofort gelingt
Hornissen orientieren sich stark an ihrem gewohnten Standort. Deshalb fliegen nach dem Versetzen oft einzelne Sammlerinnen zur alten Stelle zurück, weil sie zum Zeitpunkt der Umsiedlung unterwegs waren. Eine fachgerechte Umsiedlung plant das ein. Die Fachperson kehrt gegebenenfalls noch einmal zurück, um heimkehrende Tiere einzusammeln und nachzusetzen, oder belässt für kurze Zeit eine Sammelvorrichtung. Geduld gehört deshalb zum Verfahren dazu, ein sauberes Ergebnis stellt sich nicht immer am selben Abend ein.
Wann eine Umsiedlung nicht möglich ist
Nicht jedes Nest lässt sich versetzen. Sehr große, tief in der Bausubstanz sitzende oder im Spätsommer bereits weit entwickelte Nester überstehen eine Umsiedlung schlechter. In solchen Fällen wägt die Behörde zwischen Belassen bis zum natürlichen Absterben im Herbst und, als letztem Mittel, einer genehmigten Beseitigung ab. Das natürliche Ende des Volkes kommt ohnehin: Im Spätherbst stirbt das Volk, und nur junge Königinnen überwintern an anderer Stelle.
Was es kostet
Die Spannen für eine Umsiedlung sind überschaubar und liegen meist im niedrigen dreistelligen Bereich, abhängig von Lage und Aufwand. Eine Übersicht gibt der Beitrag Was kostet die Umsiedlung.
So gehen Sie vor
Möchten Sie ein Nest umsiedeln lassen, kontaktieren Sie zuerst die Untere Naturschutzbehörde. Sie nennt Ihnen Berater oder Fachbetriebe und erklärt das Genehmigungsverfahren. Brauchen Sie einen geschulten Ansprechpartner für die Durchführung, vermittelt das BIOVEX-Netzwerk Fachleute, die die Umsiedlung legal, sicher und tierschonend durchführen.
Häufige Fragen
Wird eine Umsiedlung immer genehmigt?
Umsiedlungen werden deutlich häufiger genehmigt als Beseitigungen, weil das Volk erhalten bleibt. Voraussetzung ist meist eine nachvollziehbare Beeinträchtigung oder Gefahr. Über die Genehmigung entscheidet die Untere Naturschutzbehörde.
Zu welcher Jahreszeit ist eine Umsiedlung am besten?
Je früher im Sommer, desto besser, da kleinere Nester eine Umsiedlung besser überstehen. Durchgeführt wird sie meist in den kühleren Abend- oder Nachtstunden, wenn die meisten Tiere im Nest sind.
Überlebt das Volk eine Umsiedlung?
Bei fachgerechter Durchführung sind die Überlebenschancen gut, vor allem bei früh und sauber versetzten Nestern. Sehr große oder tief in der Bausubstanz sitzende Nester lassen sich dagegen schwerer umsiedeln.
Kann ich eine Umsiedlung selbst durchführen?
Nein. Eine Umsiedlung erfordert eine Genehmigung und Fachkenntnis. Sie wird von geschulten Hornissenberatern, erfahrenen Imkern oder fachkundigen Schädlingsbekämpfern mit Schutzausrüstung durchgeführt.
Was passiert mit Hornissen, die zum alten Standort zurückfliegen?
Einzelne heimkehrende Tiere werden bei der Nachkontrolle eingesammelt und zum neuen Standort gebracht. Das ist ein normaler Teil einer fachgerechten Umsiedlung.