Wachszellen und Brutkammern im Nest zeigen den Lebenszyklus der Hummeln
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Lebenszyklus und Vermehrung der Hummeln

Ein Hummelvolk lebt nur einen Sommer: Eine überwinterte Königin gründet im Frühjahr das Nest, baut ein Volk auf, und im Spätsommer überleben allein die jungen Königinnen für das nächste Jahr.

Der Lebenszyklus der Hummeln folgt einem strengen Jahresrhythmus. Anders als Honigbienen bilden Hummeln keine mehrjährigen Völker – jedes Volk besteht nur eine einzige Saison. Wer diesen Kreislauf kennt, versteht auch, warum ein Hummelnest am Haus kein Dauerproblem ist und sich von selbst auflöst.

Frühjahr: Die Königin gründet das Volk

Sobald es im zeitigen Frühjahr wärmer wird, verlässt die im Vorjahr begattete Jungkönigin ihr Winterquartier. Hummeln sind dank ihres Pelzes schon bei niedrigen Temperaturen flugfähig und gehören deshalb zu den ersten Insekten des Jahres. Die Königin sucht allein einen Nistplatz – etwa einen verlassenen Mäusebau oder einen Hohlraum am Haus. Dort legt sie erste Wachstöpfchen an, sammelt Pollen und Nektar und legt ihre ersten Eier. Sie wärmt die Brut mit ihrem Körper und versorgt sie zunächst ganz allein.

Vom Ei zur fertigen Hummel

Aus den Eiern schlüpfen Larven, die sich verpuppen und schließlich als fertige Hummeln schlüpfen. Die Entwicklung dauert je nach Kaste unterschiedlich lange – Arbeiterinnen brauchen rund 20 Tage, Drohnen etwa 24 und Königinnen ungefähr 27 Tage. Die ersten Tiere sind ausschließlich Arbeiterinnen.

Sommer: Das Volk wächst

Sobald die ersten Arbeiterinnen schlüpfen, übernehmen sie das Sammeln von Nahrung, die Brutpflege und die Verteidigung. Die Königin konzentriert sich nun ganz auf die Eiablage. Das Volk wächst über die Sommermonate heran und erreicht je nach Art eine Größe von etwa 50 bis 600 Tieren. Die meisten davon sind Arbeiterinnen. Wie das Nest dabei aussieht, beschreibt Hummelnest erkennen.

Spätsommer: Königinnen und Drohnen

Gegen Ende der Saison produziert das Volk Jungköniginnen und Drohnen (Männchen). In einem starken Volk können hundert oder mehr Jungköniginnen sowie mehrere hundert Drohnen heranwachsen. Die Drohnen verlassen das Nest, um Jungköniginnen anderer Völker zu begatten. Die begatteten Jungköniginnen fressen sich Reserven an und suchen ein Winterquartier.

Herbst: Das Volk stirbt ab

Mit der Begattung der Jungköniginnen ist die Aufgabe des Volkes erfüllt. Die alte Königin, alle Arbeiterinnen und die Drohnen sterben im Spätsommer bis Herbst – je nach Art zwischen August und Oktober. Arbeiterinnen und Drohnen erreichen ohnehin nur ein Alter von wenigen Wochen. Das Nest wird verlassen, nicht wiederbesiedelt und zerfällt rückstandslos. Mehr dazu unter Wie lange bleibt ein Hummelnest?.

Winter: Nur die Jungköniginnen überleben

Allein die begatteten Jungköniginnen überstehen den Winter. Sie graben sich an geschützter Stelle in den Boden ein und fallen in Winterstarre. Im folgenden Frühjahr erwachen sie und beginnen den Kreislauf von neuem – jede gründet ein eigenes, neues Volk. Wichtig: Die Jungköniginnen übernehmen kein bestehendes Nest und gründen im gleichen Jahr auch keinen neuen Staat.

Die Rolle der Königin im Detail

Die Hummelkönigin trägt das gesamte Volk durch das Jahr. Sie ist das einzige Tier, das den Winter übersteht, und investiert im Frühjahr enorm viel Energie in die Gründung. In der Anfangsphase ist sie zugleich Baumeisterin, Sammlerin, Brutpflegerin und Wärmequelle – sie hält die Brut durch Muskelzittern auf Temperatur. Diese Phase ist die verletzlichste im ganzen Zyklus: Stirbt die Königin jetzt, etwa durch Kälteeinbrüche, Fressfeinde oder Pflanzenschutzmittel, scheitert das gesamte Volk, bevor es entstehen konnte. Erst wenn die ersten Arbeiterinnen schlüpfen, ist das Volk stabiler aufgestellt.

Kuckuckshummeln als Störfaktor

Nicht jedes Volk entwickelt sich ungestört. Sogenannte Kuckuckshummeln dringen in fremde Nester ein, verdrängen die rechtmäßige Königin und lassen ihre eigene Brut von den fremden Arbeiterinnen aufziehen. Das betroffene Volk produziert dann statt eigener Nachkommen die der Schmarotzerin. Für den Menschen ist das ohne Bedeutung, zeigt aber, wie komplex das Zusammenleben im Hummeljahr ist.

Warum der Zyklus von der Witterung abhängt

Der genaue Zeitpunkt der einzelnen Phasen schwankt von Jahr zu Jahr und von Art zu Art. Ein milder Vorfrühling lockt die Königinnen früher aus dem Winterquartier, ein später Kälteeinbruch kann sie dagegen empfindlich treffen. Auch die Dauer der Saison hängt von Witterung und Nahrungsangebot ab. Deshalb lassen sich Beginn und Ende eines Hummelnestes nie auf den Tag genau vorhersagen – die grobe Spanne von Frühjahr bis Spätsommer gilt aber zuverlässig.

Was das für Hausbesitzer bedeutet

Der einjährige Zyklus ist der Grund, warum ein Hummelnest am Haus fast nie ein dauerhaftes Problem darstellt. Wer die Saison abwartet, ist das Nest sicher wieder los – ohne Eingriff und ohne Kosten. Da Hummeln zudem geschützt und als Bestäuber ökologisch wertvoll sind, ist Dulden die naturverträglichste Lösung. Wie Sie Hummeln aktiv unterstützen können, lesen Sie unter Hummeln dulden und fördern.

Häufige Fragen

Wie lange lebt ein Hummelvolk?

Nur eine Saison. Die Königin gründet das Volk im Frühjahr, es wächst über den Sommer und stirbt im Spätsommer bis Herbst ab. Nur die Jungköniginnen überwintern und gründen im nächsten Frühjahr neue Völker.

Wie viele Tiere hat ein Hummelvolk?

Je nach Art etwa 50 bis 600 Tiere. Die große Mehrheit sind Arbeiterinnen, dazu kommen am Saisonende Jungköniginnen und Drohnen. Damit bleiben Hummelvölker deutlich kleiner als Bienen- oder Wespenvölker.

Wie lange leben einzelne Hummeln?

Die Königin lebt etwa ein Jahr. Arbeiterinnen und Drohnen erreichen meist nur ein Alter von wenigen Wochen. Drohnen sterben nach der Paarungszeit, Arbeiterinnen im Lauf der Saison.

Überwintern Hummeln im Nest?

Nein. Das gesamte Volk stirbt ab. Nur die begatteten Jungköniginnen überwintern einzeln an geschützter Stelle im Boden und gründen im Frühjahr neue Völker.

Wann sieht man die ersten Hummeln im Jahr?

Schon im zeitigen Frühjahr, oft ab Ende Februar oder im März. Dank ihres Pelzes können Hummeln bei niedrigen Temperaturen fliegen. Die ersten sichtbaren Tiere sind die nestsuchenden Königinnen.

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