Spinnen im Haus erkennen und bestimmen
An zwei Körperabschnitten und acht Beinen erkennen Sie eine Spinne sicher. Mit ein paar Merkmalen lässt sich die gefundene Art den wenigen häufigen Hausbewohnern zuordnen.
Wer eine Spinne in der Wohnung entdeckt, möchte meist als Erstes wissen: Was ist das eigentlich, und muss ich mir Sorgen machen? Die gute Nachricht vorweg: In deutschen Häusern leben nur eine Handvoll regelmäßig vorkommender Arten, und keine davon ist für gesunde Menschen gefährlich. Mit etwas Übung bestimmen Sie die häufigsten Untermieter selbst.
Ist es überhaupt eine Spinne?
Echte Spinnen (Webspinnen) erkennen Sie an zwei Merkmalen: Ihr Körper besteht aus zwei deutlich getrennten Abschnitten – dem Vorderkörper mit den Beinen und dem rundlichen Hinterleib – und sie tragen acht Beine. Insekten dagegen haben drei Körperabschnitte, sechs Beine und oft Flügel oder Fühler. Eine häufige Verwechslung ist der Weberknecht: Er hat zwar acht Beine, sein Körper wirkt aber wie eine einzige kleine Kugel ohne Einschnürung – er ist gar keine echte Spinne und spinnt auch kein Netz.
Worauf Sie beim Bestimmen achten
Um eine Hausspinne einzuordnen, helfen wenige Beobachtungen, für die Sie das Tier nicht anfassen müssen:
- Größe und Beine: Lange, dünne Beine an einem winzigen Körper oder ein kräftiger, behaarter Körperbau?
- Färbung und Zeichnung: Einfarbig, gefleckt oder mit Muster auf dem Hinterleib?
- Sitzplatz: Frei an der Zimmerdecke, in einem Trichternetz in der Ecke oder allein an der Wand unterwegs?
- Netz oder nicht: Form und Lage des Netzes sind oft das deutlichste Erkennungszeichen.
Die häufigsten Hausspinnen auf einen Blick
In Wohnräumen treffen Sie fast immer auf dieselben Arten:
- Große Winkelspinne (Hauswinkelspinne): kräftig, bräunlich, behaart, mit hell-dunkler Fleckenzeichnung. Baut Trichternetze in Ecken, Kellern und hinter Möbeln und huscht nachts über den Boden. Mehr dazu im Beitrag Hauswinkelspinne erkennen.
- Große Zitterspinne: zierlicher, fast durchsichtiger Körper mit extrem langen, dünnen Beinen. Hängt kopfüber in unregelmäßigen Netzen an Zimmerdecken und in Ecken.
- Nosferatu-Spinne: ein eingewanderter Neuankömmling mit einer Zeichnung auf dem Vorderkörper, die an ein Gesicht erinnert. Sie baut kein Fangnetz, sondern jagt frei. Details im Beitrag Nosferatu-Spinne erkennen.
- Kreuzspinne: baut die typischen Radnetze, sitzt meist außen an Fenstern, Balkonen und im Garten – seltener tief im Wohnraum.
Einen vollständigen Überblick mit Unterscheidungsmerkmalen finden Sie im Beitrag Häufige Haus-Spinnen im Überblick.
Verwechslungen vermeiden
Besonders oft werden Zitterspinne und Weberknecht durcheinandergebracht, weil beide lange, dünne Beine haben. Der Unterschied: Die Zitterspinne hat einen zweigeteilten Körper und baut Netze, der Weberknecht hat einen ungeteilten Körper und spinnt nicht. Auch Nosferatu-Spinne und Hauswinkelspinne sehen sich auf den ersten Blick ähnlich – wie Sie beide auseinanderhalten, erklärt der Beitrag Nosferatu-Spinne und Hauswinkelspinne unterscheiden.
Spinne oder ein anderes Tier?
Nicht jedes vielbeinige Tier im Haus ist eine Spinne. Häufig werden auch andere Mitbewohner mit ihnen verwechselt – ein Blick auf Beinzahl und Körperbau schafft Klarheit:
- Kellerasseln haben einen gepanzerten, segmentierten Körper und sehr viele kurze Beine – sie sind Krebstiere, keine Spinnen.
- Hundertfüßer (Spinnenläufer) sind länglich, flink und tragen zahlreiche lange Beinpaare entlang des Körpers.
- Käfer haben sechs Beine, harte Flügeldecken und Fühler.
- Silberfische sind flach, silbrig glänzend und huschen mit sechs Beinen und langen Schwanzfäden davon.
Steht fest, dass das Tier acht Beine und einen zweigeteilten Körper hat, ist es eine echte Spinne – alles andere gehört zu anderen Tiergruppen.
Spinnen nach Lebensweise einordnen
Neben dem Aussehen hilft die Lebensweise beim Bestimmen. Grob lassen sich zwei Gruppen unterscheiden: Netzspinnen, die an einem festen Platz auf Beute warten – etwa die Winkel- und die Zitterspinne – und freie Jäger, die ohne Fangnetz umherlaufen, wie Nosferatu- und Springspinnen. Wenn Sie also beobachten, ob das Tier in einem Netz sitzt oder frei läuft, haben Sie die Art oft schon halb bestimmt. Diese Lebensweise verrät auch, wo Sie weitere Tiere derselben Art finden – ruhige Ecken bei Netzspinnen, Wände und Fensterrahmen bei Jägern.
Wie Sie eine unbekannte Spinne sicher bestimmen
Bleibt die Art unklar, fotografieren Sie das Tier aus sicherer Entfernung möglichst scharf – von oben und von der Seite, mit einem Gegenstand als Größenvergleich daneben. Mit solchen Aufnahmen lässt sich eine Spinne in Online-Bestimmungshilfen oder über naturkundliche Meldeportale gut zuordnen. Die Arachnologische Gesellschaft, der Fachverband der Spinnenkundler, bietet dafür verlässliche Bestimmungsgrundlagen. Vom Anfassen oder Einfangen mit bloßen Händen ist abzuraten – nicht, weil es gefährlich wäre, sondern weil die Tiere dabei leicht verletzt werden.
Muss ich die Art überhaupt kennen?
Für die meisten Funde reicht die beruhigende Erkenntnis: In Deutschland leben rund 1.000 Spinnenarten, doch keine einzige heimische Art ist für gesunde Menschen ernsthaft gefährlich. Spinnen im Haus sind in der Regel harmlos und sogar nützlich, weil sie Mücken, Fliegen und andere Insekten vertilgen. Warum sich ein Mitbewohner auf acht Beinen oft sogar lohnt, lesen Sie im Beitrag Harmlos und nützlich.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, ob es eine Spinne oder ein Insekt ist?
Spinnen haben zwei Körperabschnitte und acht Beine, keine Flügel und keine Fühler. Insekten haben drei Körperabschnitte, sechs Beine und häufig Flügel oder Fühler. Allein die Beinzahl ist schon ein sicheres Unterscheidungsmerkmal.
Wie unterscheide ich eine Zitterspinne von einem Weberknecht?
Beide haben lange, dünne Beine. Die Zitterspinne hat aber einen klar zweigeteilten Körper und baut Netze, in denen sie kopfüber hängt. Der Weberknecht hat einen ungeteilten, kugeligen Körper, ist keine echte Spinne und spinnt kein Netz.
Welche Spinnen kommen am häufigsten im Haus vor?
Am häufigsten sind die Große Winkelspinne (Hauswinkelspinne) mit ihren Trichternetzen, die Große Zitterspinne an der Decke und zunehmend die eingewanderte Nosferatu-Spinne. Kreuzspinnen sitzen meist außen am Fenster.
Kann ich eine unbekannte Spinne über ein Foto bestimmen lassen?
Ja. Fotografieren Sie das Tier aus sicherer Entfernung scharf von oben und von der Seite, am besten mit einem Gegenstand als Größenvergleich. Mit solchen Bildern lässt sich die Art über Bestimmungshilfen und naturkundliche Meldeportale meist gut zuordnen.
Sind Spinnen im Haus gefährlich?
Nein. Keine in Deutschland heimische Spinnenart ist für gesunde Menschen ernsthaft gefährlich. Spinnen im Haus sind in der Regel harmlos und sogar nützlich, weil sie Mücken und andere Insekten fangen.